Großrazzia bei BESTLIFE SELECT AG und SAM AG

Quelle: www.gomopa.net 
Großrazzia bei Managern der BESTLIFE SELECT AG und SAM AG


Wegen des Verdachts auf Veruntreuung von Geldern aus angekauften Lebensversiche-rungs-Policen in zigfacher Millionenhöhe seit dem Jahre 2009 vollstreckt seit heute vormittag die Staatsanwaltschaft München I einen richterlichen Beschluss und rückte mit einem großen Polizeiaufgebot zu umfangreichen Durchsuchungen bei Verantwortlichen der Schweizer SAM AG und ihrem deutschen Vertrieb, der BESTLIFE SELECT AG aus der Elsenheimerstraße 53 sowie Landsberger Straße 3 in München, aus. Die Durchsuchungen erstrecken sich auf die Bundesländer Bayern, Hessen und Berlin. 

Ob Beschuldigte verhaftet wurden, konnte der amtierende Pressessprecher der Staatsanwaltschaft München I, Staatsanwalt Peter Preuß, am Nachmittag gegenüber dem Finanzachrichtendienst GoMoPa.net noch nicht sagen, da er erst noch mit Kollegen Rücksprache halten muss, die noch bei den Maßnahmen vor Ort sind. 

Wie aus dem Dursuchungsbeschluss zum Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft München I (Geschäftsnummer: 324 Js 129882/11) hervorgeht, der GoMoPa.net vorliegt, durchsuchen die Beamten zur Stunde noch die Büroschränke von SAM AG-Alleinaktionär Michael Frank Oberle (49) im Rossbergweg 28 in Würzburg (Bayern) sowie an seinem neuen Firmensitz der Oberle Geothermik GmbH in der Sedanstraße 27 in Würzburg und Hanauer Landstraße 316 in Frankfurt am Main. 

Ebenso die Büroakten vom Direktor der SAM AG mit Einzelunterschrift Michael Hollenbach (45) Am Meilenstein 14 in Hurlach (Bayern). 

Außerdem werden die Geschäftsräume von Dieter Kaufmann, Martin Schütz, Daniel Fritsch (34) aus Erlensee in Hessen (der bereits seit 25. Februar 2013 wegen des Verdachts auf Bandenbetruges mit der Frankfurter S&K Gruppe in Untersuchungshaft sitzt) und von Steuerberater Frank Schöncke (50) aus Ismaning in Bayern untersucht, der wie Fritsch zur S&K Gruppe gewechselt war. 

Auch bei den als Treuhändern fungierenden Rechtsanwälten, die seinerzeit die Vorverträge (Lebensversicherungen, Bausparverträge) im Auftrag der SAM AG gekündigt hatten, wurden Durchsuchungen durchgeführt. Diese sind insbesondere Rechtsanwalt Michael Maier aus Stuttgart, Dr. Gero Kollmer aus Regensburg, Rechtsanwalt Steinmeier in München, Dr. Thilo Zimmermann in München, Markus Saller in Mühldorf am Inn und Rüdiger Ramke in Nürnberg. 

Insbesondere Rechtsanwalt Dr. Gero Kollmer, ehemals Kanzlei BLTS aus der Kumpfmühler Strafße 3 in Regensburg, war zuletzt schon im Rahmen der medienträchtigen Durchsuchungen im Zusammenhang mit den Betrugsvorwürfen gegen die S&K Gruppe in Erscheinung getreten und vorläufig festgenommen worden. 

Die BLTS fungierte als Treuhänder der im gleichen Haus ansässigen und mit der S&K Gruppe verbundenen Firmen Asset Trust AG, Deutsche Sachwert Emissionshaus AG sowie Grundwerte GmbH, die von Daniel Fritsch oder teil- und zeitweise auch von Dr. Gero Kollmer geführt wurden. 

Wonach sucht die Staatsanwaltschaft? 

Es geht laut Durchsuchungsbeschluss um erdrückende Betrugsvorwürfe gegen den ehemaligen Verwaltungsratsvorsitzenden und eigentlichen Kopf hinter der SAM AG, Michael Frank Oberle. 

Rechtsanwalt Dr. Tintemann von der Kanzlei Dr. Schulte und Partner aus Berlin hierzu: 

Zitat:


Wir vertreten derzeit mehrere hundert geschädigter Anleger der SAM AG und der Ultra Sonic Gruppe. Hierbei ist uns von vielen Mandanten mehrfach mitgeteilt worden, dass Herr Oberle als "Strippenzieher" im Hintergrund tätig war. Es verwundert somit nicht, dass die Staatsanwaltschaft München nun ihre Ermittlungen gegen Herrn Oberle intensiviert.


Es geht laut Durchsuchungsbeschluss um: 

Convent

Zitat:


Finanzunterlagen 
1.1. Kontounterlagen aller Konten, Festgeldkonten, Depots, Schließfächer, sonstiger Bankverbindungen, insbesondere solcher im Ausland, einschließlich aller Kontobelege und der Belegbuchhaltung, einschließlich aller Kreditbuchungsunterlagen und Kreditunterlagen für den Zeitraum 1. Januar 2009 bis heute... 

Unterlagen, die Aufschluss geben, über die Art der Beziehung der Beschuldigten 
Fritsch, Oberle, Kaufmann, Hollenbach, Schöncke und Schütz und deren Verwandten und (Ex-)Ehegatten und (Ex-) Schwiegereltern/-töchtern/-söhnen sowie von diesen beherrschten Unternehmen 

zu den Firmen 
best lifecom GmbH, BESTLIFE SELECT AG, bestlife select GmbH, UCM AG, Capital Solutions AG, LEO ONE Verwaltungs AG, LEO Verwaltungs- und Vertriebs GmbH, Thormann Verwaltungsgesellschaft mbH, SAM Finanz AG, SAM Management Group AG, LEO ONE INVESTMENT GmbH, Thormann Capital GmbH...


Michael Frank Oberle hatte am 5. Februar 2009 in Luzern das Schweizer Investitionshaus für erneuerbare Energien SAM Finanz AG gegründet und am 15. September 2010 in die heutige SAM Management Group AG (kurz SAM AG) umfirmiert, weil er ohne BaFin-Lizenz Gelder aus Rückkaufswerten von deutschen Lebensversicherungskunden als Kredit kassieren wollte und den Versicherungskunden im Gegenzug hohe Renditen aus Anlageobjekten versprach, in die er investieren wollte. 

Aber auch in der Schweiz war ein solches Geschäft ohne eine Banklizenz verboten. Seit März 2012 wird die SAM AG zwangsabgewicketl, weil sie gar keine Sicherheiten für die Rückzahlung der aufgekauften Versicherungspolicen vorweisen konnte und daher auch keine Erlaubnis für diese Geschäfte bekam. 

Inzwischen hatten 4.500 meist deutsche Anleger rund 44 Millionen Euro verloren. 

Das Geld sollte an die Regensburger Firmen der Fröschl Gruppe FG Geothermie GmbH und FROGRESS GmbH gehen, beide in der Bruderwöhrdstraße 15a, an denen sich die SAM AG zu 47,5 Prozent und zu 50 Prozent beteiligte. Als einziges bekannte Projekt sollten die Regensburger mit dem Geld der SAM AG ein Geothermiewerk in Kirchweidach in Bayern bauen. 

Doch wie die Schweizer Liquidatoren feststellen mussten, seien von von den 44 Millionen Euro nur rund 27,5 Millionen im Zielobjekt angekommen, der Rest sei irgendwo versickert. Kirchweidach muss nun mit Bankenkrediten zuende gebaut werden. 

Auf den beiden Konten der SAM AG bei der Raiffeisenbank der Region Stans fanden die Prüfer am 18. Mai 2012 nur noch 3.782,91 Euro und 655.311,24 Euro. 

Die Prüfer sehen darin eine Gefährdung der Anleger und Gläubiger. "Ein Totalausfall muss nach vorsichtiger Einschätzung ins Auge gefasst werden", meldeten die Prüfer am 11. Juni 2012 der FINMA. 

Am 25. Februar 2013 musste über die Gesellschaft das Konkursverfahren eröffnet eröffnet. 

Zur SAM AG gehörten zwei deutsche Vertriebsgesellschaften in München mit 1.000 freien Vertrieblern, die für jeden eingeworbenen Rückkaufswert eine 14- bis 15prozentige Provision kassierten. 

Der verhaftete S&K-Manager Daniel Fritsch war dort in verantwortlicher Position. 

Vom 28. Januar 2010 bis 1. Juni 2011 leitete Daniel Fritsch jeweils als Vorstand die BESTLIFE SELECT AG und die LEO ONE Green Invest AG, die die Gelder in die Schweiz zur SAM AG überwiesen. 

Daniel Fritsch hatte laut Prüfbericht der Liquidatoren der SAM AG an die Schweizer Finanzmarktaufsicht FINMA vom 11. Juni 2012 für die SAM AG bei der Swissquote Bank einen Trading-Account für spekulative Börsengeschäfte (Devisengeschäfte) geführt. Das Depot wies zum 20. März 2012 einen Verlust von 4,2 Millionen Euro aus. 

Die Liquidatoren schrieben empört: "Der dafür eingestellte Mitarbeiter Daniel Fritsch verlangt für seine Tätigkeit auch noch ein ausstehendes Honorar in Höhe von 250.000 Euro." 

Fritsch wird nachgesagt, dass er allein für Spesen 1 Million Euro Anlegergelder oder Firmengelder ausgegeben haben soll. Fritsch galt als sehr freigiebig. 

Zu den Verantwortlichen der SAM AG zählt neben Oberle auch der Geschäftsführer (Direktor) der SAM AG mit Einzelunterschrift Michael Hollenbach (44) aus Hurlach in Bayern (Am Meilenstein 14), der mit seiner Lebensgefährtin Anja Rix in der Büelstraße 27 in Hergiswil wohnt. Direktor Hollenbach bekam von der SAM AG ein monatliches Salär von 10.700 Euro und dessen Lebensgefährtin als Mitarbeiterin 4.130 Euro. 

Michael Hollenbach ist seit 1. Juni 2011 auch Vorstand der LEO ONE Green Invest AG (bis 14. März 2012 Capital Solutions AG) in der Elsenheimerstraße 53 in München. Außerdem ist Hollenbach Vorstandsmitglied der best lifecom GmbH (zwischenzeitlich LEO ONE Verwaltungs AG, davor bis 3. Februar 2012 bestlife select GmbH) an gleicher Stelle. 

Am 21. März 2012 wurde Michael Hollenbach zusätzlich noch als Geschäftsführer einer erst am 8. März 2012, aber an derselben Adresse wie die anderen Firmen gegründeten LEO ONE INVESTMENT GmbH bestellt. 

Zweck dieser Investmentgesellschaft war es, mit den alten Vertrieben neue Kundengelder einzuwerben, um die Fröschl Gruppe mit dem geplanten Geothermiekraftwerk am Leben zu halten und die SAM AG-Kredite zurückzahlen zu können. Nach dem gleichen Muster wie beim SAM AG-Produkt CASHSELECT sollten gekündigte Lebensversicherungen als Kredite angenommen werden. Die Bonner Finanzmarktaufsicht teilte am 10. Juli 2012 mit, dass es sich bei dem CASHSELECT-Modell um ein genehmigungspflichtiges Einlagengeschäft nach Kreditwesengesetz KWG (Paragraph 1 Absatz 1 Satz 2 Nummer 1) handelt. 

Die LEO ONE habe als Nachfolgerin der SAM AG-Töchter BESTLIFE SELECT AG und Capital Solutions AG der BaFin nicht nachweisen können, dass sie über genügend Mittel verfüge, um die Ansprüche gegenüber den Anlegern und die Investitionsvereinbarungen mit der Fröschl Gruppe zu erfüllen, obgleich man die SAM-AG-Abwickler wissen ließ, man habe zwischen 10 und 15 Millionen Euro neues Geld einsammeln können. Oberle betont, dass die LEO ONE rein rechtlich völlig eigenständig sei und er auf die LEO ONE keinen Einfluss mehr gehabt habe. 

Die SAM AG-Anleger wurden mit falschen Versprechungen vertröstet. 

Anwalt Christian M. Schulter<br /> von der Kanzlei Dr. Schulte<br /> und Partner Rechtsanwälte<br /> Berlin © Kanzlei Dr. Schulte
Anwalt Christian M. Schulter
von der Kanzlei Dr. Schulte
und Partner Rechtsanwälte
Berlin © Kanzlei Dr. Schulte

Rechtsanwalt Christian M. Schulter von der Kanzlei Dr. Schulte und Partner Rechtsanwälte Berlin, die am 14. September 2012 eineGeschädigtengemeinschaft SAM AG in Berlin gegründet haben, erläuterte gegenüber GoMoPa.net: 

Zitat:


Uns war seit längerem bekannt, dass Strafverfahren laufen. Es ist aus Anlegersicht erfreulich, dass die zuständige Staatsanwaltschaft München hier nun Nägel mit Köpfen macht und Unterlagen sichert. Hiervon werden auch die geschädigten Anleger der SAM AG profitieren. 

Im Interesse der Anleger werden wir alles daran setzen, um mit der ermittelnden Staatsanwaltschaft eng zusammenzuarbeiten. Auch wir als Anlegerschützer haben die als Treuhänder aufgetretenen Rechtsanwälte ins Visier genommen und bereiten derzeit Klagen gegen diese vor. 

Wie uns ein gut informierter Referent aus internen Vertriebskreisen mitteilte, sei in einer Veranstaltung am 18. April 2012 seitens der SAM AG immer noch behauptet worden, dass sämtliche Kundengelder korrekt angelegt worden seien. 

Die SAM AG habe wegen der mangelnden Genehmigung in der Schweiz den Plan verfolgt, das Geschäft durch eine deutsche Gesellschaft weiterführen zu lassen. Hier sei versichert worden, dass die deutsche Finanzaufsicht BaFin die Sachlage anders beurteilen würde als die Schweizer Finanzaufsicht. 

Im Grunde sei stets kommuniziert worden, dass es sich nur um einen Formfehler handeln würde, weil die damaligen Berater die Rechtslage in der Schweiz falsch eingeschätzt hätten. Dieser Fehler aus dem Jahre 2009 sei erst im März 2012 offenkundig geworden. 

Die Kommunikationsstrategie der SAM AG im Sommer 2012 sei gewesen: "Gelder seien gesichert, es ginge nur um Formalien".


Die von der FINMA eingesetzten Untersuchungsrechtsanwälte fanden jedoch heraus, dass die Rückzahlungsverpflichtungen der SAM AG gegenüber den Anlegern und die eingegangenen Investitionsverträge sowohl jetzt als auch in nächster Zukunft nur durch neue Anlegerkredite bedient werden können. Die Werthaltigkeit der einzigen Investition in die Fröschl Gruppe Regensburg sei nicht nachgewiesen worden. Den Anlegern drohe ein Totalverlust. 

Bleibt also nur, die Verantwortlichen in Regress zu nehmen. Hier dürfte gelten, wer zuerst kommt, mahlt zuerst. 

Anwalt Schulter meint: "SAM AG-Inhaber Michael Oberle kann ja wiederum seine Ex-Berater und Ex-Partner, die ihn getäuscht hätten, verklagen." 

Die LEO ONE INVESTMENT GmbH gehört seit dem 19. September 2012 einem Michael Thormann (49) aus Starnberg und heißt nun Thormann Capital GmbH. Die Firmenadresse in München ist aber geblieben. Hollenbach gab am gleichen Tag den Geschäftsführerposten an Thormann ab. Der war zuletzt Geschäftsführer beim Kunststoffwarenhersteller Roll-Tec Systembauelemente GmbH in Schmallenberg (Nordrhein-Westfalen). Drei Monate, nachdem Thormann das Ruder des 20 Jahre alten Betriebes übernommen hatte, ging die Firma am 26. November 2011 in Insolvenz (Amtsgericht Arnsberg, Aktenzeichen 21 IN 318/11). 

Auch die Thormann Capital GmbH (ehemals LEO ONE) ist nun in Schieflage geraten. Zuletzt erhielten die Anlegern nicht mehr ihre monatlichen Ausschüttungen. 

Rechtsanwalt Schulter von der Kanzlei Dr. Schulte und Partner, der ebenfalls in dieser Angelegenheit tätig ist, erklärte hierzu: 

Derzeit gibt es viele Spekulationen um die Thormann Capital. In einem internen Schreiben vom 05.03.2013 wurde mitgeteilt, dass es große strukturelle Probleme bei den getätigten Investitionen gebe und man den Anlegern im Moment nicht mehr ihr Ausschüttungen zahlen könne. Die Anleger wurden hierüber jedoch bislang nicht informiert. Von Seiten der Thormann Capital gab es hierzu keine Stellungnahme. Die Büroräume in München sind geräumt, und telefonisch erreicht man nur noch den Anrufbeantworter. 

Die Staatsanwaltschaft München I rückte heute auch zur Zeugenbefragung bei der Fröschl Gruppe in Regensburg an, die um 48 Millionen Euro für die nächsten zwei Jahre zugesagte Kredite von der SAM AG geprellt wurde. Rechtsanwalt Dr. Thomas Schulte, der die Fröschl Gruppe als Geschädigte vertritt, sagte gegenüber GoMoPa.net: "Wir unterstützen die Durchsuchungen und freuen uns darüber, wie gründlich die bayerische Justiz operiert. Die FG Unternehmung als Geschädigte kooperiert sehr gern." Nun denn... 

Links zum Thema 
» Dr. Schulte: Sam-ag-hilfe.de 
» Sam-Liquidation.ch 

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