Französische Diplomatin verkauft Schlauchboote in der Türkei / Bodrum für 500 Euro

Frankreichs Aussenminister Laurent Fabius hat seine Honorarkonsulin in Bodrum entlassen: Die französische Geschäftsfrau hatte Schlauchboote an Flüchtlinge verkauft.

In der Fernsehreportage, die der öffentlich-rechtliche Sender France 2 am Freitagabend ausstrahlte, hatte sich der Reporter Franck Genauzeau auf die Suche nach denjenigen gemacht, die in der Türkei Schlauchboote und Schwimmwesten an Migranten verkaufen. In einem Vorort von Bodrum stiess er auf einen grossen Einkaufsmarkt, Marina Plaza, vor dessen Tür die französische Flagge weht. Mit gutem Grund: Ein grosses Messingschild verweist hier auf das Büro der französischen Honorarkonsulin. Die Besitzerin des Wassersportmarktes, Françoise Olcay, ist Frankreichs ehrenamtliche Konsulin in Bodrum.

Mit versteckter Kamera hat Genauzeau das Angebot des Ladens inspiziert: Schlauchboote in allen Grössen gibt es dort zu kaufen, vor allem solche, mit denen man sich besser nicht aufs Meer wagen sollte. Der kleinste Aussenmotor kostet 500 Euro, Wucherpreise.

«Wir machen uns mitschuldig»

Im Interview fragt er die Honorarkonsulin und Geschäftsfrau, ob sie sich bewusst sei, dass sie damit am Schlepperbusiness derjenigen teilnehme, die die Menschen in den Tod schickten: «Ja», antwortet Olcay, «absolut.» Olcays Hauptargument ist, dass sich alle daran beteiligen würden, der Bürgermeister, die Hafenaufsicht, der Präfekt der Region. «Wenn wir sie nicht verkaufen, verkauft sie ein anderer», sagt Olcay trocken. Dann fügt sie hinzu: «Natürlich machen wir uns mitschuldig.»

Die Reportage des Journalisten Franck Genauzeau auf France 2 (auf Französisch).

Kaum war die Reportage in den Abendnachrichten ausgestrahlt worden, stand das Telefon im französischen Aussenministerium nicht mehr still. Die Nachrichtenagentur AFP meldete sofort die Suspension der Konsulin. Aus dem Quai d’Orsay hiess es, der französische Generalkonsul in Istanbul habe Françoise Olcay, dem sie in ihrer Tätigkeit untersteht, über ihre Entlassung informiert. Olcay, die mit einem türkischen Geschäftsmann verheiratet ist, war seit 2014 Honorarkonsulin in Bodrum. Ihre Tätigkeit war ehrenamtlich.

Visa für mehrere Tausend Euro verkauft

Dennoch ist das ein dramatischer diplomatischer Eklat. Es scheint überdies, dass Korruptionsaffären in den französischen Konsulaten der Türkei auf der Tagesordnung stehen. Das jedenfalls behauptet Guillaume Perrier, ehemaliger Türkeikorrespondent von «Le Monde», in einem Telefoninterview mit dem Fernsehsender LCI. Im französischen Konsulat in Istanbul liefen die meisten Visumanträge für den Schengen-Raum ein. Wegen Korruption sei unlängst mehr als die Hälfte des Personals ausgetauscht worden, berichtet Perrier. In der kurdischen Stadt Arbil, im Irak, seien Visa von französischen Konsulatsmitarbeitern für mehrere Tausend Euro verkauft worden.

Auf Twitter hat Perrier am Samstag unter #Bodrum die Telefonnummer von Olcay gepostet: «Falls Sie Frankreichs Honorarkonsulin, die in Menschenhandel macht, ein schönes Wochenende wünschen wollen.»

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