Glück?

Wenn Du morgens Deine Kinder durch lichtdurchflutetes, sattes Grün in die Schule fährst, leichtbekleidete Mädchen mit Gesundheitsblick am von sanft sich wiegenden Bäumen gesäumten Straßenrand ohne Hektik flanieren, während der Fahrtwind dich angenehm an den Armen streichelt und die geliebte Donau die Sonne eines azurnen Himmels als glitzernde Lichtstraße widerspiegelt - dann bist Du glücklich und die Fahrt könnte ewig dauern, weil Du eins bist mit Deiner Umgebung.

Und da sage eine Religion oder Philosophie, der Geist müsse sich von der Natur emanzipieren und es müsse eine "Neuschöpfung" aus dem Geiste geben.. Dient sie ihm nicht eher als seine Grundlage, als ein unendlich tiefes Wasser, auf dessen Oberfläche er schwimmt, ängstlich und zappelnd die unbekannten Ungeheuer und ungeheuren Kräfte in dunklen Tiefen ahnend ? Muss er sich nicht täglich neu aus ihr erschaffen wie sich das Bewusstsein aus lebensspendendem und erneuernden Tiefschlaf täglich neu gebiert?

Nun sehe ich die Betonwüste der vom reinen Geiste dominierten Innenstadt. Hochhäuser, Hotels, Bürogebäude, und fühle: Das gehört da nicht hin! Das beleidigt die Donau und den azurnen Himmel.

Die vollständige Harmonie zwischen Geist und Natur besteht in Identifikation. Wie das Rechengenie sofort und ohne zu überlegen, ohne Zögern die dritte Wurzel einer beliebigen Zahl (durch Identifikation) nennt, so wird der Geist die Natur erfüllen, ohne sie zu zerstückeln, zu ana-lysieren und zerstören zu müssen. Naturvölker analysierten keine Heilpflanzen chemisch und erkannten sie nur gelegentlich durch Empirie. Sie sagten, die Pflanzen und Kräuter hätten ihnen von ihrer Heilkraft mitgeteilt. Ein Wissen, das uns "Analytikern" längst verloren ging.

Vielleicht entspricht Geschichte den schmerzvollen Geburtswehen einer neuen Identifikation auf einer höheren Ebene.

Vielleicht ist aber auch alles rückläufig.