Focus: Deutschlands größte Hetzseite im Internet: Neue Belege belasten langjährigen AfD-Mann

Focus: Deutschlands größte Hetzseite im Internet: Neue Belege belasten langjährigen AfD-Mann / Justizminister Maas: „Dürfen geistigen Brandstiftern nicht das Feld überlassen“

Berlin. Hinter der größten Hetzseite im deutschsprachigen Internet, der Facebook-Seite Anonymous.Kollektiv, steckt nach Recherchen des Nachrichtenmagazins Focus mutmaßlich der Erfurter Mario Rönsch. Mehrere Insider haben Focus auf Nachfrage versichert, Rönsch sei Hintermann der Facebook-Seite. Focus liegt eine schriftliche Aussage von Zeugen vor, denen gegenüber sich Rönsch als Betreiber von Anonymous.Kollektiv geoutet haben soll. Auch Facebook-Nachrichten, die darauf hindeuten, liegen Focus vor.

Rönsch hat bislang jeglichen Zusammenhang zwischen ihm und der Seite bestritten. Er hat sogar eine eidesstattliche Versicherung abgegeben, wonach er weder Betreiber noch Administrator der Seite sei.
Nach Focus-Informationen war Rönsch ein AfD-Mitglied der ersten Stunde. Bis mindestens 2014 gehörte er der Partei an. Seine Mitgliedsnummer lautete 9328.

Die Facebook-Seite Anonymous.Kollektiv war ursprünglich ein Ableger der Hacker-Gruppe Anonymous. Inzwischen aber ist sie ein Zentralorgan von Islamfeinden und Flüchtlingshassern. Flüchtlinge wurden auf der Seite als „notgeile, pädokriminelle Migranten-Rotte“ oder „menschlicher Müll“ bezeichnet. Fast zwei Millionen Likes hat die Seite gesammelt, gut fünf Mal so viele wie die Facebook-Seiten aller Bundestagsparteien zusammen.

Anonymous.Kollektiv veröffentlichte auch Werbung für einen Online-Shop, der Pistolen und Gewehre zum Abfeuern potenziell tödlicher Hartgummi-Munition verkauft und unverhohlen zu Gewalt gegen Flüchtlinge aufruft. „60 Joule Mündungsenergie strecken jeden Asylforderer nieder“, bewirbt der Online-Händler einen Revolver. „Migrantenschreck“ heißt der digitale Waffenladen, der inzwischen auf einen russischen Server umgezogen ist. Die deutsche Seite www.migrantenschreck.net war nach Focus-Informationen auf den Namen Mario Rönsch registriert.

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) rief im Focus staatliche Institutionen, Zivilgesellschaft und Betreiber von sozialen Netzwerken wie Facebook auf, stärker gegen Hetze im Internet vorzugehen. „Wir dürfen den geistigen Brandstiftern nicht das Feld überlassen – weder auf der Straße noch im Netz“, sagte Maas zu Focus. „Fremdenfeindliche und rassistische Hassbotschaften, die gegen Strafgesetze verstoßen, müssen schneller und umfassender aus dem Netz verschwinden“, fügte er hinzu.