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ARD Backgroundstories II - 80 Jahre Volksempfang von 1933 bis 2013

Der Masse ins Gehirn kriechen. Große Mengen von Menschen erreichen. Ziele der Politische Agitation, die nicht nur rational, sondern auch emotional wirken soll. Auf vielen Kanälen, allgegenwärtig, alltäglich sein. Nur so entfaltet Propaganda ihre volle Wirkung. So schreibt Sven Felix Kellerhoff:

"Als Anfang 1933 die erste Regierung Hitler ins Amt kam, gab es in ganz Deutschland etwas über vier Millionen registrierte Rundfunkhörer. Selbst wenn man ihre Familien mitrechnet, erreichte das erst zehn Jahre alte Medium also höchstens ein Viertel der damaligen Bevölkerung. Viel zu wenig für die Zwecke von Hitlers Chefpropagandist.

Der wichtigste Grund für die relativ geringe Verbreitung von Radios waren die Kosten: Neben der freiwilligen monatlichen Gebühr von zwei Reichsmark, die bei einem durchschnittlichen Bruttomonatseinkommen um 200 RM schon erheblich war, fielen vor allem Anschaffungskosten für den Hörfunkempfänger an. Für die Geräte, die bis 1933 auf dem Markt waren, lagen die Preise bei 300 bis hinauf zu 600 RM.

Anderthalb bis drei durchschnittlich Monatsbruttolöhne für ein Radio? Das konnten sich gerade jene Bevölkerungsschichten nicht leisten, an die die Regierung mit ihrer Propaganda unbedingt heran wollte: die vormaligen Anhänger und Wähler der Arbeiterparteien SPD und KPD.

Deshalb lag es nahe, dass Goebbels unmittelbar nach dem ersten Schritt, der Gleichschaltung der ohnehin staatlichen zehn deutschen Sendeanstalten, einen einfachen und damit preisgünstigen Empfänger in Auftrag gab. Schon seine Typbezeichnung "VE-301" zeigte die propagandistische Stoßrichtung: "VE" stand für "Volksempfänger und "301" für den 30. Januar 1933, den Tag der Machtübernahme der Nazis. Vor 80 Jahren, als Höhepunkt der 10. Großen Funkausstellung auf dem Berliner Messegelände, wurde das Modell der deutschen Öffentlichkeit vorgestellt. Die Radiofabrik Seibt AG hatte den Apparat in wenigen Wochen entwickelt.

Fest eingestellt auf einen bestimmten Propagandasender war der Volksempfänger dagegen nicht: Genau wie jedes andere Radio konnte auch der "VE-301" auf verschiedene Frequenzen abgestimmt werden. Das musste er schon deshalb sein, weil Goebbels in der Ausschreibung verlangt hatte, das mit dem Volksempfänger mindestens zwei verschiedene Radioprogramme zu empfangen sein müssten. Da aber die lokalen Sender und der nationale Deutschlandsender auf unterschiedlichen Frequenzen ausstrahlten, musste die Einstellung möglich sein.

Bis 1939 hatte sich die Zahl der registrierten Hörfunknutzer in Deutschland praktisch verdoppelt. Weil auch viele Gemeinschaftsräume mit Empfänger ausgestattet worden waren, konnte nun praktisch jeder Deutsche Radio hören. Die Gebühren allerdings waren nicht gesenkt worden, entgegen einem Wahlversprechen der Regierenden."

Angekommen in 2013 zahlt auch heute der Normalverdienende noch 1 bis 2% seines Nettomonatsgehaltes für den staatlichen Hörfunk. Um die Akzeptanz gerade in den unteren, breiten Schichten zu fördern, an die die Volksparteien heranwollen, wird dieser Rundfunkdienst verordnet und der Gebühreneinzug vollstreckt. "Öffentliche Anstalten" mit einer "Abgabe" statt "Steuer", sollen den Eindruck der Volksnähe und Unabhängigkeit sichern, wie schon 1933. Ebenso sind die Geräte nicht festeingestellt oder gar verschlüsselt, sondern suggerieren mit Hilfe der alternativen, privat finanzierten Sender, einmal mehr "Unabhängigkeit". Scheinfreiheit. Scheinvolkssender. Propagandasender.

Auch die Umstellung auf das nouvellierte "Beitragssystem" hat alles andere als den Beitrag senken lassen. Wieder wurden Versprechen der Politik nicht gehalten. Viele Menschen, vor allem Gewerbetreibende, zahlen inzwischen doppelt oder dreifach.

Das Demokratieverständnis einer Partei liegt eben darin, Menschen für ihre Ziele gewinnen zu müssen. Vielmehr sprechen wir heute nichtmehr von Parteien oder dem Staat als Verwaltung, sondern von Interessensphären. In Deutschland überwiegen hier offensichtlich die Interessen der USA. Und die Propaganda ist nun einmal rein technisch das beste Mittel, Ideen zu sähen. Wer länger ARD und ZDF sieht, ist hierbei längst nicht mehr unabhängig, sondern wurde vermutlich bereits propagandistisch bekehrt, zumindest beeinflusst. Der Masse wird ins Gehirn gekrochen - mit ARD und ZDF!