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Negativzins erklärt

Der Zins ist nach gängiger Auffassung der Preis für die Überlassung von Kapital bzw. Geld. Kritiker sehen den größten Fehler darin, dass dieser Preis wiederum mit Geld nicht nur bewertet, sondern auch in Geld bezahlt wird. Erst dadruch entsteht in Zeiten positiven Zinses ein Geldmengenwachstum. Doch genau darin sah Keynes gar kein Problem, denn Fehlentwicklungen würde ein Negativzins automatisch vorbeugen. Allein die damit einhergehenden Paradigmen stossen auf Ablehnung, denn unsere Gesellschaft ist sehr träge, wenn es um Änderungen geht. Wer früher daran partizipierte, ist nun Opfer. Sowas muss man erstmal schlucken!

Was bedeutet denn ein Negativzins?

Geld sparen wird bestraft,

Geld ausgeben belohnt.

Wer also in Zeiten von -5% Zins 1000 EUR Kredit beansprucht, erhält über die Laufzeit 50 EUR pro Jahr als Belohnung. Bei 20jähriger Laufzeit könnte Tilgung mit Zins verrechnet werden, sodass die letztendliche Bedeutung des Kredits eine an Sicherheiten gebundene 1000 EUR Schenkung entspräche. Wer möchte das nicht?

Das in Umlauf gebrachte Geld würde wieder Wachstum und vor allem Nachfrage erzeugen, beim Kreditgeber allerdings zu 100% aus den Büchern verschwinden. Negativzins verschenkt ist also der Konsummotor schlechthin. Auch die Banken könnten weiterhin an Zinsdifferenzen verdienen. Worin liegt dann eigentlich das Problem mit dem Negativzins?

Der Anspruch ändert sich. Die Geschäftsbanken haben bisher Ihre Geldschöpfung dahingehend gebraucht, Geld nicht durch Zinsdifferenz allein, sondern durch Spekulation und doppelter Besicherung zu verdienen. Jeder Häuslebauer kennt dies. Man erhält Geld in Form eines besicherten Kredits. Da auf Seiten der Geschäftsbanken aber Geld nur auf dem Papier geschöpft wird, spekuliert die Bank mit Grunderwerb.

Die eingenommenen Salden verschwinden auf dem Papier bis zur vollständigen Tilgung. Wird eine Rate mal nicht gezahlt, erhält die Bank das Haus und verkauft dieses wenigstens zum Verkehrswert. Damit sind deutliche Gewinne weit über dem geschöpften - und nach der Transaktion wieder ausgebuchtem Geld möglich.

Mit negativem Zins ändert sich das Prinzip:

Würde die Bank bei -5% Geld als Buchwert schöpfen, würde sie diesen Buchwert aus eigenen Zinskosten über 20 Jahre selbst bezahlen müssen. Für die Bank lohnt sich dieses erfolgreiche Betrugsmodell natürlich nicht mehr, sie hätte nur Kosten. Der Häuslebauer bekäme sein Haus geschenkt.

Natürlich wird man sich auch fragen, warum Generationen für ihr Haus zahlen mussten und nun jemand sein Haus geschenkt erhält? Hätten diese Generationen ihre Gier und Umverteilung des Geldes stärker kontrolliert, wäre es zu keinem Negativzins gekommen. Es ist für den Mensch immer schwierig, in zeitlichen Dimensionen zu denken, die eine Lebensspanne betragen oder diese überschreiten. Die eigene Erfahrung überwiegt in der Glaubhaftigkeit allen Theorien zum Trotz. Und der Egoismus minimiert die Akzeptanz.

Fazit

Vielleicht ist das Zinssystem am Ende schon zu gebrauchen, wenn es nicht durch Geschäftsbanken missbraucht wird. Wer etwas gegen den Negativzins hat, möchte verhinden, dass die junge Generation, die mit Ideen schon in den Startlöchern steht, sich den verkrusteten Gegebenheiten unterordnet um selbiges Zinsleid zu erfahren, wie wir alle bisher. Das muss nicht sein! Glaubt nicht alles, was in der Zeitung steht!

RF