Der hässliche Deutsche

Laut den Verschwörungstheorien einiger Politiker (u.a. Günter Verheugen) wurde die EU (und nicht zuletzt der Euro) ja ausschließlich deshalb gegründet, um die Deutschen "einzuhegen" und damit auch ihren Erfolg zu bremsen und einzudämmen.. Ich verzichte auf die Wiederholung der vielen im Netz kursierenden, deutschfeindlichen Zitate von Politikern , nach denen die Existenz deutschen, vor allem wirtschaftlichen Erfolges primär dadurch gerechtfertigt werden könne, dass möglichst viel davon dem Ausland zu Gute käme.

Ich weiß nicht, ob dahinter nur die Angst vor einem "starken Deutschland" steht (wem sollte ein "amerikanisiertes" Deutschland vornehmlich toleranter Edelmenschen und Willkommens-Kultur-Sensibilisierter denn gefährlich werden?) oder auch Neid und Missgunst.

Ich weiß auch nicht, was das einen eigenwilligen, alemannischen Dialekt sprechende "arglistige, kleine Bergvolk" der Allgäuer mit den flach Geländerten, platt sprechenden Friesen oder friesisch sprechenden Friesen gemein hat. Wenn mein guter Großvater früher immer "lütt" sagte oder "die Lütte" bzw. auch "Pott" und dergleichen, dann wusste ich, dass er damit "klein" (little) oder "die Kleine" bzw. "Topf" meinte - und wenn mein anderer Großvater "bring mir mal den Hafen" grummelte, dann wusste ich, dass damit auch "Topf" gemeint war und nicht etwa ein Anlegeplatz für Schiffe.

Beide Großväter waren nicht nur hinsichtlich der Sprache unterschiedlicher wie sie nur sein konnten, sondern auch Mentalität und Charakter standen sich geradezu diametral gegenüber.

Dennoch waren beide Deutsche.

Was war es denn, was beide zur Außenwahrnehmung des "hässlichen Deutschen" verband?

Eine gemeinsame, abstrahierte und genormte Kunstsprache des "Hochdeutschen", die sie zu kommunizieren und Bücher und Zeitungen zu lesen befähigte? Wohl kaum.

Dieselbe "Denke"? Nichts weniger!

Ein gewisser Drang zur Arbeit und zur "Pflicht"? Schon eher.

Aber reicht das? Reicht es aus, dass im Germanen-Esperanto sprechenden "Vielvölkerstaat" Deutschland ein gewisser Hang zur preußisch-kantischen Pflichterfüllung und Disziplin vorhanden war (bzw. ist), um nach Außen hin (und aktuell innen) das durch alliierte Kriegs-Propaganda geförderte und geforderte Bild des Deutschen zu festigen?

Vielleicht war Deutschland ja auch das erste gelungene Beispiel einer Verständigung ganz unterschiedlicher Völker, die gleichermaßen ihre Eigenheiten bewahren wollten, wie das Verbindende und Gemeinsame in einem Erfolgsmodell zu einigen trachteten, das anderen Völkern Angst machte.

Jedenfalls verursachten mir vor langer Zeit schon die ein astreines Hannoveraner Hochdeutsch sprechenden deutschen "Invasoren" ein mulmiges Gefühl. Ich empfand sie als lieblose Klugscheißer, die weder sinnliche Flüche noch niedliche Diminutiva kannten und zu Käs`spätzle "Käsespätzchen" sagten - furchtbar! -Hässliche Deutsche eben.