Reisebericht

Urlaub auf Usedom - die Karibik der Ostsee

Deutschlands zweitgrößte Insel - ideal für Familien! Feiner, weißer Sandstrand, endlose Küste, sauberes Wasser - auf Usedom findet man das alles und noch viel mehr...

Wechselvolle Geschichte und berühmte Gäste

Der Name Usedom geht auf das slawische Wort »uznam« (Mündung) zurück. Im 12. Jahrhundert war es der Name einer Burg, später dann der einer Ansiedlung im Südosten, ab Mitte des 13. Jahrhunderts wurde die ganze Insel so genannt. 1945 erinnerten sich die Polen an den slawischen Namen und nennen seitdem ihren Inselteil wieder Uznam. Eine richtige Insel ist ganz Usedom jedoch nur noch für wenige Stunden am Tag, dann nämlich, wenn die beiden Brücken hochgeklappt werden, um größeren Schiffen die Durchfahrt durch den Peenestrom zu gestatten. Die Polen möchten ihren Inselteil durch einen Tunnel mit Wolin verbinden, doch das Vorhaben scheiterte bislang immer am fehlenden Geld.

Die Usedomer schmücken sich gern mit dem Namen berühmter Besucher, haben doch nicht wenige von diesen zum guten Ruf der Insel beigetragen. So begeisterte sich der berühmte deutschamerikanische Maler Lyonel Feininger derart für das kleine Dorf Benz, dass er es gleich mehrfach zeichnete. Nun ist es in namhaften Museen in Amerika zu sehen. Auf der prominenten Gästeliste stehen außerdem Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. und Kaiser Wilhelm II., Österreichs Kaiser Franz Joseph I., die Schriftsteller Heinrich Mann und Maxim Gorki, die Komponisten Johann Strauß und Walter Kollo.

Im letzten Jahrhundert verbrachte Theodor Fontane seine schönsten Kinderjahre (1827 - 32) in Swinemünde, in späteren Jahren kehrte er gern auf die Insel zurück. Der große Romancier kam noch mit der Kutsche, einige Jahrzehnte später sausten Schnellzüge bei Karnin über die neue Hubbrücke, damals Europas größte, und brachten die Berliner in gut zwei Stunden auf die Insel. Die meisten stiegen in Ahlbeck aus, das so zum Spitznamen »Badewanne Berlins« kam. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ragen bei Karnin die Reste der gesprengten Eisenbahnbrücke aus dem Wasser, die Strecke über Usedom nach Swinemünde wurde als Reparationsleistung demontiert. Seit 2000 hat die Insel endlich wieder Bahnanschluss an das Festland, die Züge fahren in Wolgast über eine neue Brücke. Usedomer Eisenbahnfreunde haben jedoch die Hoffnung nicht aufgegeben, dass eines Tages die Karniner Brücke wieder entsteht und über sie Züge in Richtung Kaiserbäder und Swinemünde rollen.

Auch die Usedomer werden - wie das so gang und gäbe ist - mit allerlei Vorurteilen und Charakterisierungen bedacht. Sie gelten als stur, zurückhaltend und wortkarg. Sprichwörtlich sind aber auch ihre Gemütlichkeit, ihr hintergründiger Humor und ihre offenherzige Gastfreundschaft. Stress und Hektik mögen sie nicht, auch keine vorschnellen Entscheidungen. Touristische Einrichtungen werden bedächtig geschaffen, überdimensionale Ferienanlagen sind glücklicherweise nicht gebaut worden und auch nicht vorgesehen. In nächster Zeit entstehen vorrangig Lückenbebauungen. In den drei Kaiserbädern Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin wird es in den kommenden Jahren 15 000 Betten geben, das ist dann ein Verhältnis zur Einwohnerzahl von 1 zu 1,5. Zu viele Betten, sagen nicht wenige. Obwohl immer mehr Touristen Deutschlands zweitgrößte Insel ansteuern, sinkt durch die sich jährlich erhöhende Bettenkapazität die Auslastung. Die Finanzsituation mancher Hotels ist prekär. Der Bau neuer Hotels wird neuerdings nicht mehr mit öffentlichen Geldern gefördert, sondern nur noch die Verbesserung der bestehenden. Und da geht es vorrangig um Einrichtungen, die den Gästen an Schlechtwettertagen im Sommer und in der kühlen Jahreszeit Abwechslung bieten. Immer mehr Hotels legen sich Wellnessbereiche zu oder erweitern ihr Schwimmbad zu solchen Wohlfühl-, Fitness- und Schönheitstempeln. Einige von ihnen sind gegen Gebühr auch für Nichthotelgäste geöffnet, so im Ferienparadies Lütow auf der Halbinsel Gnitz und im Hotel Seerose in Kölpinsee. Usedom möchte ein ganzjähriges Ferienziel werden.

Bauherren werden auf Usedom oft Zügel angelegt, sie dürfen nur so bauen, wie es die Gemeindevertreter wünschen. Aber zwei Baumeister scheren sich nicht um Gesetze, Erlasse und Genehmigungen, sie modellieren seit Jahrtausenden ungefragt die Küste: Sturm und Wasser. Unablässig nagen beide an den Steilküsten und brechen immer wieder große Teile heraus, die das Meer fortträgt. Am Langen Berg bei Bansin wurde 1878 ein hölzerner Aussichtsturm errichtet, der rund 40 Meter vom Steilhang entfernt stand. Schon vor Jahrzehnten ist sein Betonfundament in die Tiefe gestürzt. Auch ohne Turm beeindruckt die Aussicht vom Langen Berg, doch schöner sind die Blicke von den zahlreichen Hügeln - die Usedomer sprechen von »Bergen« - im Hinterland. Stets werden Sie irgendwo Wasser erblicken, denn mehr als ein Dutzend Seen liegen in die Landschaft gebettet, schilfbewachsen die einen, mit Badestränden die anderen. Schöne Ansichten schenkt das leicht gewellte Hinterland der Insel zu allen Jahreszeiten. Im Frühjahr blühen auf der Halbinsel Gnitz Felder von saftigen Sumpfdotterblumen, im Mai und Juni leuchten im Usedomer Winkel die gelben Rapsfelder, und einige Monate später hängen im Lieper Winkel die Sträucher voller schwarzblauer Brombeeren, zeigen sich die Buchenwälder in prachtvollen Farben.

Usedoms Geschichte war zu allen Zeiten bewegt und ist noch lange nicht zu Ende erzählt. Nicht vergessen werden darf der Pirat Klaus Störtebeker, der hier einen Schlupfwinkel besessen haben soll, auch nicht die gotteslästerliche Gold- und Silberstadt Vineta, die angeblich vor der Küste Koserows unterging. Auf Usedom liegt aber auch Peenemünde, heute einer der historisch problematischsten Orte in Deutschland. Denn im Norden Usedoms ließen die Nazis die erste automatisch gesteuerte Flüssigkeitsgroßrakete der Welt entwickeln. Diese von der Nazipropaganda V 2 genannte Rakete richtete in Westeuropa unermessliche Schäden an. Sie war eine der grausamsten Waffen des Zweiten Weltkriegs, bei deren Produktion etwa 20 000 Häftlinge ums Leben kamen. Die V 2 war aber auch die erste Rakete, die die Atmosphäre durchstieß und somit das Tor zum Weltraum öffnete, sie gilt entsprechend als Vorläufer aller späteren Raumfahrtträgerraketen. Und Peenemünde ist somit auch Geburtsort der Raumfahrt.

Usedom war also eng in die Vorbereitungen des Zweiten Weltkriegs und das folgende Verderben eingebunden. Und die Menschen auf der Insel bekamen das zu spüren: Die Alliierten bombardierten nicht nur den Nordteil Usedoms, sondern auch Swinemünde. Am Vormittag des 12. März 1945 steuerten 650 Bomber die Stadt an und legten das Zentrum und die Hafenanlagen in Schutt und Asche. Die Raketenbauer hatten nicht nur Peenemünde für die Öffentlichkeit gesperrt, sie riegelten den ganzen Nordteil der Insel ab und sperrten ferner die vorgelagerten kleinen Inseln Ruden und Greifswalder Oie. Auch zu DDR - Zeiten blieben die Inseln Touristen verschlossen. Seit der Einheit können Sie sich wieder wie vor Jahrzehnten von Fahrgastschiffen auf den Ostseewellen zu den beiden kleinen Schwestern Usedoms tragen lassen.

Deutschlands zweitgrößte Insel bietet noch viele Bilder wie aus Kaisers Familienalbum. Ihnen wieder den rechten Glanz zu geben, darum bemühen sich die Usedomer seit der Einheit Deutschlands nach Kräften. Sie sind dabei, auch die letzte Ecke herauszuputzen, und mittlerweile fühlen sich selbst verwöhnte Gäste auf Usedom wieder wohl. Und die meisten von ihnen schwärmen - wie Theodor Fontane vor über hundert Jahren - von der »Ruhe und frischen Luft« und dem »Blick durch die Bäume hindurch auf das graue Meer«, der »poetisch und für Herz und Sinn unendlich wohltuend« sei.

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