Die Zeit ist die Seele des Raumes

"[.....]Der Kosmos lebt, und alles Leben ist polarisiert nach

Seele (Psychae) und Leib (Soma). Wo immer lebendiger

Leib, da ist auch Seele; wo immer Seele, da ist auch lebendiger

Leib. Die Seele ist der Sinn des Leibes, das Bild

des Leibes die Erscheinung der Seele. Was immer erscheint,

das hat einen Sinn; und jeder Sinn offenbart

sich, indem er erscheint. Der Sinn wird erlebt innerlich,

die Erscheinung äußerlich. Jener muß Bild werden,

wenn er sich mitteilen soll, und das Bild muß wieder

innerlich werden, damit es wirke. Das sind, ohne Gleichnis

gesprochen, die Pole der Wirklichkeit. – Betrachten

wir nun erfassend und denkend die Welt von außen, so

wird sie uns überall die pelasgische Dreiheit der in der

Einheit des Ganzen auseinandergegliederten Pole zeigen.

Der Raum ist der Leib der Zeit, die Zeit die Seele des

Raumes. Seele und Sinn der Nacht ist der Tag, Mutterleib

des Lichtes die Nacht. Winter und Sommer, Schlummern

und Wachen, Sterben und Entstehen reihen sich an. [.......]"

Ludwig Klages (Vom kosmogonischen Eros)