Von Rindfleisch und Brodeln

Ich kann mit der gesprochenen und geschriebenen Sprache durchaus Gefühle beschreiben, aber nur mittels einem "Umweg" bzw.einer Vermittlung über Bilder.

Ich "koche" vor Wut, es "brodelt" in mir, man "glüht" vor Leidenschaft und "zerfließt" vor Scham etc. setzt bereits erlebte Bilder voraus, die mir ein Gefühl des "Brodelns", "Kochens", "Glühens" usw. vermittelt haben.

Ebenso kann ich Gefühle auch mit der "Sprache" der Musik ex-akt beschreiben und sogar hervorrufen bzw. nach-fühlen lassen ohne jemals vorher diese Emotionen erlebt zu haben.

Umgekehrt ist es aber nicht möglich, aufgrund einer reinen Abfolge gesprochener Vokale und Konsonanten (B-R-O-D-E-L-N) ein Bild hervorzurufen, das wiederum Gefühle beschreibt, wenn ich zuvor nicht z.B. die Erfahrung Brodeln=unter großer Hitze kochen, gemacht habe.

Wie aber erfahre ich dann "DEMOKRATIE", "WAHRHEIT", "Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz" etc.?

Und kann ich die Gefühle und Bilder, die diese Begriffe bei mir erzeugen oder nicht erzeugen auch musikalisch beschreiben?

Der Unterschied zwischen "Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz"und "Demokratie" ist nämlich gar nicht so groß, wie man zunächst glauben mag.

Obiges Wurm-Wort wurde zwischenzeitlich abgeschafft, "Demokratie" auch.

Alles, was ich ausschließlich über den Geist und daher bildlos aufnehmen kann, ist dem Untergang geweiht, wenn es sich nicht um rein quantitative oder präpositionale Verhältnisse oder Angaben, die eindeutig mit wahr oder falsch belegt werden können, handelt.