PecuniaOlet

Heute Nacht hatte ich einen Albtraum

Ich war wieder ein Kind und wurde von einer unbekannten Macht gezwungen, die Gondel einer Geisterbahn zu besteigen. Diese war schwarz-rot-gold-gestreift und fuhr durch ein Tor, hinter dem es zunächst relativ hell war. Alles gar nicht so schlimm, dachte ich, denn ich bewegte mich zunächst durch anmutige Landschaften, hob sogar eine Weile ab und schwebte durch wattige weiße Wolken, hinter denen sich ein strahlend blauer Himmel verbarg. Von oben sah ich freundlich aussehende Menschen, die sich angeregt unterhielten und überflog Volksfeste mit bunten Karussellen, kristallklare, blau schimmernde Seen , riesige Wälder, Wiesen und üppige Flusslandschaften. Die Menschen waren emsig mit ihrer Arbeit beschäftigt, die Spielplätze voll von Kindern, die lachend auf den Schaukeln und Wippen saßen, freundliche Omis und Mütter unterhielten sich auf Bänken sitzend, während sie immer wieder einen Blick auf die Kinder warfen und sie gelegentlich mit einem Imbiss versorgten.

Plötzlich stoppte die Fahrt abrupt und überraschend, so dass ich zuerst Kinn, dann Nase schmerzhaft und heftig an den vorderen Haltegriffen der Gondel anschlug und  Blut aus der Nase rann. Als ich mich wieder aufgerichtet hatte, war es schlagartig dunkler geworden, die Gondel fuhr eine Wende und ich erkannte von weitem die Silhouette einer Frau im Hosenanzug, die ein Stars and Stripes Banner mit Totenkopf schwang und dabei in monotonem Stakkato irgendwelche Zauberformeln auf Hebräisch oder Arabisch in die Dunkelheit murmelte. Langsam näherte ich mich der unheimlichen Erscheinung und bemerkte dabei an meinen schweißnassen  Händen, dass ich während dieser kurzen Strecke schlagartig um Jahrzehnte gealtert war. Als ich sie beinahe erreicht hatte, starrte sie mich mit eisigem Blick aus ihren blutunterlaufenen Augen an, unter denen geschwollene und beinahe pulsierende Tränensäcke schlaff bis zu den Wangenknochen hingen. Sie unterbrach ihr monotones Murmeln und fragte mich in scharfem und bestimmendem Offizierston:"Halt! Wo solls denn hingehen?" Ich zuckte verunsichert mit den Schultern, weil ich ja nicht wusste,wo die Fahrt enden würde, da fragte sie: "Bist Du Deutscher?" Ich nickte, und während sie mich mit noch eisigerem Blick fixierte, drehte sie sich nach links und zog mit der Linken einen Hebel, der eine Weiche für die Gondel stellte, die wiederum schlagartig die Richtung wechselte und plötzlich auf einen steilen, in tiefes Dunkel ragenden Abgrund zufuhr. "Dann ist dieser Weg für Dich bestimmt", rief sie mit gellender Stimme, die ein immer teuflischer werdendes, anschwellendes Hohngelächter begleitete. Darauf raste ich, fiel ich mit der Gondel senkrecht ins Schwarze und fand mich plötzlich schweißgebadet im Bett wieder.

Plötzlich klopfte es energisch an der Türe. Ich sah auf den Wecker. Vier Uhr morgens. Das Klopfen wurde zudringlicher. "Aufmachen! Wir wissen, dass sie da sind!", bellte eine männliche Stimme. Etwas verwirrt und leicht schwankend stand ich auf und öffnete die Tür. Ein hagerer Mann im langen Ledermantel stand vor der Türe und starrte mich kalten Blickes an. Hinter ihm standen weitere zwei uniformierte Gestalten in der Dämmerung. "Sie müssen mitkommen. Sofort! Es liegt eine Anzeige gegen sie vor!", sagte er, während er mir einen Dienstausweis vor die Nase hielt. "Europäische Geheimpolizei der Kommission für Liebe und Toleranz". Stars and Stripes.

Mann, musste ich lange geschlafen haben!