Reisebericht

Auszug aus unserem Rajasthan-Tagebuch

Im Winter 1998/99 besuchten wir Rajasthan, das Land der Tempel und Paläste. Neben den kulturellen Sehenswürdigkeiten gibt es auch einige bedeutende Tierreservate in Rajasthan.

Begegnung mit frechen Rhesusaffen in Sariska

...
Je näher wir dem Kerngebiet von Sariska kamen, desto unruhiger wurde ich. Ein großes Schild kündigte den Kernbereich des Tigerreservats an. Wir stoppten unsere Räder vor dem Eingangsschild neben der Straße. In einem Kreis war ein übergroßer Tigerkopf abgebildet, darunter ein Willkommensgruß und die Entfernung zum Ort Sariska, dem Ausgangspunkt aller Safarifahrten durch das Tigerreservat. Eine große Aufschrift auf dem Schild gebot die Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 kmh. Während Roland das Schild von allen Seiten fotografierte, interessierte mich mehr eine Landkarte, die konkret die umliegenden Stellen zeigte, wo die Großkatzen immer wieder gesichtet werden. Eine Stelle befand sich in unmittelbarer Nähe zu unserem Standpunkt. Ich schaute in Richtung des bewaldeten Hügels, und ein Schauer lief mir über den Rücken. Andere der eingezeichneten Stellen befanden sich in nächster Nähe zur Straße nach Sariska. Aber ich mußte da durch, es gab kein Zurück.

Wir schwangen uns auf die Räder, und ab gings. Schilder für Geschwindigkeitsbegrenzung galten ja nur für Autofahrer. Das einzige Ärgernis waren die in den sonst sehr glatten Asphalt eingebauten Schwellen. Sie störten einbischen beim Runtersausen auf der in leichten Wellen verlaufenden Abfahrt. Ich schaute auf das Tacho. Nur 35 Stundenkilometer. Währenddessen ging meine Phantasie mit mir durch. Hinter jeder Biegung erwartete ich einen Tiger, der sich blutdürstig zwischen den Bäumen duckte, um sich im richtigen Moment auf mich zu stürzen. Ich trat noch kräftiger in die Pedalen, um das innere Kribbeln zu kompensieren. Dabei überholten wir mehrere Touristentaxis, die ganz gemütlich dahintuckerten. Am Straßenrand saßen Hunderte von Rhesusaffen und ließen sich nicht die geringste Angst anmerken.
Ganze Affenfamilien hatten sich dort versammelt. Manche kauten auf Obst, das die Touristen aus den Wagenfenstern der Taxis warfen, andere hockten nur da und starrten in die Gegend, wahrscheinlich um ihren Artgenossen Gesellschaft zu leisten, und weil an der Straße das meiste Futter zu erwarten war.

Keine zehn Minuten vergingen, bis wir in Sariska angekommen waren. Der Ort bestand lediglich aus zwei Hotels und den Gebäuden der Parkverwaltung. Sonst gab es keine menschliche Behausungen.

Zur Rezeption des Tiger-Den-Hotels gelangte man über einen kleinen Park, in dessen Mitte ein Bassin angelegt war. Daneben standen Tische und Stühle für die Gäste bereit. Der mit Rasen bewachsene Platz wurde von Akazienbäumen beschattet, um ihn
herum führte ein Weg zu den Hotelzimmern im Erdgeschoß und zum Haupteingang. Im Gebäude selbst war es kühl. Die Wände waren weiß gestrichen, es roch nach Stein. Die Einrichtung wirkte spärlich, die Angestellten zurückhaltend, distanziert.

Wir bekamen ein Zimmer im Erdgeschoß. So konnten wir unsere Räder bequem von der Parkanlage ins Zimmer führen. Die einzige Hürde
stellten vier Treppenabsätze dar, die zur Veranda führten. Wir ließen die Räder erst einmal unten stehen und schauten uns das Zimmer an. Es war sehr großzügig geschnitten. Ein breites Bett, eine Sitzgruppe, ein Schrank mit Garderobe und Waschbecken fanden darin Platz. Dennoch wirkte das Zimmer nicht überladen. Von den Gardinen strömte ein muffiger Geruch ins Zimmer, den ich sofort mit Räucherstäbchen zu eliminieren versuchte. Das Fenster und die Tür waren zusätzlich mit einem Fliegengitter versehen.

Während wir noch mit der Begutachtung des Raumes beschäftigt waren, hatte sich eine Schar von Rhesusaffen vor der offenen Hotelzimmertür versammelt. Wir gingen hinaus, um das erste Fahrrad ins Zimmer zu schieben. Da erblickte Roland einen Affen, der gerade damit beschäftigt war, die hintere Fahrradtasche an seinem Rad anzunagen. Er scheuchte das Tier fort. Der Affe ließ von der Tasche ab, beim Wegrennen versäumte er jedoch nicht, eine Drohgebärde zu zeigen. Wir fanden bald den Grund für das Interesse des Affen. In der angeknabberten Tasche verbarg sich ein Teil unseres Reiseproviants, die Orangen. Vorsorglich legte Roland die Plastiktüte mit den Orangen aufs Bett.

Dann trugen wir die Räder ins Zimmer. Um Frischluft hereinzulassen, ließen wir die Tür sperrangelweit offen. Ich schickte mich an, meine Taschen auszupacken, während Roland ins Badezimmer huschte. Als ich mich auf ein Rascheln hin zum Bett umdrehte, traute ich meinen Augen nicht. Da war tatsächlich einer der Rhesusaffen bis ins Zimmer vorgedrungen. Als er meine weit aufgesperrten Augen sah, galoppierte er in Windeseile zum Bett, ergriff die dort liegende Tüte und rannte mit einem Aufschrei aus dem Zimmer hinaus. Dabei hatte er die Tüte unglücklicherweise am falschen Ende angepackt, und kaum daß er den Raum verlassen hatte, purzelten die noch übriggebliebenen Orangen auf den Boden der Veranda, einige rollten bis hinunter auf den Weg des Parks. Sofort ergriffen die vor der Tür wartenden Äffchen die Gelegenheit, eine kleine Zwischenmahlzeit zu ergattern. Innerhalb von Sekunden hatten alle Orangen neue Besitzer. Der Übeltäter ging zuerst leer aus. Dann knüpfte er einem Artgenossen eine besonders große Orange wieder ab. Ich stand an der Tür und staunte über das Spektakel, das sich mir bot. Die Affen hatten sich nun im Park verstreut, manche stritten miteinander um eine Frucht, die einer dem anderen
zu entreißen versuchte. Wir schlossen unsere Zimmertür, um einen zweiten Anschlag auf unsere Lebensmittel zu verhindern.

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