Stromverbraucherschutzorganisation NAEB kritisiert die windigen Geschäfte von Enercon

NAEB sieht im Windkraftanlagenkonzern Enercon eine Mogelpackung. Briefkastenfirmenartige Steuervermeidung, Druckausübung und Kündigung von Betriebsräten, fragliche Verflechtungen mit Politik und Banken, mangelnde Jahresabschlusstransparenz. Da ist vieles, was Stromverbraucher nicht wollen.

Die Suche im Internet nach Geschäftsberichten und Bilanzen von Enercon, dem größten deutschen Hersteller von Windstrom-Anlagen, hat wenig Erfolg. Die Angaben über Umsatz, Gewinn und die Organisation des Konzerns sind spärlich. Es ist das Verdienst der Monatszeitschrift „Bilanz“, hier ein wenig Klarheit zu schaffen. In der Maiausgabe wird über das verwirrende Firmengeflecht berichtet, das der Firmengründer Aloys Wobben errichtet hat.

Über 400 Firmen sind in der UEE-Holding (Unendliche Erneuerbare Energien) zusammengefasst. Die Holding wurde 2012 in die Aloys-Wobben-Stiftung eingebracht. Darüber hinaus gibt es mindestens 17 Firmen, die keine Verbindung zur UEE-Holding haben, jedoch mit 3000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 300 Millionen Euro ausschließlich Teile für Enercon-Windgeneratoren herstellen und die Errichtung und Wartung der Anlagen übernehmen.

Diese ausgegliederten Unternehmen werden von Briefkastenfirmen in Amsterdam betrieben. Die Eigentümer sind als Briefkastenfirmen auf den Bahamas, auf Jersey und auf den britischen Jungferninseln zu finden. Enercon hat also bei Weitem nicht alle Betriebe in die Aloys-Wobben-Stiftung überführt. Kernbereiche, wie die Rotorfertigung in Aurich, der Turmbau in Emden und Magdeburg, das Gusszentrum in Emden, die Inductor-Fertigung in Aurich und die Servicebetriebe sind nicht dabei. Wem diese Betriebe rechtlich gehören, bleibt unklar. Sicher ist, sie werden alle vom Konzernvorstand geleitet. Mit dieser Konstruktion können Gewinne leicht ins steuergünstige Ausland verschoben werden. Damit wird der Ertrag der Stiftung geschmälert und deutsche Ertragssteuern vermieden.

Mit der Veröffentlichung der Panama Briefkastenfirmen wurden sogar Regierungschefs zum Rücktritt gezwungen. Doch die steuersparende und undurchsichtige Konstruktion des Enercon Imperiums wird von den deutschen Politikern nicht hinterfragt. Schützt man hier Enercon, um die „Energiewende“ nicht zu gefährden?

Weitere Informationen aus dem Internet zeigen, dass Betriebsräte im Konzern behindert werden. Statt Zusammenarbeit wird häufig ein Informationsmangel von der Geschäftsleitung und betriebliche Nachteile der aktiven Betriebsräte beklagt.

Dagegen arbeitet die Konzernführung eng zusammen mit Banken und der Politik. So ist der Vorsitzende der Enercon Geschäftsleitung, Hans-Dieter Kettwig (58), unter anderem im Aufsichtsrat der Oldenburgischen Landesbank, die mit mehr als 10 Prozent ihrer Bilanzsumme regenerative Energieanlagen finanziert, und im Energierat vom Land Niedersachsen.

Der Stromverbraucherschutz NAEB macht auf diese Verhältnisse aufmerksam, weil dadurch die Stromkosten nochmals verteuert werden. Durch die Einflussnahme auf die deutsche Energiepolitik werden die Einspeisevergütungen für Windstrom nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) hoch gehalten. Sie sind drei- bis viermal höher sind als die Produktionskosten der Braunkohlenkraftwerke. Die Stromkunden, also wir alle, müssen die hohen Einspeisevergütungen als EEG-Umlage bezahlen. Enercon erreicht mit diesen hohen Subventionen eine Umsatzrendite von 10 Prozent. Darüber hinaus schafft Enercon noch mit Hilfe der Briefkastenfirmen Gewinne ins Ausland zur Steuervermeidung. Der deutsche Steuerbürger muss dafür einspringen.

NAEB fordert ein Ende der Subventionen für regenerativen teuren Strom. Nach finanziellen Hilfen von mehr als 20 Jahren müssen die Anlagen wirtschaftlich sein, wenn es sich nicht um eine Fehlentwicklung handelt. Enercon kann dann endlich zeigen, dass sie auch ohne Subventionen zur Energieversorgung beitragen können.

Prof. Dr. Hans-Günter Appel

Pressesprecher NAEB e.V. Stromverbraucherschutz