Ermittlungen gegen Telekom: Rivale Cogent bestätigt Gespräche mit EU-Kommission

Ermittlungen gegen Telekom: Rivale Cogent bestätigt Gespräche mit EU-Kommission

Der US-Netzbetreiber Cogent hat vermutlich die Ermittlungen der EU-Kommission gegen die Deutsche Telekom und andere Telekommunikationsfirmen angestoßen. „Wir haben Gespräche mit der Europäischen Kommission gehabt“, sagte Cogent-Chef  Dave Schaeffer der Frankfurter Rundschau (Freitag-Ausgabe).  Eine formale Beschwerde habe Cogent jedoch nicht eingereicht.  Schaeffer wirft den europäischen Netzwerkbetreibern Deutsche Telekom,  Orange (Frankreich) und Telefonica (Spanien) vor, sie wollten sich ungerechtfertigt bereichern.

Die Internet-Infrastruktur basiert auf den zusammengeschalteten Netzen der verschiedenen Netzbetreiber. Dabei gilt in der Regel das Prinzip, dass  jeder Betreiber kostenlos so viele Daten in die Leitungen des anderen einspeisen darf, wie er selber entgegennimmt. Nur wer mehr einspeist, muss dafür bezahlen. Cogent kritisiert diese Regelung. Es sei doch so, sagte Schaeffer, dass die Kunden der Telekom viele Daten von US- und anderen Unternehmen abrufen würden, die Cogent dann liefere. Wenn Cogent aber mehr Daten an Telekom-Kunden liefere, als das Unternehmen von Telekom-Kunden erhalte, so müsse Cogent für diesen Lieferüberschuss bezahlen. Der Deutschen Telekom macht er schwere Vorwürfe: „Sie nutzen ihre dominante Marktposition und wollen Unternehmen, die wie wir Inhalte liefern, dazu zwingen, Zugang zu ihren Netzen zu kaufen“. Richtig wäre aber aus Sicht Schaeffers, wenn die Telekom oder ihre Kunden für die angeforderten Daten bezahlen würden.

2009 hatte sich Cogent bereits bei der Bundesnetzagentur beschwert, dass die Systeme der Telekom nicht ausreichend Daten aufnehmen könnten. Der Bonner Konzern solle kostenlos seine Kapazitäten erhöhen.  In Frankreich legte sich Cogent mit Orange an. In das Netz von Orange speiste der US-Betreiber 13 Mal so viele Daten ein, wie er selbst bezog. Beide Beschwerden waren bislang erfolglos. Nun ermittelt die EU.