Atmosphärenchemiker bewerten Beweise für Chemtrail-Verschwörung

Im Gegensatz zu normalen Kondensstreifen sollen sogenannte Chemtrails (Chemie-Streifen) von geheimen Regierungs- und/oder Militärprojekten in großen Höhen mit Flugzeugen ausgebracht, gezielt zur globalen Wetterkontrolle, Klimabeeinflussung und mittels gesundheitlicher Schadstoffe sogar gegen Menschen eingesetzt werden – so zumindest eine Verschwörungstheorie, die weltweit zahlreiche Anhänger hat. US-Forscher haben nun in einer Studie Atmosphärenchemiker nach deren Kenntnis von Beweisen einer derartigen Verschwörung befragt.

„Laut einer internationalen Umfrage, glauben fast 17 Prozent der Menschen an die Existenz eines geheimen Chemtrail-Programms“, erläutern die Autoren der aktuell im Fachjournal „Environmental Research Letters“ (DOI:10.1088/1748-9326/11/8/084011) veröffentlichten Studie. „Um diese Behauptungen zu untersuchen, haben wir die angeblichen Beweise für den großflächigen Einsatz von chemischer Besprühung aus der Luft, die einen negativen Einfluss auf Gesundheit und Umwelt haben soll, zwei Gruppen von Experten vorgelegt: Atmosphärenchemikern mit Expertisen in Kondensstreifen und Geochemikern, die über die atmosphärische Ablagerung von Staub und Schadstoffen forschen. Diese Experten haben wir um eine Einschätzung und Bewertung der Chemtrail-Beweise gebeten.“

Das Ergebnis: Von insgesamt 77 der befragten Experten (98,7 Prozent) sind 76 keinerlei überzeugende Beweise für die beschriebenen Chemtrail-Programme bekannt. „Statt dessen lassen sich die vorgebrachten ‚Beweise‘ anhand durch andere Faktoren, darunter auch sehr gut verstandene physikalische und chemische Vorgänge in Verbindung mit Kondensstreifen von Flugzeugen und atmosphärischen Aerosolen erklären“, so das Resümee der in der Studie zitierten Experten. Auch die Frage nach eigener Kenntnis der Experten über mögliche Hin- und Beweise für Chemtrails, verneinten 76 von 77 der befragten Wissenschaftler.

Gemischterer Meinung waren die Experten allerdings angesichts der Bewertung der von einigen Chemtrail-Vertretern bereits vorgelegten Proben: Zwar erklärten zwischen 80 und 89 Prozent der Wissenschaftler, dass deren Zusammensetzung noch keine logischen Beweise für Chemtrails seien, doch sagten immerhin noch rund 40 Prozent, dass in diesen Fällen mehr Daten und Informationen notwendig seien, um zu einer eindeutigen Schlussfolgerung zu gelangen. Jene Experten, die eine weiterführende Analyse der Proben angeboten hatten, erklärten wiederum mehrheitlich, dass es sich um gewöhnliche und zu erwartende Inhaltsstoffe handele.

Zugleich erklärten zumindest die befragten Experten, dass es eine Vielzahl von Erklärungen dafür gebe, dass die Kondensstreifen am Himmel in den letzten Jahrzehnten und Jahren tatsächlich zugenommen haben: Zum einen habe natürlich der Flugverkehr allgemein zugenommen. Hinzu flögen Flugzeuge heutzutage deutlich höher als früher und sei es auch durchaus möglich, dass der Klimawandel dazu beitrage, dass sich Kondensstreifen heute länger halten als wir dies von früher gewohnt waren.

http://www.grenzwissenschaft-aktuell.de/studie-chemtrail-verschwoerung20160819/