PecuniaOlet

„Journaille“, „Tintenstrolche“, „Fanghunde der öffentlichen Meinung“, „Preßmaffia“, „Preßköter “ - Karl Kraus`Wortschöpfungen zur Presse

Karl Kraus (1874-1936), österreichisch-jüdischer Schriftsteller, Satiriker, Sprach- und Kulturkritiker

Couplet des Schwarz-Drucker (Auszug)

Im Anfang war die Presse

und dann erschien die Welt.

Im eigenen Interesse

hat sie sich uns gesellt.

Nach unserer Vorbereitung

sieht Gott, daß es gelingt,

und so die Welt zur Zeitung

er bringt.

Die Welt war es zufrieden,

die auf die Presse kam,

weil schließlich doch hienieden

Notiz man von ihr nahm.

Auch was sich nicht ereignet,

zu unserer Kenntnis dringt;

wenns nur fürs Blatt geeignet –

man bringt.

[.....]

Sie lesen, was erschienen,

sie denken, was man meint.

Noch mehr läßt sich verdienen,

wenn etwas nicht erscheint.

Wir schweigen oder schreiben,

ob jener auch zerspringt –

wenn uns nur unser Treiben

was bringt.

Die Welt, soweit sie lebend,

singt unsere Melodie.

Wir bleiben tonangebend

von aller Gottesfrüh.

Nach unsern notigen Noten

die Menschheit tanzt und hinkt,

weil Dank sie für die Toten

uns bringt!

[.....]

Wir bringen, dringen, schlingen

uns in das Leben ein.

Wo wir den Wert bezwingen,

erschaffen wir den Schein.

Schwarz ist's wie in der Hölle,

die auch von Schwefel stinkt,

wohin an Teufels Stelle

man bringt!