Nicht sprachlos bleiben – Verfolgte Journalisten und Schriftsteller im Exil berichten

Nicht sprachlos bleiben – Verfolgte Journalisten und Schriftsteller im Exil berichten


27.09.2013 – Verfolgte Journalisten und Schriftsteller machen nicht nur in ihren Heimatländern traumatische Erfahrungen. Selbst nach einer Flucht in sichere Staaten wie Deutschland erleben sie ihr Exil als besonders bitter. Abgeschnitten von ihrer Muttersprache und dem Publikum im eigenen Land, sind sie ihres wichtigsten Handwerkszeugs beraubt. Zum diesjährigen Tag des Flüchtlings geben Reporter ohne Grenzen, das PEN-Zentrum Deutschland und die taz Panter Stiftung einigen von ihnen eine Stimme.

In einer einmaligen Beilage zur heutigen Ausgabe der tageszeitung gewähren einige der Autorinnen und Autoren, die aus verschiedenen Ländern nach Deutschland geflohen sind, Einblicke in ihr literarisches Schaffen. Andere berichten von den Umständen, die sie zur Flucht bewogen haben, von den Motiven und Schwierigkeiten ihrer Arbeit als Journalisten und von ihren Erfahrungen im Exil.

Ihre Texte beschreiben die Situation in Ländern wie Simbabwe, in denen schwarze Listen von Regimegegnern kursieren und Reporter öffentliche Telefone benutzen müssen, um den Abhörmaßnahmen des Geheimdienstes zu entgehen. Sie berichten von der Verfolgung im Iran, wo es nach Jahren der Verfolgung „keine Dissidenten und keine unabhängigen Veröffentlichungen“ mehr gebe. Sie thematisieren die Verzweiflung darüber,  in europäischen Konferenzsälen die immer gleichen, folgenlosen Diskussionen zu führen, während daheim in Syrien reihenweise Freunde im Bürgerkrieg sterben. Oder sie berichten von der alltäglichen Not der Menschen in ehemaligen Sowjetrepubliken wie Georgien – „auf den Trümmern des Sozialismus“.

Einige der Autoren reflektieren ihre Situation im Exil, darunter Herausforderungen wie die Sprachbarriere, den Verlust des bisherigen sozialen Status und die Degradierung zu einer Nummer in den Akten der Einwanderungsbehörden. Die Antworten darauf sind so unterschiedlich wie die Persönlichkeiten, die aus den Texten sprechen: Ein somalischer Journalist versucht, sich damit abzufinden, dass er hier allenfalls als Hilfsarbeiter gefragt ist und seine Berufserfahrungen in der Heimat nichts zählen. Seine pakistanische Kollegin hadert mit dem Gefühl, dass ihre Verfolger sie mit der Flucht ins Exil letztlich besiegt und sie der Leidenschaft ihres Lebens beraubt hätten.

Die Journalistinnen und Journalisten unter den Beilagen-Autoren werden von der deutschen Sektion von Reporter ohne Grenzen betreut. Durch ihr Referat „Hilfe für Journalisten in Not“ (https://www.reporter-ohne-grenzen.de/nothilfe/) steht die Organisation verfolgten Medienschaffenden bei und unterstützt sie bei der Fortführung ihrer journalistischen Arbeit in der Heimat oder im Exil – auch mit Veröffentlichungen auf dem Blog http://journalistsinexile.com. Die Schriftstellerinnen und Schriftsteller sind aktuelle oder ehemalige Stipendiaten im „Writers in Exile“-Programm des deutschen PEN-Zentrums (http://www.pen-deutschland.de/de/themen/writers-in-exile/

). Dieses weltweit einmalige Programm ist für derzeit acht Stipendiaten eingerichtet  und versucht, sie in Kontakt zu Verlagen und Redaktionen zu bringen. Die taz Panter Stiftung (http://www.taz.de/!p4258/) fördert ehrenamtliches Engagement, journalistische Aus- und Weiterbildung nicht zuletzt für Migranten und bietet Workshops für Journalisten aus Ländern mit eing
eschränkter Pressefreiheit an.