PecuniaOlet

Das alternative Wort zum Sonntag

Der meiner Meinung nach bedeutendste Philosoph der Aufklärung war der Königsberger Immanuel Kant (1724-1804).Seit Kants erkenntnistheoretischem und enorm schwierigen Hauptwerk, "Kritik der reinen Vernunft", wissen wir, dass menschliches Denken innerhalb gewisser Grenzen und Kategorien stattfindet, über die wir niemals hinausgelangen können. Unser Denken ist beschränkt durch eine von Raum, Zeit und Kausalität definierten "Matrix", die eine Sicht der "Realität (Ding) an sich" unmöglich machen. Wir, bzw. unsere Wahrnehmung, schaffen uns die Welt gewissermaßen durch diese a priori in uns vorhandenen Kategorien selbst. Mathematik als "Werkzeug" und Quantenphysik als Theorie gestatten uns allerdings einen Ausblick in andere Realitäten, die wir mittels unseres Denkens allerdings wohl nie wirklich zu "be-greifen" im Stande sind. 

Arthur Schopenhauer (1788-1860), der sich als einen Schüler und "Vollender" Kants sah, betrachtete diese eigentliche Realität, Kants unerkennbares "Ding an sich", als den zunächst überall in der Natur wirkenden, zunächst "blinden" Willen, der als eigentliches Primat (vorrangig,älter)) des Intellekts gilt und diesen Intellekt und dessen Vorstellung in Kategorien von Raum und Zeit erst hervorbrachte. Schopenhauers Denken zeigt eine große Affinität zum Buddhismus, aus dem auch eine ähnlich geartete, der christlichen nahe verwandten Ethik resultiert.

Die Religionen betrachtete Schopenhauer als eine Art so notwendiger wie wichtiger Instanzen zur Befriedigung des metaphysischen Bedürfnisses breiter Massen, die der Philosophie nicht zugänglich sind. Dem Buddhismus und dem Christentum gab er dabei eindeutig den Vorzug (er sah die Evangelien "indischen Geistes"), während er sich über den Islam und auch das Judentum, welches er als "platt optimistisch" bezeichnete, sehr skeptisch äußerte. 

In seinem Denken ist der Kern der Welt, das "Ding an sich", auch der Kern des menschlichen Wesens und als solches unzerstörbar. Das individuelle und persönliche Dasein und das Ego hingegen sind vergänglich. "Alles, was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht" (Goethe,Faust). Ziel menschlicher Ethik ist es, diesen Willen, der letzten Endes zum Leiden führt, als Prinzip jeglichen Lebens zu erkennen und durch Mitgefühl zu überwinden.