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Mehr Toleranz und Gendergerechtigkeit in "Heimatklassikern"?

Ein von den Linken und Grünen beantragter parlamentarischer Untersuchungsausschuss für Gendergerechtigkeit und Toleranz in Literatur und Kunst bemängelte während seiner letzten Tagung eine rechtspopulistische und gleichermaßen homophobe wie rassistische Tendenz in der Verfilmung traditioneller Heimatliteratur sowie bei Märchen und deutschsprachiger Dichtung. "Es wird zwar noch geraume Zeit in Anspruch nehmen, bis wir unsere nationale Literatur entsprechend entchauvinisiert haben", meinte ein Sprecher der Grünen, "bei Neuverfilmungen national-chauvinistischer Literatur allerdings besteht bereits jetzt  akuter Handlungsbedarf".

Seine Anspielung bezieht sich hier in erster Linie auf die Neuverfilmung des Klassikers "Heidi" der Schweizer Autorin Johanna Spyri (1827-1901).

So sei zum Beispiel der "Geißenpeter" (Heidis junger Freund in den Bergen) eine Ikone inbesondere des schweizerischen Ur-Chauvinismus und eine infantile Vorform des erzkonservativen Eidgenossen. Alleine seine Existenz als liter-arische Figur eines Kinderbuchklassikers habe einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, dass das Wahlrecht für Frauen in der Schweiz erst seit 1971 bestehe.

"Wir stellen uns zukünftig einen metrosexuell und androgyn wirkenden Geißenpeter vor, am besten muslimisch-ländlicher Herkunft und mit etwas dunklerem Teint. Zudem müssen dringend die Sommersrossen weg!", äußerte sich Alois Doppelreiter als wissenschaftlicher Beirat des Ausschusses. Zum einen käme dadurch ein wesentlich intimeres Verhältnis zu Ziegen zum Ausdruck, zum anderen könne man auf diese Weise den "Großvater" (Heidis) als pensionierten Muezzin auftreten lassen, der sich in die Berge zurückgezogen habe, um das Echo der Schweizer Alpen an den Gebetsruf zu gewöhnen, welcher das völlig regressive Jodeln zukünftig ersetzen solle.

"Die Schweizer haben schließlich kein Recht auf Eidgenossenschaft, den Franken und die Demokratie auf alle Ewigkeit", meinte Doppelreiter. Auch nicht auf ihren seltsamen Dialekt. Die Schweiz als Teil der Erde gehört allen Menschen der Erde.Wer die Landschaft und die Alpen so lange Zeit für sich beansprucht und sie nicht allen uneingeschränkt und dauerhaft zur Verfügung stellt, muss mittelfristig ohnehin mit drastischeren Maßnahmen und Sanktionen rechnen."

Auf die Frage, ob es bezüglich der Heidi Verfilmung etwas gäbe, was man nicht ändern wolle, antwortete er: "Den Artikel! Den neutralen Artikel "Das Heidi", den die Schweizer für gewöhnlich Mädchen bis zu einem bestimmten Alter geben. Wenn man "die Heidi" sagt, wird das Kind in repressiv-suggestiver Weise bereits dem weiblichen Geschlecht zugeordnet, was in diesem Alter noch gar nicht ersichtlich sein kann. Das Heidi hingegen kann sich noch bewusst für ein Geschlecht oder ein dazwischen liegendes Transgender entscheiden, solange es nicht von einem dominant-arisch wirkenden Geißenpeter in diese Rolle gedrängt wird. Daher auch die angestrebte Androgynität ihres neuen Spielgefährten. Das Dirndl sollte allerdings durch einen neutraleren Hosenanzug ersetzt werden."