PecuniaOlet

Der "Eisschock"

Gestern kaufte ich für die ganze Familie in der italienischen Eisdiele insgesamt 24 Kugeln Eis, und bezahlte dafür 28,80 Euro.

Wow, dachte ich, damit hättest Du zu DM-Zeiten beim Italiener um die Ecke für jeden eine Pizza plus Getränk erhalten. Meine Großmutter drückte mir als Kind zum Eis kaufen immer 2 DM in die Hand. Dafür konnte ich mir sage und schreibe 10 Kugeln leisten. Und es war dieselbe Eisdiele, in Besitz derselben Familie, und auch die Größe der Kugeln hatte sich seither nicht verändert. Heute müsste eine Oma schon großzügiger sein, und ihr Portemonnaie für lediglich 10 Eiskugeln um ganze 12 Euro erleichtern. 2 DM hatten den Durchschnitts- Omas von damals auch nicht weh getan. 12 Euro den heutigen hingegen schon.

Zu DM-Zeiten waren bei Lidl oder Aldi die Einkaufswagen für 100 DM randvoll. Heute reichen für in etwa dieselben Artikel meist nicht mal 100 Euro. Für Lebensmittel und Körperpflegeprodukte benötigen wir als siebenköpfige Familie zwischenzeitlich cirka 1000 Euro monatlich. Das entsprach in den Achtzigern in etwa dem durchschnittlichen Monats-Nettoeinkommen von Arbeitern, und die lebten damals nicht schlecht davon. Prekäre Arbeitsverhältnisse im heutigen Sinne gab es kaum, und die Arbeit war meist fair bezahlt.

Preiserhöhungen bei Lebensmitteln werden zwischenzeitlich versteckt, indem bei gleichem Preis das Nettogewicht plötzlich verringert wird. Durch die vielen kleinen Bäckereien und Familienbetriebe gab es damals eine deutlich größere Vielfalt an Backwaren. Manche Leckereien sind im süddeutschen Raum komplett aus den Regalen verschwunden, und einfach "ausgestorben". Bisweilen freut man sich und fühlt wahre Nostalgie, wenn man in 50 km entfernten Dorfbäckereien, die noch von keinem Großbetrieb übernommen wurden, das eine oder andere Produkt noch findet.

Vielfalt (zumindest die deutsche) verschwindet, Inflation wird bis zum Schmerz gefühlt, Chlorhühnchen und Zuckersteuer in Vorbereitung. Danke Euro, Danke EU! Danke Politik!