PecuniaOlet

Eine "Demokratie" braucht "Spinner"

Sicherlich: Wäre Josephine Witt ein Mann und zudem einer der "Rechten Szene", wäre sie wahrscheinlich im Knast gelandet.

Auch kann man über Femen und viele ihrer Aktionen geteilter Meinung sein. Und selbstverständlich ging es ihr um Aufmerksamkeit. Was sonst?

Dennoch finde ich solche Aktionen, wie diese während der Pressekonferenz der EZB, erfrischend. Auch hätte ich nichts dagegen, wenn eine junge Frau splitternackt während eines Gottesdienstes auf den Altar spränge, wenn sie nett anzuschauen ist. Alleine die entsetzten Gesichter der Scheinheiligen und die ängstlich-entsetzten Blicke der sogenannten Mächtigen sind es wert. Ich habe es gestern in der Kirche erlebt (in die ich mich ausnahmsweise aufgrund einer Festlichkeit aus familiärer Rücksichtnahme zu begeben hatte), wie der Pfarrer und die "Gläubigen" immer wieder grimmige Blicke auf ein lachendes und schwatzendes Kleinkind warfen, und die Eltern schließlich aufgefordert wurden, das Kind doch endlich "ruhig zu stellen". "Lasset die Kindlein zu mir kommen!". Aber nur , wenn sie im Sinne der Zivilisation angepasst sind.

Selbstverständlich sind Menschen wie Mario Draghi und andere Bankangestellte nicht die Ursache der Verwerfungen unseres Geldsystems, und wenn er ginge, käme ein anderer und täte es ihm nach. Und selbstverständlich haben Gläubige in der Kirche ein Recht, dort ungestört dem Gottesdienst beizuwohnen. Beide Personenkreise sind jedoch mitverantwortlich für das "System", denn sie dienen zumeist ihm allein.

Ich bin mir bei vielem nicht sicher, aber bei einem ganz und gar: Käme ein Mensch wie Jesus Christus heute auf die Welt, würde er sich zuerst mit der Kirche und dann mit den Mächtigen zerwerfen - und früher oder später würden sie ihn wegen Volksverhetzung und ähnlicher Delikte einsperren. Gäbe es auch nur einen einzigen "echten" Christen, der den Geist des Neuen Testamentes in vollkommener Weise leben würde - er würde als Verbrecher verurteilt oder im harmloseren Falle als exzentrischer Spinner belächelt und in Ruhe gelassen. So wie etwa der dänische Philosoph und erste "Existenzialist" Sören Kierkegaard ("Entweder-oder", "Die Krankheit zum Tode"), der sich mit seinem zeitgenössischen, angepassten und verbürgerlichten Christentum total zerworfen hatte, es schließlich verachtete und bei seinem frühen Tod die Kommunion verweigerte.

Unterwerfung an Staat und (weltliche) Macht, Angepasstheit und Heuchelei haben auch etwas mit Erstarrung der Demokratie zu tun. Deswegen hege ich für "Spinner" jeglicher Art, solange sie "echt" und authentisch sind, Sympathie. Ganz ungeachtet ihrer politischen Ausrichtung oder sexuellen Orientierung.