Peter

Europa auf dem Weg ins Glück

Die angeschlagenen Staaten Europas sind auf dem richtigen Weg, sie reformieren sich und haben Erfolge bei der Bekämpfung ihrer Haushaltsdefizite. Nur noch ein paar Reförmchen hier und ein paar Privatisierungen da und schon wird sich der Mantel des Wohlstands über die Bürger Europas legen. Eine glückliche Zukunft steht Europa ins Haus. Darin sind sich europäische Politiker fast ausnahmslos einig.

Da die Politiker Europas nicht müde werden solcherlei Unfug zu verbreiten, werde ich auch nicht müde auf die Realität hinzuweisen. Die Realität sieht nämlich, was Fakten, Zahlen und Statistiken belegen, etwas anders aus.

Um die Realität zu erkennen genügt es, einen Blick auf ein paar Wirtschaftsdaten einiger europäischer Staaten zu werfen.

Beginnen wir mit dem „Vorzeigestaat“ Europas, Irland.

Dort sank die Industrieproduktion im August im Vergleich zum Vorjahresmonat um 5,94%.

Das Haushaltssaldo Irlands 2013 wird mit ca. -12,6 Milliarden dem des Jahres 2012 gleichen.

Das Haushaltssaldo Irlands 2013 in Relation zum Bruttoinlandsprodukt liegt mit -7,55% ebenfalls auf dem Niveau von 2012.

Die Arbeitslosenquote Irlands liegt bei ca. 14,2%. Dass sie nicht höher ist, dürfte nicht zuletzt an der Abwanderung vieler Iren ins Ausland liegen.

Die Staatsverschuldung wird, wie seit 2007, weiter steigen und dürfte 2013 ca. 207 Milliarden Euro betragen, alles andere als Peanuts für die 4,5 Millionen Einwohner Irlands.

Machen wir weiter mit Portugal.

Das Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts wird nach Schätzung (man wird sich sicherlich verschätzt haben) -2,3% betragen.

Das Haushaltssaldo wird nach Schätzung (siehe oben) bei -9,1 Milliarden Euro liegen.

Die Staatsverschuldung Portugals wird nach Schätzung (siehe oben) leicht auf 201 Milliarden Euro sinken.

Die Ausgaben des Staates werden 2013, wie in den letzten 10 Jahren, höher als die Einnahmen sein.

Die nächste Schätzung betrifft die Arbeitslosenquote, sie wird Ende 2013 bei 18,25% liegen.

Und weiter geht’s mit Spanien.

In Spanien sank die Industrieproduktion im August 2013 um 4,0% im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Das Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts bleibt mit -1,5% eine Schrumpfung.

Die Staatsverschuldung wird sich 2013, wie seit Jahren, auf 958,70 Milliarden Euro erhöhen.

Die Arbeitslosenquote beträgt ca. 27% und ist eigentlich nicht mehr hinnehmbar.

In Spanien hat sich die Zahl der Armen seit Beginn der Krise verdoppelt, d. h. drei Millionen Spanier leben in absoluter Armut.

Ein Blick nach Italien.

Auch dort schrumpfte die Industrieproduktion im August 2013 im Vergleich zum August 2012, um satte 7,6 %.

Nach Schätzung wird das Bruttoinlandsprodukt auf 1953 Milliarden Euro, wie schon 2012, sinken.

Im Gegenzug wird die Staatsverschuldung die 2 Billionen-Grenze überschreiten.

Damit wird die Staatsverschuldung in Relation zum Bruttoinlandsprodukt auf ca. 130% steigen.

Ebenso wird die Arbeitslosenquote, wie seit 2007, steigen. Die 12% Hürde wird gerissen werden.

Einen Blick auf Griechenland zu werfen macht eigentlich keinen Sinn.

Auch wenn es ein sinkendes Staatsdefizit zu verzeichnen hat, welches sicherlich auf sinkendem Import beruht, wird sich die Staatsverschuldung wieder erhöhen. Die weiterhin sinkende Industrieproduktion und eine untragbare Arbeitslosenquote von 27,6% zeigen auf, dass Griechenland einen vollständigen Schuldenschnitt braucht um jemals wieder annähernd wettbewerbsfähig zu werden. Die Griechenland von der EU und dem IWF aufgezwungenen Maßnahmen wird dieses Land niemals bewältigen können. Das dürfte auch der Troika bei ihrem letzten Besuch in Athen deutlich geworden sein. Zweifel an der Rettung Griechenlands hegte der IWF scheinbar schon vor Längerem. Wie auch immer, zumindest zeigt Griechenland auf, wie es anderen Staaten in Europa schon bald ergehen wird.

Damit niemand sagen kann, ich würde nur die Situation der von der Krise am stärksten betroffenen Staaten beleuchten, hier nun der Blick auf Frankreich.

In Frankreich sank die Industrieproduktion im August 2013 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 5,4%.

Das Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts lässt zu wünschen übrig.

Mit einer Arbeitslosenquote von über 11% bekleckert sich Frankreich nicht gerade mit Ruhm.

Die französische Staatsverschuldung, die mit 1911 Milliarden Euro bei über 90% in Relation zum Bruttoinlandsprodukt liegt, verheißt ebenso nichts Gutes.

Vieles deutet darauf hin, dass Frankreich zu einem wahrlich großen Problem für die Eurozone werden wird.

Zum Schluss noch ein Blick auf Deutschland, der Lokomotive Europas.

Eine Industrieproduktion, die im August 2013 um gerade mal 0,3% im Vergleich zum Vorjahresmonat stieg, ist nicht berauschend.

Dass die Exporte im August 2013 um 5,4% im Vergleich zum Vorjahresmonat zurückgingen sollte einem zu Denken geben.

Eine Staatsverschuldung von über 2 Billionen Euro stellt kein solides Fundament dar.

Verlautbarte Arbeitslosenzahlen, die aufgrund vieler Tricksereien zu stagnieren scheinen, verschleiern mehr Information als sie bieten.

Ein ausufernder Niedriglohnsektor, Zeitverträge und Werksverträge vermitteln fälschlicherweise den Eindruck einer guten Beschäftigungslage.

Vor allem aber wird die Belastungsgrenze Deutschlands durch weitere zu leistende Zahlungen an irgendwelche Rettungsschirme in naher Zukunft überschritten werden.

Zum Schluss will ich wieder einmal darauf hinweisen, dass die seit Jahren betriebene „Rettungspolitik“ nur zwei Dinge bewirkt hat. Sie hat Banken ermöglicht ihre Verluste dem Steuerzahler aufzubürden und sie somit vor der Insolvenz bewahrt und sie hat dafür gesorgt, Schuldenstände in die Höhe zu treiben. Damit die Erhöhung von Staatsschulden aufgrund von Bankenrettungen nicht allzu sehr auffällt, dafür wird man schon sorgen.

Gute Nacht Europa, träum was Schönes

Meine Meinung entspringt meinem Gehirn. Da ich mein Gehirn nicht verleihe, muss auch niemand meiner Meinung sein.