Norwegischer Regierungsbericht: Großteil des IS-Öls geht in die Türkei

Ein von der norwegischen Regierung in Auftrag gegebener Bericht über die illegalen Erdölverkäufe des IS bestätigt, dass der Großteil des geschmuggelten Erdöls in die Türkei gebracht und dort zu einem stark reduzierten Preis verkauft wird.

Die norwegische Zeitung Klassekampen veröffentlichte jetzt Teile des Berichts, der vom unabhängigen Erdöl- und Erdgasberatungsunternehmen Rystad Energy im Auftrag des norwegischen Außenministeriums erarbeitet und zusammengestellt wurde. Dort heißt es:

»Aus IS-kontrollierten Gebieten in Syrien und dem Irak wurden große Mengen an Erdöl über die jeweiligen Grenzen in die Türkei geschmuggelt… Das Erdöl wird mit Tanklastzügen über Schmuggelrouten über die Grenze gebracht [und dann] zu einem stark verminderten Preis von 25 bis 35 Dollar pro Barrel verkauft.«

Das Rohöl wird Berichten zufolge auf dem Schwarzmarkt verkauft. Demgegenüber liegt der offizielle Referenzverkaufspreis von Brent-Erdöl gegenwärtig bei 35 bis 50 Dollar pro Barrel. Bei der Erstellung des Berichts, der bereits im Juli übergeben wurde, stützte sich Rystadt Energy auf eigene Datenbanken sowie Quellen aus der Region.

»Die Exporte werden auf einem gut organisierten Schwarzmarkt über die Türkei verkauft«, stellt der Bericht fest. »Viele der Schmuggler und bestechlichen Grenzbeamten waren bereits Saddam

Hussein bei der Umgehung der internationalen Sanktionen behilflich, nun unterstützen sie den IS dabei, Erdöl zu exportieren und Bargeld zu importieren.«

Bereits Anfang Dezember hatte das russische Verteidigungsministerium Beweise für den Erdölschmuggel des IS in Richtung Türkei vorgelegt. Bereits zuvor hatte Russland erklärt, man kenne die drei wichtigsten Schmuggelrouten für Erdöl in die Türkei sehr genau, und der stellvertretende Verteidigungsminister Anatoli Antonow verwies im Rahmen der Pressekonferenz vom 2. Dezember auf Videoaufzeichnungen sowie detaillierte Karten, die diese Schmuggeloperationen belegten.

»Wir werden Ihnen heute nur einen Teil der verfügbaren Fakten vorlegen, die beweisen, dass im Wesentlichen eine einzelne Gruppe in der Region aktiv ist. Sie besteht aus Extremisten und Teilen der türkischen Elite, die sich verschworen haben, das Erdöl ihrer Nachbarn zu stehlen«, sagte Antonow.

Das Erdöl werde in industriellen Mengen über »mobile Pipelines« in die Türkei transportiert, die aus Tausenden Erdöl-Tanklastwagen bestünden. »Nach unseren Erkenntnissen … [ist] die politische Führung des Landes – Präsident Erdoğan und seine Familie – in den illegalen Erdölhandel mit dem IS verwickelt.«

Die Türkei wies alle Vorwürfe zurück. Der türkische Präsident Erdoğan erklärte, niemand habe das Recht, die Türkei zu »verleumden«, indem man das Land beschuldige, Erdöl vom Islamischen Staat u kaufen.

Der Präsident behauptete sogar, er werde zurücktreten, sollten sich die Beschuldigungen als wahr erweisen. Die USA verteidigten die Türkei und bestritten jede Verbindung zwischen Ankara und dem IS.

Im vergangenen Oktober erklärte Staatssekretär David Cohen, Leiter des berüchtigten Office of Terrorism and Financial Intelligence im US-Finanzministerium – eine Art Geheimdienst des Finanzministeriums zur Finanzkriegführung–, der IS verdiene an den Erdölverkäufen etwa eine Million Dollar am Tag.

»Nach unseren Informationen vom letzten Monat verkaufte der IS Erdöl zu deutlich verringerten Preisen an verschiedenste Mittelsmänner. Darunter befanden sich auch Personen aus der Türkei,

die dann das Öl an andere Bestimmungsorte weiterverkauften. Es scheint so, dass ein gewisser Teil des Erdöls, das aus den IS-Gebieten stammt, an die Kurden im Irak verkauft und dann in die Türkei geliefert wurde«, erklärte er.

Nach Angaben des russischen Premierministers Dmitri Medwedew handelt es sich bei den Mittelsmännern in der Türkei nicht nur um »Unternehmer«, sondern um türkische Regierungsvertreter. Die Türkei schütze den IS »aufgrund direkter finanzieller Interessen einiger türkischer Regierungsvertreter im Zusammenhang mit der Lieferung von Erdölprodukten, die in vom IS kontrollierten Raffinerien weiterverarbeitet wurden«.

Parallel zu diesen Enthüllungen verabschiedete der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen eine Resolution, in der legale Maßnahmen gegen diejenigen Personen und Unternehmen bekräftigt wurden, die mit Terrorgruppen Geschäfte machen. Die neue Resolution nimmt auf eine UN-Erklärung vom Februar gegen den illegalen Handel mit antiken Kulturgütern aus Syrien Bezug. Darin wurden jedem Sanktionen angedroht, der Erdöl vom IS oder der mit al-Qaida verbundenen Al-Nusra-Front kaufe, und darauf gedrängt, an Terroristen kein Lösegeld zu zahlen.