Reisebericht

Dominikanische Republik

Zauberhaufte Strände, vielfältige Natur, freundliche Menschen. "Noch nie habe ich Schöneres gesehen" (Christoph Kolumbus)

Land und Leute

Bevor ich zu einer weiteren Beschreibung unserer Touren ins Landesinnere komme, möchte ich zunächst einmal die näher gelegenen Ortschaften beschreiben, es geht also zunächst einmal um Orte und Landschaften entlang der Nordküste, also am Atlantik gelegen. Die Insel Hispaniola mit den Ländern der Dominikanischen Republik, ca. zwei Drittel der Insel, und Haiti, dass ca. ein Drittel ihr eigen nennt, liegt nämlich nicht vollkommen im Karibischen Meer, insofern man die Karibik nicht als einen Teil des Atlantischen Ozeans betrachtet, sondern die Nord- und Ostküste der Insel grenzen an den Atlantischen Ozean, was der Qualität der Landschaften und der Strände aber keinen Abbruch tut. Nur die Südküste der Insel und der östliche Bereich in Haiti grenzen tatsächlich an das Karibische Meer.

Zurück zur Nordküste, die im Bereich um die Stadt Puerto Plata (unser Zielflughafen) aus verständlichen Gründen auch "Bernsteinküste" genannt wird. Zu diesem Thema komme ich später.

Die bedeutendste Stadt im Bereich der Nordküste ist Puerto Plata selbst, für alle Besucher der Nordküste, der erste Berührungspunkt mit der Dominikanischen Republik, denn auf dem Internationalen Flughafen von Puerto Plata (POP) kommen ständig Großraumjets aus aller Herren Länder mit Touristen an. Dies ist auch an den Hotelanlagen der Playa Sosua und der Playa Cabarete mehr oder weniger deutlich zu hören, denn der Flughafen liegt ca. 20 Kilometer östlich von Puerto Plata und damit eigentlich näher an Sosua, als an POP. Die Nordküste der Dominikanischen Republik war in Sachen Tourismus auch der Vorreiter im Lande. Dieser Küstenabschnit wurde als erstes für den Tourismus erschlossen, erst lange danach kam zum Beispiel Punta Cana an der Ostküste.




Vom Airport fahren ständig klimatisierte Busse und Taxis nach Santo Domingo, Santiago, Samana und natürlich auch in die nahen Touristenzentren Playa Dorada, Sosua und Cabarete. Wer keiner Transfer hat: Festpreise gibt es nicht, handeln lohnt sich in jedem Fall.
Ach so, noch ein Tip: Obwohl die Tourismusbehörde der "Koffermafia", also den organisierten Gepäckträgern mittlerweile einen gehörigen Riegel vorgeschoben hat, kommt es doch immer wieder vor, dass von den dreisten "Dienstleistern" für 10 Meter Koffertragen 10 US-Dollar oder auch 10 Euro verlangt und auch zwangsläufig bezahlt werden, da der einreisende Gast oder Tourist oftmals nicht über Banknoten in kleiner Stückelung verfügt, vom langen Flug gestresst ist und er froh ist, dass ihm die Arbeit abgenommen wird. Es gilt also: Kleingeld bereithalten oder noch besser, einen der kostenlosen Gepäckwagen in Anspruch nehmen und sein Gepäck selbst zum Taxi oder zum Transferbus transportieren. Nach einer 10-stündigen Flugsitzung tut ein bisschen Bewegung auch ganz gut. Ich möchte hier nicht den Gepäckträgern den Job kaputt machen, aber bei einem US-Dollar pro Meter fange ich auch als Gepäckträger am International Airport POP an.

Puerto Plata wurde zwischen 1496 und 1502 entweder von Bartolome`Colon, Bruder von Cristobal Colon oder von Nicolas de Ovando, damaliger Gouverneur der Nordregion, gegründet. Genaue Aufzeichnungen hierüber gibt es nicht. Die Hafenstadt hat heute knapp 100.000 Einwohner. 1493 landete Christoph Columbus in der hufeisenförmigen Bucht und gab der Stadt wegen des glänzenden Meeres den Namen "Silberhafen". Eine Siedlung gründete "der große Entdecker" hier jedoch nicht, dies überliess er anderen. Die erste Siedlung an der Nordküste gründete Kolumbus nämlich am Weihnachtstage 1493 in Navidad, liegt auf dem heutigen Staatsgebiet von Haiti. Am Rande sei noch erwähnt, dass Kolumbus diese Siedlung nach seiner Rückkehr verwüstet und die zurückgelassenen Besatzungsmitglieder getötet vorfand, so dass er auf halbem Wege zwischen Monte Christi und Puerto Plata die Siedlung La Isabella gründete. La Isabella war damit die erste feste Siedlung in der Neuen Welt. Heute sind allerdings hiervon nur noch die Grundmauern teilweise zu erkennen. Ein Besuch diese historischen Stätte lohnt daher kaum.

Puerto Plata erhielt im Jahre 1508 von der spanischen Krone die Stadtrechte und ein Wappen, da die Stadt mittlerweile regelrecht aufblühte. Dies war aber auch auf verstärkte Schmugglertätigkeiten und illegalen Handel mit ausländischen See- und Kaufleuten zurückzuführen. Als dies dem spanischen Königshaus zu Ohren kam, ließ man die florierende Hafenstadt kurzer Hand dem Erdboden gleich machen, da man Einnahmeverluste nicht duldete. Die damaligen Bewohner wurden im Rahmen einer Zwangsumsiedlung in andere Landesteile gebracht. Danach folgten zwei Jahrhunderte der Ruhe, bis die Herrscher aus Spanien 1736 eine Genehmigung zu einer erneuten Stadtgründung erteilten.

Nachdem das Handelsmonopol des Mutterlandes Spanien nicht mehr bestand, kamen viele der neuen Siedler von den Kanarischen Inseln nach Puerto Plata. Die Geschäftstüchtigkeit der neuen Siedler und auch der Wegfall des Handelsembargos bescherten der Stadt einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung, der aber gut 100 Jahre später durch ein gewaltiges Feuer, welches die Stadt vollkommen zerstörte, zunichte gemacht wurde.

Aber auch dies konnte Puerto Plata nicht unterkriegen. Einige Jahre später begann der Wiederaufbau und aufgrund der günstigen geographischen Lage nahm der Handel mit wichtigen Exportgütern wie Tabak, Edelhölzern und natürlich Zuckerrohr einen erneuten Aufschwung, was dem Wiederaufbau der Stadt im viktorianischen Stil zu Gute kam. Diese herrlichen Häuser waren zum Großteil die Domizile der ehemaligen Zuckerbarone.

Aufgrund der räumlichen Nähe zum fruchtbaren Cibaotal, ist dieser Wirtschaftszweig auch heute noch ein wichtiger Faktor Puerto Platas. Ein zweites Standbein hat sich die Metropole des Nordens seit gut 20 Jahren mit dem Tourismus geschaffen, obwohl dieser Wirtschaftszweig seit den Ereignissen des 11. September 2001 auch schwer mit den Auswirkungen dieser Katastrophe zu kämpfen hat. So ging zum Beispiel vor den Terroranschlägen in den USA täglich ein Jet der LTU von Düsseldorf nach Puerto Plata, derzeit ist es nur noch einer in der Woche. Dies ist natürlich auch an der Auslastung der Hotels zu spüren. Besonders stark getroffen sind auch die fliegenden Händler und Strandverkäufer, die aber auch aufgrund dieser wirtschaftlichen Flaute niemals aufdringlich oder gar belästigend auf die Touristen zukommen. Man muss sicherlich auch bedenken, dass diese Menschen durch ihre "Geschäftsverbindungen mit den Touristen" oftmals vielköpfige Familien ernähren müssen. Es bleibt daher vor allem für die Menschen in der DR zu hoffen, dass sich die Tourismusbranche, von der ein großer Teil der Einwohner lebt, sich in naher Zukunft wieder erholt.




Das Wahrzeichen der Stadt Puerto Plata ist der alles überragende 792 Meter hohe Pico Isabel de Torres, der Hausberg der Stadt. Zum Gipfel kann man mit der einzigen Seilbahn der Karibik gelangen, der sog. Teleferico. Normalerweise fährt diese von Donnerstags bis Dienstags in der Zeit von 08.00 bis 17.00 Uhr, da der Betrieb aber häufig gestört ist, sollte man sich vorher bei der Reiseleitung oder beim Tourismusbüro erkundigen, wie die Lage ist. Häufig streiken schon einmal die stromführenden Generatoren, oder es fehlen die Ersatzteile des Schweizer Herstellers. Der Gipfel lässt sich allerdings auch zu Fuß erklimmen, zweieinhalb Stunden Fußmarsch sind hierfür allerdings vonnöten.
Auf dem Gipfel steht die ca. 16 Meter hohe Christusfigur, die an die ausgebreiteten Arme der weltberühmten Statue von Rio de Janeiro erinnert. Ein botanischer Garten (Jardin Botanico), der zum Naturschutzgebiet Reserva Cientifica Isabel de Torres gehört, kann ebenfalls besichtigt werden.

Der Parque Central (Zentralpark), der den kulturellen Mittelpunkt der Stadt bildet ist eine weiter Attraktion der Hafenmetropole. Architektonisches Schmuckstück des Parks ist der einstöckige und arkardengeschmückte Pavillion Glorieta Siciliana, der im Jahre 1872, also zur Blütezeit der Zuckerbarone errichtet wurde. Dieser Platz ist voller Leben, hier findet der Besucher viele fliegende Händler, Schuhputzer und auch Taxifahrer, die auf ein gutes Geschäft hoffen. An den Wochenenden finden hier auch oftmals Konzerte statt, die von der einheimischen Bevölkerung gerne besucht werden.

Südöstlich des Zentralparks befindet sich in der Calle Duarte das berühmte Bernsteinmuseum in einer herrlichen weiß-goldenen Villa. Dieses Haus stellt sowohl von außen, als auch von innen ein Schmuckstück dar. Im Museum sind besonders schöne Stücke des "gelben Goldes" ausgestellt. Vorzeigestück der Ausstellung ist ein Stück Bernstein, in dem eine kleine Eidechse eingeschlossen ist. Für dieses Exemplar sind meines Wissens schon über 20.000 USD von Liebhabern geboten worden. Aber auch sonst lassen sich wunderschöne Stücke des fossilen Harzes bewundern. Die Führungen in dem Privatmuseum erfolgen in spanischer und englischer Sprache. Im Erdgeschoss befindet sich ein Verkaufsladen, in dem man garantiert echten Bernstein- oder Larimarschmuck erwerben kann. Ferner gibt es hier Tips und Tricks, wie der Laie echten Bernstein vom falschen Harz oder Plastik unterscheiden kann (Faustregel: Bernstein schwimmt, Duplikate gehen unter!).

Ein weiteres Highlight von Puerto Plata ist die Festung San Felipe (Fortaleza San Felipe), direkt an der Uferpromenade Malecon gelegen und daher kaum zu verfehlen. Die Festung ist Donnerstags bis Dienstags in der üblichen Zeit von 09.00 bis 12.00 Uhr und 14.00 bis 16.30 Uhr geöffnet. Im Jahre 1973 wurde die Festung im großen Stil restauriert, sie bietet heute wieder einen recht anschaulichen Anblick, ein kurzer Aufenthalt genügt jedoch. Unter dem Diktator Trujillo diente diese Festung lange Zeit als Gefängnis für Regimegegner. Im Innern der Festung befindet sich ein kleines Museum, in dem Zeitzeichen der wechselvollen Geschichte besichtigt werden können.

Da dies die wichtigsten Sehenswürdigkeiten Puerto Platas sind, verlassen wir Puerto Plata jetzt und fahren in östlicher Richtung. Dort erreicht man die vielerwähnte, vielgeschmähte, aber auch vielbesuchte Touristenhochburg Sosua.

Eins vorausgeschickt, damit komme ich auf meine Anfanfangsbefürchtungen von einem "Arenal der Karibik" zurück, befürchtete ich zunächst das "Schlimmste", meine Befürchtungen sollten sich aber nicht (Gott sei Dank!) bewahrheiten. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg bestand Sosua lediglich aus einem kleinen Fischerdorf mit einer Handvoll Einwohnern, tropischer Vegetation und einigen Bananenplantagen. Dies versuchte der 1938 regierende Diktator Trujillo zu ändern, in dem er auf der Weltflüchtlingskonferenz im französischen Evian der Einwanderung von jüdischen Emigranten aus Deutschland zustimmte. Trujillo war damals übrigens der einzige Staatschef von 32, die auf dieser Konferenz anwesend waren. Dies geschah jedoch nicht aus lauter Menschenliebe, sondern Trujillo hatte ganz andere Ziele:

Zum einen erhoffte der an Rassenwahn leidende Diktator sich durch den Zuzug weißer, hellhäutiger Menschen, eine "Aufhellung" seiner eigenen dunkelhäutigen Bevölkerung, daher war sein humanitäres Einreise- und Asylangebot vorwiegend an unverheiratete junge Männer gerichtet. Der andere Grund war der, dass er sich durch die gebildeten Europäer den Aufbau einer florierenden Vieh- und Milchwirtschaft erhoffte.

Während der Aufbau der Landwirtschaft den Emigranten glückte, was heute noch an den zahlreichen Viehherden europäischer Herkunft zu erkennen ist, schlug der "Aufhellungsprozeß" der einheimischen Bevölkerung gründlich fehl. Von den erhofften 100.000 weißen Juden kam, gerade mal 1 knappes Prozent, um in der Dominikanischen Republik eine neue Heimat zu finden und eine neue Existenz zu gründen. Dies waren natürlich viel zu wenig, um Trujillos Ziel gelingen zu lassen, zumal ein Großteil der Einwanderer nach Kriegsende in die USA auswanderte. Heute leben nur noch rund 25 dieser Familien in und um Sosua, also praktisch ohne größere Bedeutung.

Heute erinnern in Sosua nur noch einige Straßennamen und die jüdische Synagoge, heute ein Museum in der Calle Alejo Martinez, an diese Zeit.

Die derzeit aufgebaute Landwirtschaft floriert allerdings, denn auch heute noch genießen die "Productos de Sosua", also Milch, Butter und Käse einen hervorragenden Ruf und verfügen über eine excellente Qualität.

Nach Abwanderung der ins Land geholten Juden verfiel die Stadt bis Anfang der 70er Jahre wieder in einen Dornröschenschlaf, bis mit der touristischen Erschließung der Nordküste ein wahrer Bauboom in und um Sosua einsetzte und sich der Ort zum Mittelpunkt des Tourismus an der Nordküste mit all seinen Vor- und aber auch Nachteilen entwickelte.

Die schlimmsten Zeiten des Massentourismus scheint Sosua aber überwunden zu haben, denn die Regierung hat durch verschiedene "Säuberungsaktionen" versucht, die jedem bekannten negativen Ausuferungen des Massentourismus in den Griff zu bekommen.

Durch die Einrichtung einer Touristenpolizei (Policia turistica) und die Gründung von Bürgerinitiativen, selbst die Strandhändler sind zwischenzeitlich organisiert, konnte das negative Image, das der Ort zwischenzeitlich bestimmt auch durch die Massen- und Billigangebote der deutschen Reiseveranstalter erhalten hatte, widerlegt werden. Hiervon konnte ich mich zu meiner Freude selbst überzeugen. Meine schlimmsten Befürchtungen wurden also nicht bestätigt und ich musste mich also eines Besseren belehren lassen.

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