Kay Fischer vs. Walt Disney: Berliner Schriftsteller bietet US-Medientycoon die Stirn

Feuilletonistischer Kommentar von Norbert Gisder

Es ist wie immer - der Kampf David gegen Goliath. Trotz ungleicher Gewichtung von Macht und Geld ist bislang völlig offen, wer sich durchsetzt: Kay Fischer aber ist entschlossen, auf keinen Fall aufzugeben. Tatsächlich empören sich mit ihm immer mehr Freunde des Autors „über die Asozialität des Mediengiganten Walt Disney“, der den jungen Schriftsteller aus Berlin einfach zu „bestehlen“ versucht. Zu „bestehlen“?

Kay in Dahlem. Der Berliner Literat geht gern stundenlang durch die Viertel der Stadt, in der er zu Hause ist. Fotos: rms

Worum geht es?

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Kay Fischer schreibt. Und malt. Er erfindet Menschen, Figuren, Szenen, er gibt seinen Handlungen Titel. Dass das besonders wichtig ist, weiß man bei Walt Disney, sowohl in den Filmstudios als auch in den Denkfabriken für Bücher und mehr. Schließlich ist der gesamte, weltumspannende Konzern durch den großen, alten Mann des Zeichentricks, Walter (Walt) Disney, erst zu einem Imperium gemacht worden. Ja, Walt hat im Grunde genau dasselbe wie Kay gemacht. Hätten sich die zwei gekannt, wären sie Freunde gewesen.

Dass Walt Disneys Imperium heute wie eine Krake nach allem greift, was Profit verspricht, weil es kreativ ist und die Menschen überrascht, hat „Walt“ sicher nicht gewollt. Es sind die Nachfahren, die das tun. Walt selbst war kreativ - ein guter Mensch. Natürlich kannte er auch die Unmenschlichkeit, die Bosheit, die Gemeinheit. Seinen Figuren kann man es anmerken. Sie haben alle menschlichen Facetten, alles Menschliche an Ihnen wurde von Walt skizziert, überzeichnet, persifliert und karrikiert. Das Böse als Antipode des Guten, der Sieg des Guten über das Böse, alles dazwischen in allen Grautönen, natürlich.

So entstand das Imperium. Ein in Trick gegossener, amerikanischer Traum. Dass heute die nach dem längst gestorbenen Firmengründer benannte Firma, dieses Reich der Macht, jeden Gegner gnadenlos zu pulverisieren versucht, der auch nur mit einem Augenzwinkern Stars aus der Trickkiste des Konzerns plagiiert, wird jedem offensichtlich, der einmal ohne Genehmigung eine Ente mit dem Aussehen von Dagobert Duck auf einen Flugzettel drucken lässt - und sei es auch nur, um im genau duck'schen Sinn die Bosheit des Geizes zu persiflieren. So viel Verfolgung, wie ein solcher, zweifellos kreativer Akt auslösen würde, wollte Walt gewiss nicht. Doch die Nachfahren des vielleicht einzigen wirklichen Kreativen, den Walt Disney als Konzern jemals hatte, tun es einfach. Sie tun es einfach.

Walt wollte ganz sicher eben so wenig, dass die „kreativen Plagiatoren“ aus dem eigenen Konzern andere Kreative bestehlen. Jemanden wie Kay Fischer etwa, den Berliner Schriftsteller, der Walt Disney sicher näher steht als viele der von dem gleichnamigen Konzern bezahlten Devoten. Trotzdem scheint es immer mehr Menschen heute so, dass dies gerade im Fall des Berliner Schriftstellers Kay Fischer mit vielen Tricks, juristischer Hilfe - und mit System - versucht wird.

Walt, der große alte Mann des Tricks, des Dagobert Duck und seiner Nachfahren, ist tot; da machen die, die das Erbe verwalten, scheinbar, was ihnen die Profiteure als profitabel empfehlen. Dabei halten die Nachfolger offensichtlich nicht viel von der Menschlichkeit, mit der Walt die Kreativität lenkte. Gerade einen David wie Kay Fischer machen sie, so kann das bei der Lektüre der Dokumente wirken, mit der offensichtlichen Kaltblütigkeit fertig, mit der sonst nur Walts übelste Bösewichte die Welt terrorisieren.

Das Gesamtwerk von Kay Fischer

Alle Details und Leseproben zu diesen Werken von Kay Fischer Öffnet externen Link in neuem Fensterhier

Noch einmal die Frage, worum es geht?

Nun, „Zootopolis“ heißt eines der Bücher von Kay Fischer. Der Titel, ein von Kay Fischer erdachtes, erschaffenes und bewusst an Metropolis angelehntes Kunstwort, wird durch Gebrauch des Erfinders besonders geschützt. Dieser Titel ist so wirkstark wie interessant. Er garantiert einen großen Verkaufserfolg. Weltweit. Irgendwann. Eine Übersetzung des Buches ist deshalb in Vorbereitung. Die Präsentation für eine Filmproduktionsfirma und den Verkauf der Filmrechte ebenfalls.

Doch genau die sind es nun, die sich der Goliath, der Walt-Disney-Konzern, in einem ersten Schritt für einen gleichnamigen Film angeeignet hat, sagt Fischer. In einem zweiten Schritt soll sogar ein Buch mit diesem Titel herausgegeben werden. Rechtswidrig. Ja, mehr noch, der Film hat sogar fast gleiche Inhalte, wie der Autor von Zootopolis in einem Tagebucheintrag facettenreich darlegen kann.

Honi soit qui mal y pense? Schon möglich. Plagiatoren in aller Welt leben nach diesem Motto: Lieber ein gutes Plagiat, als eine schlechte, eigene Idee.

Die Ideen von Kay Fischer waren vom Erscheinungstag von Zootopolis im Jahr 2010 an gut. So gut, dass es weit mehr als wahrscheinlich scheinen darf, dass versierte Themen-Scouts großer Konzerne auf die Visionen des Berliner Ausnahmeautoren aufmerksam geworden sind.

Dass Walt Disney dem „t“ mittlerweile ein „r“ folgen lässt, kann den Eindruck eines Rechtsbruchs m.E. nicht mildern. Zu offensichtlich die Analogie.

Kluge Augen. Ein Blick, dem nichts entgeht.

Um Fischer nun aber trotzdem zu widerlegen, bringt der Walt Disney-Konzern seine Lobbyisten ins Spiel: Juristen. Mit Geld hoch bezahlte Erfolge locken diese Spezies immer. Haie der Kreativitäts-Industrie sind deshalb sozusagen von Berufs wegen darauf spezialisiert, mit Juristen zu dealen.

Schergen eines Konzerns, der weltweit Erfolg mit erfundenen Bösewichten feiert, die den Guten wegnehmen wollen, was diese sich hart erarbeitet haben, scheinen so selbst zum Bösen mutiert … jedenfalls kann der Fall "Zootopolis" / "Zootropolis" so wirken - im Grunde wie eine Realsatire, wie ein Stück aus den Trickstudios von Walt Disney selbst, wie die Lüge des Bösen auf jene, die sich mit den geplanten Nachfolgeprojekten zum Film befassen, mit deren Geschichten, die zu Marketingzwecken bereits propagiert werden, obwohl der Film erst 2016 in die Kinos kommen soll. Fest scheint zu stehen, dass Disneys Produktion so heißt, wie das Erfolgsbuch von Kay Fischer, weil das der einfach und schlicht geniale Titel ist, der die fast identische Rahmenhandlung von Fischer wie von der Disney-Produktion aufleben lässt.

Die Ungerechtigkeit scheint dem Konflikt ebenso immanent. Denn geschont werden sollen die Geldsäcke aus Dagoberts Traumland – vor allem gegen jeden Rechtsanspruch des Berliner Literaten. Den schmerzt der Diebstahl seines geistigen Eigentums umso mehr, als ihm in einer Korrespondenz, die über Jahre währt und mal subversiv, mal autistisch ausgeprägt scheint, eine Dotation angeboten wurde, die wie ein Hohn klingt. Ja, wie ein Hohn, angesichts von Milliardenerträgen des globalen Trick-Imperiums.

Kay Fischer hat bisher in gutem Glauben, dass so viel Bosheit nicht wirklich sein kann, mit den Münchener Rechtsanwälten von Walt Disney verhandelt. Jetzt aber will er andere Seiten aufziehen. Er ist kreativ; jetzt auch noch enttäuscht – und er hat sich entschlossen, sich von den Bösen in diesem Spiel nicht an die Wand drücken zu lassen.

So viel Entschlusskraft verheißt einen spannenden Kampf.

Walt hätte zweifellos gewollt, dass das Gute siegt. Das macht Kay Fischer zuversichtlich. GT wird das Spiel der ungleichen Gladiatoren, der Anwälte des Goliath aus den USA mit dem allein auf weiter Flur stehenden David aus Berlin, genau beobachten - und natürlich ausführlich berichten.

(Also hoffen wir schon bald auf eine präzise – und vor allem richtige - Stellungnahme des Trick-Konzerns, dessen Rechtsanwälten wir eine solche angeboten haben.)

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