CIA-Handbuch

CIA-Handbuch: So schwächen die USA missliebige Regierungen

Tyler Durden

Woran denken Sie, wenn Sie an Sabotageakte der CIA denken? Staatsstreiche? Auftragsmorde? Stellvertreterkriege? Bewaffnete Rebellen und Anschläge unter falscher Flagge? Das dürften wohl die häufigsten Antworten sein. Strategische Dummheit und vorsätzliche bürokratische Unfähigkeit dagegen dürfte wohl kaum jemand auf der Liste haben.

Doch wie aus einem freigegebenen Dokument von 1944 hervorgeht, hat das Office of Strategic Services, die Vorgängerorganisation der CIA, in von der Wehrmacht besetzten Nationen wie Norwegen und Frankreich eine Art »Zivilsaboteure« ausgebildet.

Das Handbuch trägt den Titel Simple Sabotage Field Manual [etwa: Einfacher Sabotage-Leitfaden für die Verwendung im Feld] und zeigt, wie Agenten feindliche Verwalter und Ordnungshüter stören und demoralisieren können.

Im ersten Abschnitt geht es um »Organisationen und Konferenzen« und wie man auf ihnen ein »heilloses Durcheinander anrichtet«:

  • Bestehen Sie darauf, dass alles über die ordnungsgemäßen »Kanäle« abgewickelt wird. Lassen Sie nicht zu, dass irgendwo etwas auf kurzem Dienstweg geregelt wird und womöglich die Entscheidungsprozesse beschleunigen könnte.
  • Halten Sie »Ansprachen«. Reden Sie so oft wie möglich und seien Sie dabei sehr ausführlich. Untermalen Sie Ihre »Punkte« mit langen Anekdoten und ausschweifenden persönlichen Berichten.
  • Verweisen Sie so weit wie möglich sämtliche Themen in Ausschüsse »zur weiteren Erörterung und Abwägung«. Versuchen Sie, diese Ausschüsse so groß wie möglich zu gestalten, es sollten niemals weniger als fünf Personen sein.
  • Werfen Sie so häufig wie möglich bedeutungslose Themen auf.
  • Streiten Sie um den exakten Wortlaut von Verlautbarungen, Protokollen und Beschlüssen.
  • Lassen Sie sich über die Beschlüsse der vorigen Sitzung aus und versuchen Sie, eine erneute Debatte zu der Frage anzuzetteln, ob der Beschluss wirklich richtig war.
  • Raten Sie zur »Vorsicht«. Appellieren Sie an die »Vernunft« und drängen Sie die anderen Konferenzteilnehmer, »vernünftig zu sein« und keine übereilten Beschlüsse zu fällen. Dies könne später zu peinlichen Situationen oder zu Schwierigkeiten führen.

Auf ihrer offiziellen Webseite prahlt die CIA damit, in Sachen Sabotage innovative Ansätze entwickelt zu haben. Diese Destabilisierungstaktiken seien »erstaunlich relevant«, so der Geheimdienst.

Einige der Ideen mögen heute ein wenig antiquiert erscheinen, aber: »Zusammen sind sie eine Erinnerung daran, wie leicht sich Produktivität und Ordnung untergraben lassen.«

In einer zweiten Sektion geht es um Saboteure auf Managementebene. Hier hält der Leitfaden die folgenden Empfehlungen bereit:

  • Wenn es darum geht, Aufträge zu vergeben, verteilen Sie zunächst die belanglosen und unwichtigen Aufgaben. Sorgen Sie dafür, dass die wichtigen Aufgaben ineffizienten Mitarbeitern übertragen werden.
  • Bestehen Sie auch bei vergleichsweise bedeutungslosen Produkten auf absoluter Perfektion. Schicken Sie alles zum Überarbeiten zurück, was auch nur den kleinsten Mangel aufweist.
  • Um die Moral zu senken und damit auch die Produktivität, seien Sie nett zu ineffizienten Mitarbeitern. Befördern Sie Personen, die es nicht verdient haben.
  • Wenn wichtige Arbeiten anstehen, setzen Sie trotzdem Besprechungen an.
  • Vervielfachen Sie die Abläufe und die erforderlichen Genehmigungen für die Vergabe von Anweisungen, das Auszahlen von Löhnen und so weiter. Wo eine einzige Zustimmung ausreichen würde, sorgen Sie dafür, dass mindestens drei Personen etwas abnicken müssen.

Und schließlich enthält der Leitfaden auch noch Empfehlungen, wie Saboteure als Angestellte die feindlichen Operationen stören können:

  • Arbeiten Sie langsam.
  • Lassen Sie sich so viel Sie nur können, bei der Arbeit stören.
  • Arbeiten Sie schlecht und geben Sie schlechtem Werkzeug, schlechten Maschinen oder Geräten die Schuld daran. Behaupten Sie, dass diese Zustände Sie daran hindern würden, gute Arbeit zu liefern.
  • Geben Sie Ihre Fähigkeiten und Erfahrungen niemals an neue und/oder weniger erfahrene Kollegen weiter.

Die CIA ist sehr stolz auf ihren kafkaesken Leitfaden. Offensichtlich hält sie ihn bis heute für einen unorthodoxen, aber wirksamen Weg, feindliche Operationen in aller Welt zu destabilisieren.

Natürlich gilt das aber auch umgekehrt. Anarchisten oder Revolutionäre können sich diese Taktik ebenfalls zu eigen machen, um bestimmte inländische Machtstrukturen zu stören, denn viele von ihnen sind nichts weiter als bürokratische Kartenhäuser.

Wenn ein Land nicht die Aufmerksamkeit darauf lenken sollte, wie leicht ineffiziente Bundesbehörden aus der Bahn zu werfen sind, dann doch wohl die Vereinigten Staaten, sollte man meinen.

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