Die Machiavellis der Wissenschaft

Ein ganz realer Thriller: Wie skrupellose Lobbyisten seriöse Forscher diffamierten und gezielt Falschinformationen in lancierten Medienkampagnen global verbreiteten / „Die Machiavellis der Wissenschaft“ neu bei WILEY-VCH

Dokumentarfilm – basierend auf dem Original – „Merchants of Doubt“ läuft auf dem New York Film Festival und beim International Film Festival Toronto 2014 – Regisseur ist Robert Kenner (Food Inc.)


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der Plot ist hollywoodreif, die Geschichte so skandalträchtig wie bestürzend: Eine Handvoll Forscher leugnet, manipuliert und diskreditiert anerkannte wissenschaftliche Tatsachen wie den Klimawandel oder den Zusammenhang zwischen dem Rauchen und gesundheitlichen Risiken. Doch „Die Machiavellis der Wissenschaft“ (im Original „Merchants of Doubt“) ist kein fiktiver Roman, sondern berichtet von der Realität. In den USA sorgte das Buch von Naomi Oreskes und Erik M. Conway für Furore und wurde zum Bestseller. Kein Wunder, die Geschichte, die sie erzählen, ist schließlich unglaublich – es ist die Geschichte über den Kampf gegen Fakten und über den Handel mit dem Zweifel, über die Manipulation der Medien und die Diffamierung Einzelner. Und sie geht uns alle an. Schließlich lehnten die USA als einzige Industrienation die Ratifizierung des Kyoto-Protokolls ab und verhinderten so wichtige Schritte des Klimaschutzes. Das Buch erscheint nun in deutscher Übersetzung bei WILEY-VCH.

Im September und Oktober läuft nun auch der Dokumentarfilm zum Buch, „Merchants of Doubt“, auf dem Toronto International Film Festival (9. und 10. September) und auf dem New York Film Festival (8. und 9. Oktober). Regisseur ist Robert Kenner, er erhielt 2008 eine Oscar-Nominierung für seinen Dokumentarfilm „Food Inc.“

Eine Schlammschlacht: Lancierte Medienkampagnen und haltlose Vorwürfe

Diese Forscher – allen voran Fred Singer und Fred Seitz – lancierten Kampagnen in den Medien und verbreiteten gezielt Fehlinformationen im wissenschaftlichen Umfeld. Sie schreckten auch nicht vor persönlichen Angriffen auf seriöse Kollegen zurück. So nahmen sie z. B. Ben Santer ins Visier, einen weltweit geachteten Wissenschaftler, der zur Klimaerwärmung forscht. Plötzlich beschuldigte ihn eine Gruppe von Physikern aus Washington, seine Forschungsergebnisse für den Weltklimarat-Bericht manipuliert zu haben. Er weist darin nach, dass die Klimaerwärmung tatsächlich durch die Treibhausgase verursacht wird. Ben Santer wurde verunglimpft, seine Ergebnisse wurden in Zweifel gezogen; eine Schlammschlacht und eine sehr bittere Erfahrung für den Wissenschaftler, die bis ins Privatleben hineinreichte. „Noch heute wird dieser sonst ruhige Mann bleich vor Wut, wenn er an die damaligen Ereignisse denkt.“, so Oreskes und Conway.

Die „Tabakstrategie“: Zweifel säen, die Kontroverse am Leben halten

Die Gegner von Ben Santer wendeten die sogenannte „Tabakstrategie“ an. Das wurde Santer klar, als er zufällig auf einen Artikel stieß, der beschrieb, „wie Wissenschaftler an einem von der Tabakindustrie organisierten Programm teilgenommen haben. Sie sollten dabei wissenschaftliche Tatsachen diskreditieren, die einen Zusammenhang zwischen Tabakkonsum und Krebs aufzeigen.“ Die Taktik, eine Kontroverse am Leben zu erhalten, Zweifel zu säen, war genau jene, die auch bei ihm „angewendet“ worden war.
Ein Lehrstück über die Macht der Industrielobby und ihre Handlanger aus Politik und Wissenschaft und ein Beweis dafür, wie erschreckend einfach es möglich ist, mit unlauteren Absichten selbst seriöse Medien zu beeinflussen und mit nachweislich falschen Informationen zu „füttern“.