Manifest: Windkraft – Binnenland


Für den technischen Laien ist es schon faszinierend, den Wind zur Stromerzeugung zu nutzen. Denn der Wind steht kostenlos zur Verfügung und daher müsste doch die Erzeugung von Strom mit Hilfe von Wind-Industrieanlagen ein lukratives Geschäft sein. Es müssen doch keine Energieträger wie Kohle, Öl, Gas oder Uran gefördert oder eingeführt werden. Außerdem erzeugen diese Anlagen keine Abgase und emittieren somit auch kein CO2, und es gibt auch keine Rückstände wie Asche oder Kernbrennstäbe.

Wie sieht aber die Realität aus ?

Die Windkraft steht im Widerspruch zum Grundgesetz der Elektrotechnik, nach dem der Verbraucher bestimmt, wann und wie viel Strom erzeugt werden soll und nicht der Erzeuger. Bei der Unstetigkeit des Windes und den Auflagen des „Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) ist jedoch das Letztere der Fall. Und ein großes Problem der unsteten Windeinspeisung ist die Sicherstellung des ständigen Gleichgewichts zwischen Stromerzeugung- und Verbrauch, da es sonst zu einem Blackout kommen kann.

Wie sieht es ferner mit der Wirtschaftlichkeit der Anlagen aus ? Der entscheidende Faktor für die Wirtschaftlichkeit eines Betriebes ist doch die Betriebszeit in Stunden pro Jahr. Und da sieht es bei diesen Anlagen aufgrund der gegebenen meteorologischen Fakten sehr schlecht aus. Von den 8.760 Stunden, die das Jahr hat, laufen diese Anlagen im Binnenland rund 1.500 Stunden oder 17% der Zeit des Jahres, an der Küste etwa 3.000 Stunden gleich 34% der Zeit des Jahres und auch in der Nordsee, sie sogenannten Offshore-Anlagen, kommen nicht über 4.000 Betriebsstunden im Jahr oder 45% der Zeit des Jahres.

Zum Vergleich: Kohlekraftwerke haben eine Jahresbetriebszeit von rund 7.000 Stunden gleich 80% der Zeit des Jahres und Kernkraftwerke sind sogar zu über 90% der Zeit des Jahres in Betrieb. Schon an diesen Beispielen kann man erkennen, dass Windanlagen niemals den konventionellen Kraftwerken gegenüber konkurrenzfähig werden können. Die Windradbetreiber können nur schwarze Zahlen schreiben, wenn sie für die kWh ein Mehrfaches von dem bekommen, was die Betreiber konventioneller Kraftwerke bekommen. Natürlich müssen wir, die Endverbraucher diese Mehrkosten tragen.

Und wie sieht das in konkreten Zahlen ausgedrückt aus ? Nach dem Jahresbericht des Verbandes der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) hat die Windindustrie z.B. im Jahr 2004 rund 25 Mrd. Kilowattstunden (Mrd.kWh) erzeugt. Nach § 10 des unsozialen EEG erhalten die Windkraftbetreiber etwa 6 Cent pro kWh (ct.kWh) mehr an Vergütung als die Betreiber konventioneller Kraftwerke. Das ergibt die Summe von 1,5 Mrd. Euro. Hinzu kommt die Belastung der konventionellen Kraftwerke, insbesondere durch Regelenergiekosten für die Windeinspeisung, durch Netzausbau und Erzeugungsverlagerung, die etwa 2,4 ct/kWh ausmacht. Das sind weitere 0,6 Mrd. Euro. Insgesamt betrugen die Mehrkosten für die Erzeugung von Strom aus Windkraft im Jahr 2004 also 2,1 Mrd. Euro. Diese Mehrkosten muss natürlich der Endverbraucher, also die deutsche Bevölkerung bezahlen. Aber je mehr Strom die Windkraftindustrie produzieren wird, desto höher werden auch die Mehrkosten. Und was ist bezüglich der viel gepriesenen Einsparung der CO2-Emission zu sagen ?

Als Beispiel sei das Jahr 2002 gewählt. Damals behauptete die Windkraftindustrie, dass durch den Betrieb der Anlagen 10 Millionen Tonnen CO2 weniger emittiert würden. Die Rechnung ist vermutlich so gemacht worden: Die deutschen Kraft- und Fernheizwerke stoßen jährlich etwa 300 Millionen Tonnen CO2 aus. Die Windanlagen hatten an der Stromerzeugung im Jahr 2002 einen Anteil von ca. 3%. Und 3% von 300 Millionen sind rund 10 Millionen Tonnen.

Wie sieht aber die Realität aus ?

  1. Bei Lastfolgebetrieb der Kohlenkraftwerke, bedingt durch die schwankende Stromlieferung der Windanlagen, sinkt der Wirkungsgrad der Kohlekraftwerke und dadurch wird pro kWh mehr Kohle verbrannt als bei Normalbetrieb und dadurch auch mehr CO2 ausgestoßen.
  2. Wenn Kohlekraftwerke nach dem unsozialen EEG ihre Stromerzeugung drosseln müssen, sinkt auch die Temperatur der Heizkessel. Dadurch erfolgt die Verbrennung der Kohle weniger intensiv und es wird mehr CO2 emittiert. Die Kernkraftwerke fallen bei dieser Betrachtung raus, weil sie kein CO2 produzieren.
  3. Durch die Verdrängung von Grundlast aus den CO2-freien Kernkraftwerken durch die Windanlagen wird der CO2-Ausstoß über den zusätzlichen Einsatz von fossilen Regelkraftwerken (Gasturbinen) weiter erhöht. Regelkraftwerke sind deshalb erforderlich, weil die konventionellen Kraftwerke nicht schnell genug hochfahren können, wenn der Wind aufhört zu blasen.
  4. Wenn Kohlekraftwerke, aufgrund der Windvorhersagen, nur für kurze Zeit ihre Stromlieferung drosseln müssen, aufgrund entsprechender Windvorhersagen, wird die Kesselbefeuerung nicht runtergefahren, sondern nur der überschüssige Dampf in die Atmosphäre geblasen, ohne das damit Strom erzeugt wird. Damit wird Kohle nutzlos verbrannt und wiederum auch CO2 erzeugt, was ohne Windanlagen nicht geschehen würde.

Die Windlobby behauptet nun folgendes:

  1. Schwankungen gibt es auch beim Verbrauch, also muss gesteuert werden
  2. Die Windprognosen werden immer besser

Beides ist richtig, allerdings muss man schon genau hinschauen:

Zu 1: Die Verbrauchsschwankungen sind vom Verbrauch der Menschen abhängig und damit sehr gut vorauszusagen, da man ja die Arbeitszeiten und die Gewohnheiten der Menschen kennt.

Zu 2: Wind ist ein Wetterelement und über die Genauigkeit der Wettervorhersagen möge sich jeder sein eigenes Bild machen.

Insgesamt gesehen gibt es also wohl überhaupt keine geringere CO2-Emission durch Windanlagen, eher eine noch größere. Nicht übersehen werden darf auch die CO2-Emission bei der Herstellung der Windkraftanlagen und bei deren Errichtung im Gelände: Da laufen tagelang Bagger, schwere Tieflader, Kräne und andere mit Verbrennungsmotoren getriebene Maschinen, die alle CO2 ausstoßen. Irgendwann beim Abriss und der Entsorgung der Wind-Industrieanlagen werden diese Maschinen wieder eingesetzt werden müssen

Die Windkraftindustrie geht aber auch, unterstützt durch die Regierung, skrupellos gegen Menschen und Tiere vor und zerstört unsere über Jahrhunderte gewachsene Kulturlandschaft.

Nachbarn von Wind-Industrieanlagen werden durch den so genannten „Diskoeffekt“, den die Rotoren bei entsprechender Sonneneinstrahlung erzeugen, selbst in ihren Wohnungen buchstäblich verrückt gemacht. Hinzu kommt eine nicht unerhebliche Geräuschbelästigung. Betroffene berichten von psychosomatischen Störungen, Schlaf- und Herzrythmusproblemen sowie von Kopfschmerzen. Welche gesundheitlichen Auswirkungen der von den Rotoren ausgehende Infraschall hat, ist noch nicht – von den zuständigen Ministerien – erforscht worden und es gibt auch keine Initiativen zur Erforschung dieses Problems.

Ein Ehepaar hatte sich in Oederquart – nordwestlich von Hamburg – ein Fachwerkhaus als Ruhesitz gekauft. Inzwischen ist das Haus von 37 Wind-Industrieanlagen umgeben. Lärm und der Diskoeffekt haben jedoch das Leben in dem Haus so stark beeinträchtigt, dass der Mann seiner künstlerischen Arbeit nicht mehr nachgehen konnte und dann aus Kummer über die Aussichtslosigkeit im Kampf gegen diese Anlagen am 25.11.2004 infolge eines Herzinfarkts verstorben ist. Oder, wie der Todesanzeige der Familie Nicolaus aus Oldenburg zu entnehmen ist: Anita Nicolaus, geb. 08.02.1981 – gest. 04.09.2001: „…Anita wohnte mit uns in Jheringsfehn/Augustfehn, ihr Leben wurde seit 1982/83 von den negativen Auswirkungen eines Windrades überschattet“.

Wie sich Lärm und Schattenwurf auf die Tiere auf der Erde auswirken ist noch nicht bekannt. Dagegen hat man über die Auswirkungen auf Vögel schon eine Menge Daten gesammelt. Das Landesumweltamt Brandenburg hat diese Industrieanlagen als Vogelfallen ermittelt. In Vogelschutzgebieten sind bislang 42 Rotmilane getötet worden. Auf ihren Kontrollgängen fanden Umweltschützer ferner folgende tote Vögel: 24 Mäusebussarde, 13 Seeadler, 11 Silbermöwen, 10 Turmfalken, 7 Weißstörche sowie 180 Fledermäuse, die diesen Anlagen zum Opfer gefallen sind. Der Präsident des Landesumweltamtes sagte dazu in einem Interview mit dem Oranienburger Generalanzeiger am 26.10.2004: „Das Vögel von Wind-Industrieanlagen getötet werden, darf nicht weiter ignoriert werden.

Zum Ausgleich für die Nutzung von großen Flächen als Siedlungen und Industrieanlagen müssen land- und forstwirtschaftlich geprägte Kulturlandschaften mit einem möglichst hohen Anteil an naturnahen Flächen erhalten bleiben. Bislang war das weitgehend der Fall. Baugesetzgebung, Flächennutzungs- und Landschaftspläne haben diese Leitlinien mit Augenmaß zugunsten der Allgemeinheit gesichert. Der Bau von Wind-Industrieanlagen hat die Verhältnisse grundsätzlich verändert. Die baurechtliche Bevorzugung und Sonderstellung dieser Anlagen hat zur Folge, dass große Bereiche unserer ländlichen Kulturlandschaft zu Industriegebieten werden. Die optische Wirkung dieser Anlagen ist entsprechend. Durch ihre Größe und vor allem durch die Bewegung ihrer Rotorblätter werden sie zu landschaftsbeherrschenden Elementen, die Blicke auf sich ziehen. Um den Reiz der historischen Kulturlandschaft ist es damit geschehen. Sie ist zerstört. Den Menschen, die in ihr wohnen, ist ein Stück Heimat genommen. Die Menschen, die in ihr Erholung suchen, werden sich anderen Zielen zuwenden. Aus diesem Grund haben sich bereits 1998, als die Zahl dieser Anlagen bei 5.000 lag, heute sind es bereits über 15.000, mehr als 100 namhafte Professoren der geistes- und naturwissenschaftlichen Fakultäten im sogenannten Darmstädter Manifest zur Windenergienutzung in Deutschland weitsichtig gegen die landschaftszerstörende Wirkung durch Wind-Industrieanlagen gewandt. Die Unterzeichner des Manifests warnten dringend „vor einer unkritischen Technikförderung, in deren langfristiger Folge die Beziehung des Menschen zur Natur tiefgreifend Schaden nehmen kann“. Und riefen dazu auf, „den gleichermaßen ökologisch wie ökonomisch sinnlosen Ausbau der Windkrafttechnologie zu beenden“.

Als Beispiele für stark geschädigte Landschaften durch Wind-Industrieanlagen seien hier nur das Münsterland, Ost-Westfalen-Lippe und die Eifel genannt. Der Eifelverein, älteste Naturschutzorganisation im Länderübergreifenden Eifelraum hat sich bereits im Frühjahr 2001 folgendermaßen geäußert: „Angesichts schwerster Schäden, die unsere gewachsene, kulturelle Idendität stiftenden Landschaften durch die Windindustrie zugefügt werden, sprechen wir uns gegen jeden weiteren Ausbau dieser Anlagen aus“.

Bisher ist jedoch bei der Bundesregierung keine Einsicht zu erkennen, diesem Irrsinn ein Ende zu bereiten.