Manifest: Windkraft – Offshore


Nach dem Erfahrungsbericht der Bundesregierung vom 28.06.2002 (und folgende), der nach § 12 des unsozialen EEG alle 2 Jahre dem Bundestag vorzulegen ist, misst sie dem Ausbau von Windkraftanlagen im Offshore-Bereich wesentliche Bedeutung zu. Danach könnten mittelfristig bis 2010 etwa 2.000 bis 3.000 Megawatt (MW) Leistung zur Windenergienutzung auf See erreicht werden. Langfristig sind nach diesem Bericht der Bundesregierung bis zum Jahr 2025 bzw. 2030 ca. 20.000 bis 25.000 MW installierter Leistung möglich, was die Leistung von etwa 30 großen Kohlekraftwerken oder 20 großen Kernkraftwerken entspricht. Das heißt, dass bei einer Leistung von rund 5 MW pro Anlage, nach dem Willen der Regierung, im Jahr 2030 etwa 5.000 Wind-Industrieanlagen in der Nord- bzw. Ostsee installiert sein werden.

Nach den aufgrund strömungstechnischer Anforderungen erforderlichen Abständen der Anlagen zueinander, wäre für jede Anlage mit einem Rotordurchmesser von 112 m eine Fläche von ca. 30 Hektar (ha) erforderlich und für 5.000 Stück würde das eine Fläche von 1.500 Quadratkilometer (km2) bedeuten. Das ist ein Viereck von 250 km Länge und 6 km Breite. Für den Fall, dass die meisten Industrieanlagen in der Nordsee gebaut würden, wäre die ganze deutsche Nordseeküste auf einer Breite von 6 km mit diesen Anlagen zugebaut.

Der Bau der Offshore-Anlagen würde zur Verdrängung von konventioneller Stromerzeugung und zu veränderten technischen Randbedingungen im Netz- wie auch im Erzeugungssektor führen. So würde z.B. die derzeitige Aufnahmekapazität der 380/220/110-kV-Netze ( 1 kV = 1.000 Volt) bei weitem überschritten und somit Netzverstärkungen notwendig werden. Das Heißt, es würden sich erhebliche Engpässe in den Hoch- und Höchstspannungsnetzen ergeben, die zu Trassen-Neuerschließungen bis zu 1.000 km führen würden. Außerdem wären zusätzliche so genannten Blindleistungsquellen zum Aufbau elektromagnetischer Felder in den zusätzlichen Netzen erforderlich, da sonst kein Strom fließen kann. Da diese Industrieanlagen diese Blindleistung selbst aber nicht liefern können, bedeutet das, dass die Leistung von 6 großen Kohlekraftwerken oder 3 großen Kernkraftwerken allein für die zusätzlichen Netze erforderlich wären. Dieser Aufwand wäre deshalb erforderlich, weil die Konzentration der Offshore-Industrieanlagen größer sein würde als bei den bisherigen konventionellen Kraftwerken. Außerdem kommt hinzu, dass dort, wo diese Anlagen stehen würden, keine Verbraucher vorhanden sind, der Strom also über weite Strecken zu den Ballungsgebieten in Deutschland transportiert werden müsste. Dass die Windenergie im Widerspruch zum Grundgesetz der Elektrotechnik steht, nach dem der Verbraucher bestimmt, was erzeugt werden soll und nicht der Erzeuger, was verbraucht werden soll, ist schon bei den Industrieanlagen die im Binnenland stehen festgestellt worden. Und daher die größere notwendige Sicherstellung des ständigen Gleichgewichts zwischen Stromerzeugung und Stromverbrauch, da es sonst zu einem so genannten Blackout kommt. Zu dieser Sicherstellung wären aber Regelkraftwerke von mehr als 13.000 MW Leistung erforderlich. Und trotzdem könnte es zu einem Blackout kommen, der sich nicht nur über ganz Deutschland, sondern vielleicht sogar über ganz Europa erstrecken könnte. Die Probleme des Transports dieser riesigen Strommengen, die von den Offshore-Anlagen erzeugt würden, lassen sich durch einen einprägsamen Vergleich darstellen: Wenn es bei dem deutschen Autobahnnetz Auffahrten nur in Schleswig-Holstein gäbe, müssten alle deutschen Autofahrer, die in den Süden wollen, dort auffahren. Den Stau kann man sich wohl kaum vorstellen.

Das Wichtigste bei diesen geplanten Projekt sind jedoch die Kosten. Schon lange haben Professoren des Elektrofachs an Universitäten festgestellt, dass der Strom von Offshore-Anlagen doppelt so teuer sein würde wie der von Anlagen im Binnenland. Die Windindustrie fordert daher in jüngster Zeit eine gesetzliche Regelung, nach der für die Kilowattstunde Strom von Offshore-Anlagen eine Vergütung von etwa 13 Cent gezahlt werden sollte. Die Mehrkosten, die auf den deutschen Stromverbraucher dann zukommen würden, wären wohl in der Größenordnung von 10 Milliarden Euro pro Jahr anzusetzen. Die Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt wären wohl schlicht katastrophal zu nennen, da die Flucht der deutschen Industrie wegen der hohen Strompreise enorm zunehmen würde.

Das groteske an dieser Planung ist jedoch, dass trotz dieses riesigen Aufwands kein konventionelles Kraftwerk abgeschaltet werden könnte. Denn auch die Wind-Industrieanlagen auf See würden von den 8.760 Stunden, die das Jahr hat, nur ca. 4.000 Stunden laufen. In den restlichen 4.760 Stunden müssten konventionelle Kraftwerke die Stromversorgung sicherstellen.