"Integration" funktioniert nur "lyrisch"

(Wenn Ihr wisst, was ich meine.)

When I have seen by Time's fell hand defac'd 

The rich-proud cost of outworn buried age;
When sometime lofty towers I see down-razed
And brass eternal, slave to mortal rage;
When I have seen the hungry ocean gain
Advantage on the kingdom of the shore,
And the firm soil win of the wat'ry main,
Increasing store with loss, and loss with store;
When I have seen such interchange of state,
Or state itself confounded to decay;
Ruin hath taught me thus to ruminate --
That Time will come and take my love away.
This thought is as a death, which cannot choose
But weep to have that which it fears to lose.

Wenn ich gesehen, wie Zeiten Hand entstellt
Erschöpfter Ären reiches, stolzes Gut,
Wenn ich sehe stolze Türme einst gefällt,
Ewig Sklave, Menschen Pracht, des Todes Wut;
Wenn ich gesehen, wie Meer, das niemals satt,
Sich einverleibt das Küstenreich robust,
Und sich Land aus Wasser rückerobert hat,
Steigernd Verlust mit Fülle, Fülle mit Verlust;
Wenn ich gesehen, wie sie wechseln Reiche,
Wie selbst ein Reich den Untergang betritt;
Ruin mich lehrte, uns geschieht das gleiche,
Die Zeit wird kommen, nimmt meine Liebe mit.
Dies Denken ist wie Tod, nichts bleibt, als klagen,
Was uns gehört, birgt Angst, ihm zu entsagen.

Zum Vergleich George, der den literarischen Hochseilakt vollbrachte, die – nach meinem Dafürhalten – schönsten Nachdichtungen zu liefern und zugleich die unübertroffene wörtliche Engführung am Original entlang zu meistern:

Sah ich durch grimme Hand der Zeit zerrauft
Reich-stolzen Prunk vernuzt begrabner Welten
Und sah ich hohe Türme die zerschellten
Und ewiges Erz der Todes-Wut verkauft.

Sah ich das Meer mit seinem gierigen Mund
Ein Stück vom Königreich des Ufers fassen
Und festen Grund entwandt den Flutenmassen . . .
Schwund wird durch Anwachs, Anwachs wird durch Schwund . . .


Sah ich den Wechselgang der Dinge dort
Und diese Dinge selbst verdammt zum Übeln,
Dann lehrten mich die Trümmer so zu grübeln:
Zeit kommt und nimmt mir meine Liebe fort.

Solch Denken ist wie Tod das so in Not
Weint dass es hat was ihm zu schwinden droht.


Oder die berühmte Nummer 18:

Shall I compare thee to a summer's day?
Thou art more lovely and more temperate:
Rough winds do shake the darling buds of May,
And summer's lease hath all too short a date:
Sometime too hot the eye of heaven shines,
And often is his gold complexion dimm'd;
And every fair from fair sometime declines,
By chance, or nature's changing course, untrimm'd;
But thy eternal summer shall not fade
Nor lose possession of that fair thou ow'st;
Nor shall Death brag thou wander'st in his shade,
When in eternal lines to time thou grow'st;
So long as men can breathe or eyes can see,
So long lives this, and this gives life to thee.

Soll ich dem Sommertag vergleichen dich?
Der lieblicher und maßvoller du bist:
Der Rauwind schüttelt Maienknospen sich,
Des Sommers Zeit zu kurz bemessen ist:
Zu grell mitunter Licht, das Sonne zeugt,
Und oftmals ist getrübt ihr goldner Schein;
Denn Schönheit wird von Schönheit auch gebeugt,
Durch Wandel, der Natur unstetes Sein;
Doch soll dein steter Sommer nicht ermatten,
Noch sie verlieren, Schönheit, die dir eigen;
Noch Tod soll prahlen, gingst in seinen Schatten,
In Versen, zeitlos, mit der Zeit wirst steigen:
Solange Menschen atmen, Augen sehen,
So lang lebt dies, lässt dich im Leben stehen.

„Ewig Sklave, Menschen Pracht, des Todes Wut“. Shakespeares Sonette, Übertragungen von Bernd Jähning, Books on Demand 2016

http://www.michael-klonovsky.de/acta-diurna