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Macht und Magie der Sprache (Das Geheimnis von Bewusstsein und Sprache-Teil 2)

"Im Anfang  war das Wort (logos)

und das Wort war bei Gott,

und das Wort war Gott.

Im Anfang war es bei Gott.

Alles ist durch das Wort geworden

und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist."

Der feierlich rhythmische Prolog des Johannes-Evanegeliums setzt den Beginn der Welt mit dem Wirken des Worts („logos“) gleich und unterstreicht dessen göttlichen Ursprung.

Nicht nur im Neuen und im Alten Testament und nach jüdischer und christlicher Überzeugung, auch in fast allen anderen Religionen, entspricht ein Wort nicht ausschließlich einer Ansammlung von Lauten, sondern hat stets auch eine Wirkung. Das Verbot des Fluchens, das Gebot, die Wahrheit zu sagen, das Gebet und die Schöpfungsgeschichte (..und Gott sprach…-und es ward..) sind nur wenige Besipiele der Wirkung und Macht, die dem Wort zugesprochen wird. (Auch am Verb des letzten Satzes lässt sich erkennen, wie sich dieses Denken in unserer Sprache festgesetzt hat.)

Sprache „schafft“ Welt (und umgekehrt). Das erkennt man beim Spracherwerb von Kleinkindern und das bemerkt man auch beim Erlernen einer Fremdprache, was stets den Horizont erweitert, da die Sprache einer andern Kultur und Mentalität nie 1:1 übersetzbar ist, sondern uns immer auch neues Denken und Einfühlung abverlangt, somit „neue Welt“ schafft.

Der griechische Begriff „logos“ indes umfasst ein ungeheures Bedeutungsspektrum. Er reicht über die einfache Bedeutung „Wort“ über „Sinn“, „Geist“, „Verstand“ bis hin zu „Lehre“, „Vernunft“, „Ausdruck“, „Rede“ und „Sprache“, um lediglich die wichtigsten Begriffe zu nennen. In Termini wie Biologie, Logistik, Logik, Dialog, Dialekt, Dialektik („dialegesthai“ mit Ablaut e=sich unterhalten) etc. bleibt die vielfältige Bedeutung des Begriffes uns bis heute erhalten.

Von der Macht des gesprochenen Wortes sprechen neben Texten der Bibel auch andere der ältesten Zeugnisse der Literatur: Die in vielen alten Kulturen anzutreffenden und der Verbalmagie zuzuordnenden Zaubersprüche und Beschwörungsformeln. Der Wille, sich diese Macht dienstbar zu machen, ist im Grunde kein anderer als der, aus welchem später durch Naturbeobachtung und Entschlüsselung ihrer Sprache die „ewigen“ Gesetze der Natur abgeleitet wurden, die heute den Naturwissenschaften zu Grunde liegen. Vielleicht könnte man diese Gesetze auch als eine Art entschlüsselter „Grammatik der (sichtbaren) Natur“ bezeichnen, in welcher Konstanten, Kräfte und Zahlen die eigentlichen „Worte“ darstellen.

Der Glaube an die Kraft und die Macht des Wortes und dessen Magie treten heute unter anderem in Psychotherapie, autogenem Training, NLP (Neuro-Linguistisches-Programmieren), Werbung, und in der magischen Wirkung propagandistischer Reden zu Tage, die sich Politiker ,Diktatoren und Führungskräfte zu Nutze machen, um Volk, Untergebene und Mitarbeiter zu motivieren und zu "programmieren".

Die Wirkung von "Zaubersprüchen", "Mantren", Flüchen und anderer suggestiver sprachlicher Beeinflussung bis hin zum Tod (bei Flüchen etc.) oder Genesung wurde zwischenzeitlich wissenschaftlich belegt. Voraussetzung sit natürlich, das der Betroffene daran glaubt.

Die bedeutendste Wirkung und Macht entfaltet sich heute jedoch in der Macht der Medien, die über gezielte Meinungsmache, ohne auch nur im geringsten zu übertreiben, Wohl und Wehe ganzer Völker und Nationen in Händen halten: Sie sind die eigentlich Regierenden, sie bestimmen, wo`s langgeht, sie kontrollieren das Bewusstsein der Massen, die stets glauben, sie hätten ihre eigene und unabhängige Meinung.

Und hier stoßen wir auch schon an die nächste bedeutende Frage: „Bestimmt die Sprache das Bewusstsein?“

Wie im ersten Teil bereits erläutert, ist „Bewusstsein“ im eigentlichen Sinne in diesem Kontext nicht das richtige Wort. Denn Bewusstsein macht Sprache erst lebendig, bringt sie zum Er-leben. Nach bestimmten Regeln kommunizieren können auch Computer, und die sind bekanntlich ohne Bewusstsein und werden es auch bleiben (siehe Teil 1 http://homment.com/NyT7PdfDc9) auch wenn man mir dies als „Dogmatismus“ vorwerfen“ könnte.Denn Bewusstsein bedarf ursprünglicher Er-Lebensfähigkeit (siehe "Qualiaproblem)", und die kann man keiner vom Menschen gemachten Maschine jemals „einhauchen“. Diese Überzeugung entstammt einer überholten positivistischen und rationalistischen Denkweise, und entspricht dem eigentlichen Dogmatismus. Eine Maschine wird stets nur Bewusstsein simulieren können –mehr nicht. Ihr „Organismus“ ist nicht Teil jener ursprünglichen Natur, gegen die jeder Verstand nichts als ein "nasser Lappen" ist.

Wir ersetzen demnach bei oben gestellter Frage den Begriff „Bewusstsein“ mit „Denken“ („Weltbild“, „Weltanschauung“), das sich in Sprache niederschlägt und durch „Bewusstsein“ erst zu sich kommt.

Im Grunde beantwortet sich diese Frage dann wie von selbst. Denn Denken findet in Formen der Sprache statt. Denken ohne Regeln von Grammatik und Logik ist nicht denk-bar. Zieht man vom Denken die Sprache ab, bleibt die reine Wahrnehmung. Und mit der kann man schlecht kommunizieren. Denken ist aber insofern Kommunikation mit sich selbst. Eine Art stillen Selbstgesprächs. Es findet in nativen, angeborenen Formen statt, die nach und nach mit Inhalt und Leben gefüllt werden. Diese „Anfüllung“ mit Leben geht mit einer Erweiterung, einem „Zubau“ von „Welt“ einher, die in ursprünglicher, teils unbewusster Natur- und Urerfahrung den Mythos zeugte und später unter zunehmender Abstrahierung und unter bewusster Anwendung konstruierter Begriffe zu unserem heutigen, die Naturwissenschaften begründenden, rationalistischen Weltbild führte.

Sprache als „Matrix“ der Welterfahrung

Das Wort „Matrix“ bedeutet im Lateinischen ursprünglich eigentlich „Muttertier“, „Gebärmutter“ „Zuchttier“ oder „Der Stamm, aus dem die Zweige kommen“.

Die (Mutter-) Sprache ist der Ursprung, die „Gebärmutter“ unseres Weltbildes. Ihm können wir nicht entkommen, und auch insofern ist das Denken nicht eigentlich frei. Es spielt sich innerhalb der Strukturen ursprünglicher Erfahrung ab, die bereits in frühester Kindheit durch die Matrix Sprache „programmiert“ werden. Totalitaristische Bestrebungen machen sich diese Tatsache selbstverständlich zunutze. Verarmt die Sprache, verarmt das Denken. Alternativlos! Beeinflusst oder verändert man die Sprache, verändert man Weltbild und Denken. Das Wort „Freiheit“ ist relativ, der Begriff „Demokratie“ auch. „Krieg ist Frieden, Freiheit ist Sklaverei, Unwissenheit ist Stärke.“ Totalitaristische Bestrebungen führen dahin, Freiheit des Denkens mittels Beeinflussung der Sprache einzuschränken, es in gewisse Bahnen zu leiten, dem Menschen „Welt“ zu nehmen. Eine durch „politische Korrektheit“ verunstaltete Sprache ist eine im Sinne der Regierenden. Der Umbenennung des „Weihnachtsengels“ zur „geflügelten Jahresendfigur“ ist dabei nur ein harmloses, bekanntes Beispiel, das heute ein Schmunzeln hervorruft. Der Ersatz des Wortes „Behaglichkeit“ durch „Komfort“ (Beitrag: Die Entzauberung der Welt http://homment.com/bXCZft8vi6) ist eines von vielen Beispielen heutiger Tendenzen, Sprache zu vereinheitlichen , sie reiner Nutzbarkeit zu unterwerfen und volks-individuelle Welterfahrung zu vermindern. Das Gefühl weicht der Technik. Das Eine-Welt-Denken soll zu Lasten individueller Welterfahrung weichen, um letzten Endes einem zu dienen: Den Zwängen, die unserem Geld- und Wirtschaftssystem immanent sind, den Zwängen der Globalisierung und Vereinheitlichung des Welt- und des Menschenbildes, das nur einen Herren kennt und nur diesem dient: Dem Geld.

Sprachen sterben aus, verarmen zusehends durch nicht mehr gebrauchte Wörter und syntaktisch-grammatikalische Strukturen, was teils auch ein natürlicher Vorgang ist und nicht ausschließlich Zwängen der Ökonomie geschuldet . Wenn man jedoch alte deutsche Bücher des 18. Und 19. Jahrhunderts im Original liest, beneidet man die Autoren um die Genauigkeit ihres Ausdrucks und die Vielfalt und Ästhetik verwendeter Begriffe, deren teilweises Aussterben zu zunehmender Trivialisierung und Verflachung von Sprache und Denken in erheblichem Maße beitrug.

In älteren, ursprünglicheren Sprachen unserer indogermanischen Sprachfamilie, wie beispielsweise dem Sanskrit oder dem Altgriechischen, existieren weit mehr grammatiklasche Fälle „Genus Verbi“ , und Numeri (neben Singular und Plural auch noch ein Dual), was einer weitaus differenzierteren und ursprünglicheren Welterfahrung und einer höheren Genauigkeit sprachlicher Darstellung und des Denkens entspricht, während bei uns bereits der Genitiv aus dem letzten Loch pfeift und wohl irgendwann im Dativ sein Grab finden wird.

Weltweit werden derzeit etwa noch zwischen 6500 und 7000 Sprachen gesprochen. Alleine in Papua-Neuguinea divergieren die Angaben zwischen 832 und 1089 Völkern mit jeweils eigener Sprache. Es gibt 12 anerkannte Weltsprachen, von Englisch (1) über Chinesisch (2) und Hindi (3) bis zu Deutsch (10),Japanisch (11) und Koreanisch(12).

Sprache prägt und bestimmt das Denken einer Kultur und das durch sie vermittelte Weltbild und Handeln. Mythos, Kultur, Sprache und Weltbild sind nicht ohne einander zu denken, sind geprägt durch die ursprünglich gemeinschaftliche Wahrnehmung bedingen sich gegenseitig und bilden die Fäden eines geknüpften Teppichs, auf dem jede Kultur ruht.

„Multikulti“ und „Multi-Sprechi“ ist zu fördern und bedingt die Vielfalt der Welterfahrung und des Denkens. Nicht aber jenes falsch verstandene „Multikulti“ der Wächter politischer Korrektheit und Einfalt. Nicht das Vermischen, das gleichzeitig Verarmen mit sich bringt und aus Völkern, Kulturen und Religionen lediglich einen gut beherrsch- und regierbaren Einheitsbrei zu rühren trachtet und eine beliebige, so träge wie triviale Indifferenz der Gesellschaft schafft, die lediglich durch das Streben nach Wohlstand zusammengehalten wird. Dieser wäre längst allen gegeben und möglich und weit größerer Garant des Friedens als der Ersatz von Vielfalt zu kontrollierbarer Einfältigkeit.

„Doch das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden.“