Bertelsmann-Chef Rabe rechnet mit Strategie seiner Vorgänger ab


„Zu lange auf strukturell rückläufige Geschäfte gesetzt“/ „Es fehlten klare Investitionskriterien“

Hamburg, 31. März 2015, 11:14 Uhr – Bertelsmann-Chef Thomas Rabe geht mit der Strategie seiner Vorgänger ins Gericht. Der Medienkonzern habe „zu lange auf strukturell rückläufige Geschäfte gesetzt“, sagte Rabe SPIEGEL ONLINE. Zum Beispiel habe Bertelsmann „noch 2003 und 2004 massiv in Tiefdruckkapazitäten investiert. Und es wurde versucht, das Clubgeschäft in über 25 Ländern zu transformieren“, sagte Rabe. „Viele dieser Investitionen mussten wir in den Folgejahren wertberichtigen.“ Damals hätten „klare, strategische Investitionskriterien“ gefehlt, an die man sich nun rigoros halte.

Als Kritik an seinen Vorgängern Gunter Thielen und Hartmut Ostrowski will Rabe das nicht verstanden wissen. Es sei vielmehr eine „nüchterne Analyse“, die auch der heutige Aufsichtsrat Ostrowski teile.

In Zukunft will Rabe verstärkt in Wachstumsgeschäfte investieren – auch wenn das zu Lasten bestehender Geschäftsbereiche gehen sollte. „Natürlich sind wir bereit, uns falls erforderlich auch ein Stück weit selbst zu kannibalisieren“, sagte Rabe SPIEGEL ONLINE.

In vielen Fällen sei dies aber gar nicht geboten. „Wir sind nicht bereit, gut funktionierende Geschäftsmodelle wie zum Beispiel das klassische werbefinanzierte Fernsehen von RTL ohne Not in Frage zu stellen“, sagte der Bertelsmann-Chef. „Wir wären schlecht beraten, wenn wir unsere wertvollen RTL-Formate auf Youtube zur Verfügung stellten, wo zwar hohe Reichweiten erzielt werden, aber eben im Vergleich zum linearen Fernsehen bislang nur geringe Werbeumsätze.“

Der vollständige Text ist abrufbar unter http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/bertelsmann-chef-thomas-rabe-im-interview-kritik-an-vorgaengern-a-1026213.html.