PecuniaOlet

Der kategorische Toleranz-Imperativ der EU

"Handle so, dass die Maxime Deines Willens jederzeit als Prinzip des Untergangs Deines Volkes gelten könne!"

Es gibt und gab keine Religion, Philosophie und Gesellschaft weltweit, in der Toleranz einen absoluten Wert an sich darstellte. Toleranz ist ein Epiphänomen, das sich in der Regel aus einem Überlegenheitsgefühl oder Gleichgültigkeit gegenüber dem Tolerierten ergibt. Man duldet und erträgt eine andere Meinung, Ansicht oder auch einen materiellen Nachteil, wenn man eigene Positionen und Interessen in der Regel dadurch nicht akut oder lediglich in geringem Ausmaß gefährdet sieht. 

Wenn eine Gesellschaft an absolute und unverrückbare Werte glaubt und diese lebt, wie etwa die Gleichheit vor dem Gesetz von Mann und Frau, so wird sie es nicht tolerieren können, dass andere innerhalb dieser Gemeinschaft für das gleiche Vergehen eine härtere Bestrafung fordern, wenn es von Frauen begangen wurde, ohne ihre gewachsenen Werte aufzuweichen oder zu gefährden. Dies bedeutet, dass Werte, denen eine Gesellschaft nicht moralisch indifferent gegenübersteht, mit aller Härte und Konsequenz verteidigt werden müssen, um sie zu bewahren und in die Zukunft zu retten. So käme beispielsweise im Normalfall keiner auf die Idee, diese Werte in einem Lande, in dem die Gleichheit vor dem Gesetz von Mann und Frau geistes- und kulturgeschichtlich hervorgegangen war, im Rahmen der Religionsfreiheit infrage zu stellen und auf dem Altar der Toleranz unter der Berücksichtigung "religiöser Gefühle" der anderen zu opfern. So verhält es sich mit allen gewachsenen Werten, ganz gleich, wie hoch sie in der Skala innerhalb einer Gesellschaft auch angesetzt sein mögen.

Nun könnte es durchaus Kulturen geben, in denen eine Frau für dasselbe Vergehen härter bestraft würde als ein Mann, weil bestimmte Gesetzesbrüche bei Frauen als größerer Frevel empfunden werden, aus welchen Gründen auch immer. Die Frage ist, ob wir deshalb ein Recht hätten, diese anderen Kulturen in missionarischem Eifer bekehren zu wollen, zu verurteilen und vehement die Änderung dieses Zustandes einzufordern. Denn was gäbe uns das Recht, unsere eigene Sichtweise, die uns aus unserer Perspektive als die menschlichere, gerechtere und vernünftigere erscheint, über alle anderen zu stellen?

Ein von außen her "revolutionäres" Intervenieren in Werte und Strukturen einer gewachsenen Gesellschaft kann diese in einem Ausmaß gefährden und zerstören, das dem "Aussetzen" fremder Organismen in ein gewachsenes und ausgeglichenes Ökosystem gleichkommt. Als Extrembeispiel möge hier das soziale Elend und die Alkoholproblematik vieler indigener Völker ehemaliger Kolonien dienen, einschließlich deren Dezimierung durch eingeschleppte Krankheitserreger. Diese "eingeschleppten Krankheitserreger" existieren durchaus auch in einem sozialpsychologischen Sinne.

Wenn eine ausschließlich in ihrem Interesse handelnde Obrigkeit daher Toleranz fordert innerhalb einer abstrahierten und entwurzelten "Moral", die sich überwiegend an ökonomischen Werten, sprich an Geld-Werten und Nutz(vieh)-Werten im Rahmen der Globalisierung orientiert, daher Tradition, Eigenheiten und Instinkte eindämmt, unterdrückt, verbietet und zu ihren Zwecken teils kriminalisiert, mit dem heuchlerischen Vorwand Frieden zu wahren, zerstört sie damit gewachsene Strukturen psycho-sozialer "Ökosysteme" und erklärt den Völkern und Kulturen den permanenten Krieg gegen ihre Individuen. Man kennt so etwas aus Dystopien wie Huxleys "Brave New World" oder Orwells "1984". Wenn es zudem Zeitgenossen gibt, die als militärische Berater ganz offen in ihren Büchern darüber schreiben, dass man die Gegner so gearteter Globalisierungsmoral "umlegen" sollte, und diese Bücher gedruckt und verbreitet werden dürfen, während innerhalb der EU eine Behörde zur Überwachung der Toleranz eingerichtet werden soll, weiß man, woher der Wind weht.

Es gibt Werte, die mit Leben und Geist erfüllt sind, Werte wie etwa Respekt und Fairness. Ich kann einen zu bekämpfenden Gegner mit Respekt behandeln und mich während des Kampfes an Regeln der Fairness halten. Diese Werte sind aber heutzutage nicht erwünscht und werden von der herrschenden Klasse auch nicht gelebt. Zeige ich mich einem Gegner gegenüber jedoch tolerant, bin ich erledigt. Ich kann mich anderen Weltanschauungen, Religionen, Völkern und Lebensformen respektvoll gegenüber verhalten. Niemand aber kann mich zwingen, diese zu tolerieren, wenn sie gleichzeitig meine Werte gefährden, erst recht nicht, wenn meiner Kultur keinerlei Respekt entgegengebracht wird. Wird man Zeuge einer besonders fair geführten Auseinandersetzung oder fairen sportlichen Wettkampfs, so nötigt dies automatisch Achtung und Respekt ab, egal auf welcher Seite man steht. Wird man hingegen Zeuge, wie jemand sich demütigen, alles gefallen und bieten lässt, so sagt keiner: "Welch bewunderungswürdige, ehrenvolle Toleranz!", sondern empfindet lediglich Verachtung oder Mitleid. 

Tolerant ist man gegenüber Kindern, Alten und Schwachen. Eine andere Art von Toleranz zerstört den individuellen Charakter und sorgt für Indifferenz einer Persönlichkeit. Ein tolerantes Volk war es die längste Zeit.