Reisebericht

Neuseeland - zwei Inseln, zwei Naturwunder

Südinsel

02. - 04.03.2002 Frankfurt - Seoul - Auckland - Christchurch - Lake Tekapo

Um 20:00 h beginnt unsere erste große Flugetappe mit Korean Air nach Seoul. Flugzeit: knapp 10 h. Wir haben Glück und ergattern einen Platz mit Beinfreiheit am Notausgang. Der Flug geht über Russland (südliches Sibirien) und die Mongolei. Über Sibirien haben wir einen phantastischen Blick auf die schneebedeckte, nur von karger Steppe bewachsene Gebirgslandschaft. Kein Lebenszeichen lässt sich hier erkennen. Die Landschaft scheint absolut unberührt und endlos. Langsam werden die Berge niedriger, der Schnee weniger. Wir überfliegen die karge Landschaft der Wüste Gobi. Die Erde bietet ein interessantes Farbspiel von Sandfarben über Orange- und Rottöne bis hin zu tiefem Schwarz. Einige kleine Seen kontrastieren mit ihrem türkisfarbenen Wasser. Dann überfliegen wir kilometerweit die Yellow Sea (Chinesisches Meer) im Pazifik bis wir die Küste Koreas erreichen. Zunächst tauchen vor unseren Augen kleine, einladende, einsame Inseln auf, die -je mehr wir uns dem Festland nähern- immer größer werden. Das Gebiet bietet sich für einen Segelturn mit Stopps an einsamen Sandstränden an. Kurz vor dem Festland sehen wir einige große Sandbänke aus dem Meer ragen. Viele große Schiffe liegen hier vor Anker und warten auf die Einfuhrgenehmigung in den Hafen. Stellenweise sehen wir Landgewinnungsmaßnahmen. Der Flughafen von Seoul (Incheon) wurde erst vor einem Jahr eröffnet. Er befindet sich auf einer vorgelagerten Insel und ist nur über eine Brücke zu erreichen.
Eigentlich hatten wir ein Transfer-Hotel gebucht. Wir werden von einem zum anderen Korean Air Desk geschickt. Die eine Hand weiß nicht was die andere tut, aber jeder gibt uns (auch wenn es falsch ist) Auskunft. Schließlich teilt man uns mit, dass wir zunächst durch die Immigration müssen. Am Korean Air Transfer Desk danach ist man etwas verwundert, bietet uns aber (nach Rücksprache mit dem General Manager) an, in ein Transfer Hotel (40 Minuten Fahrtzeit) zu fahren wo wir duschen und lunchen könnten. Aufgrund der fehlenden Entspannungszeit lehnen wir dann dankend ab. Wir wollten ein Zimmer in einem Transit-Hotel im Flughafengebäude mieten, um wenigstens ein paar Stunden zu liegen. Es gelingt uns glücklicherweise wieder in das Gebäude zu kommen, ohne die üblicherweise fällige Steuer zu zahlen. Nun nichts wie ab ins Hotel. Schlafen konnten wir nach dieser Odyssee zwar nicht mehr, aber wenigstens die geschundenen Glieder ausstrecken, bevor es weiter geht nach Auckland.
Die zweite Flugetappe von Seoul nach Auckland haben wir nach 11 Stunden einigermaßen überstanden. Ein Lob an Korean Air - der Sitzabstand lässt einem einigermaßen Beinfreiheit. In Auckland müssen wir das Terminal wechseln, was sich in einem knapp 10minütigen Spaziergang schnell meistern lässt. Wir können noch auf einen früheren Flug umbuchen und sind nun am 4.3.2002 um 14:30 h glücklich (nach einem rauen Landeanflug) auf der Südinsel Neuseelands angekommen.
Mit etwas Spannung machen wir uns per Taxi auf den Weg zu unserem Mietwagenunternehmen in der Hoffnung, dass sich das Billigangebot aus dem Internet (www.ezy.co.nz) nicht als Desaster entpuppt. Das schlechte Gefühl verschwindet sofort, als wir den Seat Cordoba für $40/Tag (inkl. low damage waiver) in Empfang nehmen. (Kilometerstand: 87.325 km) Jetzt kann es losgehen!

Da wir früher als erwartet angekommen sind, beschließen wir, die erste Etappe bis zum Lake Tekapo zu fahren (230 km). Wir nehmen den State Highway Nr. 1 in Richtung Timaru. Über Neuseelands längste Brücke überqueren wir dem Rakaia River. Bei Geraldine wechseln wir auf den Highway 79. Das Neuseeland-Feeling stellt sich erst ein, als wir die Stadt hinter uns gelassen haben. Wir fahren durch eine grüne, hügelige Landschaft. Durch die klare Luft erscheint uns alles viel schärfer als gewohnt. Die vielen weißen Schafe kontrastieren mit den sattgrünen Wiesen. Die Straßen werden kurviger, die Landschaft verwandelt sich zu einer steppenartigen Vegetation.

Plötzlich leuchtet der türkisfarbene Lake Tekapo vor uns, umrahmt von einem stattlichen Gebirgspanorama mit teilweise schneebedeckten Gipfeln. Die phantastische türkisfarbene Farbe des Wassers wird verursacht durch den Felsabrieb der Gletscher. Von der Historic Church of good Shepard aus hat man einen schönen Blick über den See. Hier beziehen wir unser erstes Quartier mit Seeblick. Noch schnell ein paar Sachen fürs Picknick eingekauft und ab geht es zur Picknick Area am See. Langsam geht die Sonne unter. Die Berggipfel leuchten in schönen Rottönen. Ein kühler Wind zieht auf.
Die Müdigkeit gewinnt langsam Oberhand. Nach einem aufwärmenden Bad in unserer Whirlpool-Badewanne fallen wir todmüde ins Bett.

05.03.2002 Lake Tekapo - Mt. Cook - Manapouri

Die nächtliche Wachphase hielt sich in Grenzen. Das Jetlag scheinen wir beinahe überwunden zu haben. Es ist kurz vor sieben. Der Berg ruft!
Nach einem ausgiebigen englischen Frühstück geht es los zum Mt. Cook National Park. Über den State Highway Nr. 8 erreichen wir zunächst den Lake Pukaki. Uns bietet sich -bei relativ wolkenlosem Himmel- ein toller Blick. Bergmassive umrahmen das türkisfarbene Gletscherwasser.

Im Mount Cook National Park (700 qkm/Weltkulturerbe der UNESCO) befinden sich 22 der 27 Dreitausender Neuseelands. Aoraki (Wolkenaufspießer) nannten die Maori das höchste Bergmassiv der Südalpen (3.754 m).
Vom nahe des Hermitage Hotels gelegenen Camp Ground starten wir unsere 3 1/2 stündige Hooker Valley Wanderung. Der Weg führt über Hängebrücken zum Fuß des Hooker-Gletschers. Während der Wanderung erschließen sich wundervolle Blicke auf den schneebedeckten Mt. Cook. Vom Glacier Lookout hat man einen schönen Blick auf den Mueller Lake. In Erwartung türkisfarben leuchtender Eisblöcke, die lt. Reiseführer in einen azurblauen Gletschersee "kalben", sind wir -am Gletscher angekommen- fast etwas enttäuscht. Das Eis hat sich mit dem Berggeröll vermischt und ist nur bei näherem Hinsehen als Eis zu erkennen. Der milchige Gletschersee wirkt wie aufgelöste Kreide auf der kleine Eisblöcke schwimmen. Dennoch ist das Bergpanorama natürlich überwältigend. Auf dem Rückweg erscheint uns das Gebirge - nun von der Sonne leuchtend angestrahlt- noch spektakulärer. Von einem zweiten Parkplatz (ca. 8 km vorher) beginnt der 15 minütige Anstieg zum Aussichtspunkt des Tasman Valley. Der Blick auf den 29 km langen Tasman Gletscher, dessen Grau sich von dem milchigtürkisen Wasser des Tasman Rivers abhebt, ist absolut lohnenswert. Die ebenfalls ausgeschilderten Blue Lakes machen ihrem Namen keine Ehre. Vom Aussichtspunkt aus sind sie als drei kleine grüne Seen zu sehen.
Nach so viel Bewegung genießen wir auf der Sonnenterrasse des Hermitage Hotels einen kühlen Weißwein mit Blick auf das leuchtende Mt. Cook Massiv.

Angesichts des grandiosen Wetters beschließen wir, ziemlich direkt in die Fjordlandschaft zum Doubtful Sound zu fahren. Wir fahren den State Highway Nr. 8 weiter in Richtung Cromwell.

Beim Lindis Pass fahren wir durch die hügelige, sattgrüne Landschaft des Lindis Valley. Eine sehr schöne Landschaft. Die Straße führt direkt neben dem Lake Dunstan lang und bietet einen schönen Blick auf den Mt. Pisa. Bei Cromwell biegen wir auf den Highway 6 Richtung Queenstown ab. Kurz vor der Stadt liegt die nostalgische Kawarau Bridge (1880), auf der das Bungee Jumping von A.J. Hackett erfunden wurde.
In Queenstown angekommen müssen wir feststellen, dass wir bei der Wegberechnung daneben gelegen haben - noch 170 km bis zum Ziel. Der zusehends wolkenverhangene Himmel hebt unsere Stimmung auch nicht gerade. Wir entschließen uns nach Manapouri weiterzufahren, zumal wir bereits eine Unterkunft gebucht hatten. Tanken wäre in Queenstown kein Problem gewesen. Trotzdem sind wir noch davon ausgegangen, dass wir in einem der kleineren Orte auf unserer Strecke tanken könnten. Falsch gedacht! Glück gehabt denken wir, als wir in Mossburn einen Tankautomat finden. Leider müssen wir festzustellen, dass unsere Kreditkarten nicht akzeptiert werden. Ein hilfsbereiter Neuseeländer hilft uns aus der Misere und wir brettern die letzten 60 km nach Manapouri.

Hier nächtigen wir in Murrell's Grand View House einem kolonialen B & B aus dem Jahre 1889, der Inhaber ist Neuseelands dienstältester Gastgeber und betreibt dieses Business bereits seit 63 Jahren. Aus dem Fenster unseres Zimmers blickt man direkt auf den Lake Manapouri. Vor dem gemütlichen Kamin im living room genießen wir einen Merlot der Hawkes Bay und lassen unseren ersten richtigen Urlaubstag entspannt ausklingen.

06.03.2002 Manapouri - Doubtful Sound

Der Fjordland National Park (UNESCO Weltkulturerbe) ist mit 1,2 Mio. Hektar, der größte und gleichzeitig am wenigsten zugängliche Park Neuseelands. Für heute haben wir eine Bootstour im Doubtful Sound gebucht. Wir hatten Glück - die Morgentour war bereits ausgebucht. So können wir in aller Ruhe unser hervorragendes Frühstück (frisches Obst, Blueberry pancakes, eggs, etc.) genießen. Der wolkenverhangene Himmel macht uns noch etwas Sorge - aber die Tour ist gebucht.

Das Fjordland gehört zu den nassesten Regionen der Erde (bis zu 5.290 mm Niederschlag). Als wir uns um halb zwölf auf den Weg machen, reißt es aber förmlich auf.

Die siebenstündige Tour beginnt auf dem mit vielen Inselchen bestückten Lake Manapouri, dem fünftgrößten und zweittiefsten (444 m) See Neuseelands.

Am Manapouri-Kraftwerk steigen wir um in einen Bus. Leider ist die Besichtigung der Power Station bei unserer Tour nicht enthalten. Es wäre sicherlich reizvoll, das unterirdische (176 m unterhalb der Seeoberfläche) Kraftwerk zu besichtigen. Über den Wilmot Pass werden wir zum Deep Cove gefahren. Die 22 km lange Straße ist eine der abgelegensten Neuseelands, die Mitte der 60er im Zuge des Kraftwerkbaus angelegt wurde. Auf der 22 km langen Passstraße erschließt sich uns eine phantastische Regenwald-Landschaft. Besonders interessant sind Moosgärten mit einer Vielzahl farbiger Moose und Flechten. Auf 670 m Höhe genießen wir einen spektakulären Blick auf den Sound. Am Deep Cove (Straßendamm und Abflusstunnel der Power Station) liegt ein weiteres Boot für uns bereit.
Der Doubtful Sound (430 m tief, zweitgrößter der 14 Fjorde Neuseelands, dreimal so lang wie der Milford Sound) verdankt seinen Namen Captain Cook, der auf seiner neuseeländischen Entdeckungsreise bezweifelte, dass sein Schiff "Endeavor" in diesem Sound wenden könnte. Er zügelte seinen Forscherdrang, segelte weiter und verpasste eine der malerischsten Gegenden der Südinsel.

Idyllisch liegt der Ford in der Gebirgslandschaft mit ausgedehnten Wäldern und (um diese Jahreszeit nur noch kleinen) Wasserfällen. Die Meeresarme der Tasman Sea dringen tief in die zerklüftete Alpenwelt mit ihren bis zu 2.700 m hohen Gipfeln ein. Wir genießen die Bootsfahrt vom oberen Außendeck und werden dabei richtig durchgepustet. Der Blick in die sich ständig verändernde Landschaft ist spektakulär. Große Tümmler (Delphine), die leider etwas zu träge sind, um große Sprünge zu machen, begleiten uns ein kleines Stück. Auch einige Pelzrobben, die sich vom Felsen kaum abheben, sind zu sehen. Die Fahrt geht bis zum Anfang des offenen Meeres (Tasman Sea) - danach machen wir kehrt. Mittlerweile erstrahlen die Gebirge im schönen Abendlicht. Bei abgestelltem Motor können wir 10 Minuten lang die absolute Stille, durchbrochen von Vogelgezwitscher, erfahren. Eine Kanutour durch die Sounds muss ein tolles Erlebnis sein!

Um kurz vor 20:00 h legen wir wieder in Manapouri an. Bis dahin ein absolut gelungener Tag! Zum Abendessen fahren wir ins 20 km entfernte - im Vergleich zu Manapouri - sehr touristische Te Anau. Nach einem schlechten Abendessen im Steak House geht's zurück nach Manapouri.

07.03.2002 Manapouri - Milford Sound - Queenstown

Heute ist es wesentlich wärmer als gestern. Auch wir wollen die Hauptattraktion Neuseelands nicht auslassen und fahren zum Milford Sound, der mit dem Auto zu erreichen ist. Hinter Te Anau beginnt die 119 km lange Strecke zum Sound.
Im Eglington Valley genießen wir einen schönen Blick auf die Bergmassive, umrahmt von einer goldleuchtenden Steppenlandschaft. Wir fahren weiter, vorbei an Buchenwäldern.

Etwa auf halber Strecke liegen die Mirror Lakes, in denen sich die Earl Mountains wunderschön spiegeln. Die Berglandschaft wird immer spektakulärer. Wir passieren den 1952 fertiggestellten, in den Granitfels gehauenen Homer Tunnel und befinden uns in einem engen Tal, umrahmt von Zweitausendern. Noch 15 km bis zum Milford Sound. Das Wetter spielt heute leider nicht so mit, die Wolken hängen tief in den Bergen, die Spitze des 1692 m hohen Mitre Peak ist in Wolken gehüllt. Nach der spektakulären Fahrt in den Doubtful Sound entscheiden wir uns -um eine Enttäuschung zu vermeiden- gegen eine Bootsfahrt. Stattdessen wollen wir einige kurze Wanderungen machen. Der Weg zu den Bowen Falls ist leider geschlossen. Nachdem wir noch einmal ausgiebig den Blick genossen haben, machen wir wieder kehrt. Bei den Chasm Falls machen wir eine kurze Wanderung. Hier stürzt der Cleddau River über verwitterte Felsbrocken 22 m tief in eine enge Felsspalte (Chasm). Unser nächstes Ziel sind die Humboldt Falls, die über eine 20 km lange dirt road zu erreichen sind. Nach einem kurzen walk haben wir einen freien Blick auf den ca. 100 m hohen Wasserfall. Auf dem wilden und steinigen Fluss werden Jetboat-Touren angeboten. Wir halten noch an einigen weiteren Spots und machen short walks über Hängebrücken.

Zurück in Te Anau kaufen wir kurz ein, um anschließend weiter nach Queenstown bzw. Glenorchy zu fahren. Unser nächstes Ziel -Glenorchy- ist nur ca. 30 km Luftlinie von den Humboldt Falls entfernt- aber es gibt nur wenige Straßen, so dass wir die ganze Strecke über Te Anau und Queenstown zurück müssen. In dem kleinen Vorort Kelvin Heights kurz vor Queenstown suchen wir vergeblich nach einem B & B. Dafür finden wir in Queenstown eine einfache Unterkunft mit Blick auf den Lake Wakatipu und genießen den Lake view beim Zimmerpicknick.

08.03.2002 Queenstown - Glenorchy - Wanaka

Zunächst geht es zum 47 km entfernten, ruhigen Städtchen Glenorchy. Auf der Fahrt entlang des Lake Wakatipu erschließen sich schöne Spots.
Es wird eine 3stündige Jet Boating Tour inkl. Bush walk und 4WD angeboten, für die wir eine unverbindliche Reservierung vornehmen. Wir haben aber noch etwas Zeit und fahren ein Stück in den Mount Aspiring National Park, benannt nach dem 3.000 m hohen Mount Aspiring, der wegen seiner Form oft mit dem Matterhorn verglichen wird. Eine Schotterpiste führt durch einige Wasserlöcher (für unseren Seat kein Problem) zum Chinaman Bluff. Unser ungutes Gefühl verschwindet, als wir -am Ziel angekommen- weitere Fahrzeuge, darunter auch die Jet Boat Tour Busse, sehen. Von hier aus starten einige Tracks.
Einige Jet Boats drehen auf dem Dart River ihre Runden. Als sich später auf unsere Nachfrage hin unsere Vermutung bestätigt, dass das Jet Boating nur one way ist und die Rückfahrt per 4WD- Bus erfolgt, skippen wir die Tour, denn die Strecke sind wir ja bereits mit unserem Seat gefahren (4WD ist nicht erforderlich, für 149 $ mittlerweile eher Tourinepp, noch vor einigen Jahren galt es als eines der besten Jetboatangebote!!!).
Zurück geht es nach Queenstown und dann weiter Richtung Wanaka. Vom Arthurs Point aus hat man einen schönen Blick auf den See und die Gebirgszüge. Wir machen noch einen kleinen Abstecher zum Coronet Peak, dem Skigebiet. Hier werden bereits die Vorbereitungen für den herannahenden Winter getroffen. Nach kurzem Überlegen beschließen wir, die 4 WD Strecke zum Skippers Canyon doch nicht zu wagen, alldieweil der Versicherungsschutz des Wagens dort erlischt. Das alte Goldgräberstädchen Arrowtown ist uns zu touristisch, wir streifen es nur kurz. In Wanaka angekommen ist es -aufgrund eines Country Festes- unverhofft schwierig, eine budgetgerechte Unterkunft zu finden. Diesmal finden wir eine Unterkunft unterhalb unseres Limits. Die Lage ist -etwas außerhalb der City- sehr schön, das Bett zu hart, das Bad weniger einladend, dafür sind jedoch die Gastgeber umso netter. Abends sehen wir uns den kleinen Ort an und finden ein nettes Restaurant mit einer sehr guten Weinkarte.

09.03.2002 Wanaka - Haast - Fox Glacier

Wenig ausgeschlafen beginnen wir schon um 7:30 h unseren Tag. Von Wanaka aus geht es nun an die raue, wilde Westküste.
Etwa 2 km hinter Wanaka besichtigen wir Puzzling World. Neben einem Irrgarten und einer sehenswerten Holographie-Ausstellung haben in einem anderen Raum die Gesetze der Schwerkraft scheinbar keine Bedeutung. Eine sehr interessante Abwechslung auf unserer naturfokussierten Tour.

Am Lake Hawea haben wir wieder einmal einen tollen Blick. An den Blue Pools machen wir den 20minütigen, unspektakulären River Walk, auf dem wir entdecken, dass der Name der Pools besser Grey Pools wäre. Auch die Fantail Falls reißen uns -wasserfallerfahren wie wir sind- nicht gerade vom Hocker. Dafür genießen wir die Fahrt durch die schöne, saftiggrüne Landschaft des Mount Aspiring National Park. Leider ist das Wetter heute besonders schlecht. Die Wolken ziehen tief in die Gebirgszüge hinein.
Der Haast Pass (564 m hoch) -einzige Verbindung zwischen Westküste und Landesinneren- wurde 1965 fertiggestellt. Vorher war die Strecke nur zu Fuß oder mit dem Pferd zurückzulegen. In dem Gebirgsbach unter der Brücke finden wir riesige Felsbrocken mit interessanten Maserungen.
In Haast buchen wir nun endlich unsere langersehnte Jetboat-Tour. Bis zum Beginn der Tour haben wir noch etwas Zeit und fahren nach Jackson Bay - dem vielleicht abgelegendsten Ort Neuseelands (43 km von Haast).
Der 40 minütige Wharekai Te Kau Walk führt uns (leider im Regen) durch dichten Regenwald an die Küste.
Unsere zweistündige Jetboat Tour über den Waitoto River, eingerahmt von unberührtem, jungfräulichem Regenwald, ist besonders empfehlenswert. Wir erfahren eine Menge über die Natur und genießen die rasante Fahrt auf dem Water of Blood (so die Übersetzung des Maori-Namens). Die stellenweise anzutreffende Rotfärbung des Wassers entsteht durch einen hohen Magnesium- und Eisengehalt; beide Metalle werden durch das Zusammentreffen der Australischen und der Pazifischen Platte in die Höhe gedrückt. Entsprechend häufig finden in dieser Region Erdbeben statt. Eine spezielle Art des Kiwibirds findet sich in einer geringen Population von nur 300 Tieren in den Wäldern entlang des Flusses. Man versucht unter großem Einsatz die Tiere vor der Ausrottung durch eingeführte unnatürliche Feinde zu schützen. In dem unwegsamen Gelände werden Fallen für die Feinde (z.B. Wiesel) aufgestellt, die regelmäßig überprüft werden müssen. Auch Rotwild wurde nicht nur in dieser Region über viele Jahre gejagt (per Helikopter Hunting), um die Überpopulation zu reduzieren.
Kurz bevor der Fluss in das Tasmanische Meer mündet fallen uns ungewöhnliche Stege am Ufer auf. Diese dienen dem Fang von Whitebaid Fischen, die nur innerhalb von 10 Wochen im Jahr gefangen werden (da sie zum Laichen flussaufwärts schwimmen) und die eine besondere lokale Spezialität darstellen, wie wir auch gleich am Abend ausprobieren werden. (Veranstalter: River Safaris -der Besitzer hat früher die Dart River Tour gemacht, die jetzt von einem anderen Anbieter leider sehr kommerzialisiert wurde.)
Nach dieser spektakulären Fahrt fahren wir weiter zum Westland National Park. Vom Mount-Cook-Massiv herunter wälzen sich die drei berühmten Gletscher: Tasman, Franz Josef und Fox Glacier. Für diese Breitengrade einzigartig reichen die beiden letztgenannten nah an die Meeresküste heran und enden in der subtropischen Regenwaldregion, nur 200 m über dem Meeresspiegel.
Wir beziehen unser Quartier am Fox Glacier.

10.03.2002 Fox Glacier - Hokitaki

Früh morgens quälen wir uns aus dem Bett, um den Sonnenaufgang am 6 km entfernten Lake Matheson zu genießen. Eine 45-minütige Wanderung führt uns zum "view of the views". Unser Zeitplan hatte diesen Walk nur mit 20 Minuten berücksichtigt, so dass wir ziemlich abgehetzt - glücklicherweise noch vor dem Sonnenaufgang- an der Aussichtsplattform ankommen. Alleine genießen wir den Blick auf den stillen See, in dem sich das wundervolle Bergpanorama (Mount Cook und Mount Tasman) herrlich spiegelt. Plötzlich beginnt der See zu erwachen und die Reflektion wurde zunächst leider immer unschärfer. Erstaunlicherweise beruhigte sich das Wasser aber wieder, so dass die Spiegelung wieder besser wurde. Inzwischen hat sich nach und nach die Aussichtsplattform gefüllt. Wir halten so lange aus, bis wir uns endlich sicher sind, dass die Sonne die weißen Berggipfel leider nicht Rot anstrahlen wird. Das frühe Aufstehen wäre nicht erforderlich gewesen. Mit dieser Erkenntnis setzen wir die Seeumrundung fort. Vom "reflection view" haben wir noch einmal einen schönen Blick auf den jetzt wieder ruhigen, reflektierenden See.
Nach einem ausgiebigen Frühstück in der Reflection Lodge (unsere wirklich empfehlenswerte, idyllische Unterkunft auf einem der Helikopter-Landeplätze - vom Frühstückstisch aus haben wie einen tollen Blick auf des Bergpanorama, dass auch hier wieder in einem kleinen See reflektiert wird, daher der Name).
Nachdem wir Ankes Heli Hiking-Tour gebucht haben, bleibt uns noch etwas Zeit. Die Straße zum Lake Matheson führt weiter zum ca. 15 km entfernten Gillespies Beach. Hier haben wir vom Strand der Tasman Sea einen überwältigenden Blick auf das Bergpanorama der Southern Alps. Auf dem Rückweg zum Ort passieren wir asiatische Touristen, die ihren Mietwagen abseits der Schotterpiste in einem Graben entsorgt haben. Verletzt schien niemand und der Abschleppwagen kam uns wenige Minuten später bereits entgegen.
Der Helikopter-Flug ist absolut spektakulär. Wir fliegen über die Moräne des 13,5 km langen Fox-Gletschers den Gletscherlauf hinauf, kreisen nah über einem ca. 20 m hohen Wasserfall, der aus dem Fels entspringt, und landen dann mitten auf dem Eis. Hier werden wir von einem Guide in Empfang genommen und mit Spikes und einem Stock ausgestattet. Der Guide führt uns über das 200 - 300 m dicke Eis -das angestrahlt von der Sonne, wunderschön blau leuchtet- zu dem Wasserfall. An steilen Eishügeln werden zunächst "Treppenstufen" ins Eis gehauen. Der "Eisstrom" des Gletschers -scheinbar erstarrt- wandert in einem atemberaubenden Tempo (zur Zeit 4 m/Tag, 10mal schneller als in den Schweizer Alpen), wodurch sich eine absolut phantastische Eislandschaft mit metertiefen Schluchten, Eiswasserpfützen und blau leuchtenden Höhlen bildet.
Beim Wasserfall, am Rande des Gletschers, zeigt sich das Eis in besonders bizarren Formen mit meterhohen stalagmitenähnlichen Eisbergen. Die Klettertour in eine der größeren der Höhlen ist absolut spektakulär. Per Helikopter geht es wieder zurück in das grüne Tal. Von oben sieht man sehr schön, wie der Gletscher langsam in einen Fluss übergeht und sich durch ein enges Tal bis zum Meer zwängt.

Während Anke auf dem Gletscher war, ist Detlef zur Gletschermoräne gewandert. Hier ist das Eis bei weitem nicht so spektakulär wie oben, da es durch das Mitführen von Sand und Gestein nicht mehr ganz so hell leuchtet. Dennoch ein lohnenswerter Ausflug, bei dem man auch sehen kann, wie viele Kilometer weiter der Gletscher vor einigen hundert Jahren bereits war.

Nach den schönen Erlebnissen fahren wir ohne weitere Zwischenstopps nach Hokitaki. Das uns empfohlene B & B (Gold & Green bei Helen & John, 10 km außerhalb von Hokitaki) mit Blick auf das Tasmanische Meer ist klasse. Wir genießen ein erholsames Picknick mit Meerblick und einem watertouch sunset. Nach einem Tee mit unseren Gastgebern, führt uns John zu einer Glowworm cave - ein absolut interessantes Naturerlebnis mit vielen Erläuterungen zu den Glowworms (nicht verwandt mit den europäischen Johanniskäfern, sondern eine eigene Spezies. Was an den Höhlenwänden glimmt sind die Larven eines mückenähnlichem Insekt; mit klebrigen Fäden fangen diese - vom Licht angelockt - Insekten) zahlreichen Pflanzen (riesige Fuchsien und Rhododendren) und dem Sternenhimmel (Kreuz des Südens).

11.03.2002 Hokitaki - Abel Tasman National Park

Nach einem ausgiebigen Frühstück treten wir unseren Autofahrtag zum Abel Tasman National Park an. Die Küste wird immer schroffer. Eine wundervolle Kalksteinlandschaft mit bizarren Felsformationen, natürliche Steinbrüchen und tiefen Höhlensystemen haben sich hier gebildet. Starke Regenfälle und unterirdische Flüsse arbeiten immer weiter am weichen Gestein.
Den ersten Stopp legen wir zwischen Greymouth und Westport im Paparoa National Park bei Punakaiki ein: "Pancake Rocks". Bizarres Sedimentgestein, dessen Schichten wie gestapelte Pfannkuchen wirken. Die starke Brandung lässt das Wasser der Tasman Sea in sogenannte "Blow Holes" wie Geysire emporschießen (sehen wir trotz Flut leider nicht).

Am Cape Foulwind, kurz vor Westport, besichtigen wir eine Pelzrobbenkolonie an den Felsen der Tauranga Bay. Die Tiere, die sich farblich kaum von den Felsen abheben, sind leider nur aus 20 m Entfernung zu sehen.
Weiter führt unsere Fahrt über Westport nach Murchison. In der Schlucht bei Inangahua Junction befand sich das Epizentrum des großen Erdbebens (Stärke 7) von 1968. Spuren hiervon sind noch zu erkennen.
Eine Vielzahl weiterer Spots sind auf unserer Karte verzeichnet. Für Kiwis wahrscheinlich so unbedeutend, dass nicht einmal ein Schild aufgestellt wird. Die zahlreichen (nachgebauten) Goldgräberstädte lassen wir ebenfalls links liegen.
Unser Quartier in Tasman haben wir bereits für zwei Tage telefonisch vorgebucht. Uns bleibt noch etwas Zeit und wir fahren auf die zu Nelson gehörenden "Rabbit Island". Hier finden wir einen sehr breiten - aber unglaublich windigen- Strand (13 km lang) mit feinem dunklen Sand vor. Wir genießen -etwas windgeschützt- die Sonne und beobachten die halsbrecherischen Fahrten der Parasurfer vor der schönen Skyline der Tasman Bay. Unser B & B (Kina Kolada) liegt etwas erhöht in Tasman. Von hier aus hat man einen tollen Blick auf die Bucht. (Empfehlenswert! Betrieben von einem deutschen Paar. Schöne, ruhige Lage, Salzwasserpool, und vieles mehr.) Zum Abendessen fahren wir in das 10 km entfernte Mapua. Im "Smoked House", direkt am Bootsanleger, genießen wir ein phantastisches Fish-Dinner mit Blick in die Bucht.

12.03.2002 Abel Tasman National Park

Heute steht eine Wanderung im Abel Tasman National Park an - dem kleinsten Nationalpark Neuseelands, der nur per Boot, zu Fuß oder per Helikopter zu erreichen ist. Auf der Fahrt nach Motueka liegen zahlreiche Obstplantagen, Tabak- und Hopfenfelder sowie einige Weingüter. Von Kaiteriteri aus lassen wir uns mit dem Wasser Taxi zur Bark Bay bringen. Auf der einstündigen Fahrt bei ruhiger See erschließt sich uns die wunderschöne Küste mit idyllischen Buchten und goldgelben Sandstränden. Das blaugrüne Wasser kontrastiert eindrucksvoll mit dem feinen, hellen Sand. Die zweieinhalbstündige Wanderung auf dem Abel Tasman Coastal Track (gehört zu den Great Walks) zur Anchorage Bay führt relativ hoch durch das grüne, gebirgige Hinterland und bietet schöne Blicke in die türkisfarben leuchtenden Buchten. In der Torrent Bay angekommen ist das Wasser durch die Ebbe schon vollkommen zurückgegangen. Wir nehmen - zusammen mit einem englisch/irischen Paar, das wir unterwegs kennengelernt haben- die Abkürzung zur Anchorage Bay durch das Watt - eine ziemliche matschige Angelegenheit.

Nach einem erholsamen Sonnenbad und einer Abkühlung in der Tasman Sea werden wir von dem bestellten Wassertaxi wieder abgeholt und lassen den Abend mit einem schönen Picknick im Kina Colada B & B ausklingen.

13.03.2002 Abel Tasman National Park - Marlborough Sounds - Blenheim

Nach einem Abstecher nach Mapua, einem kleinen Ort in dem sich viele Künstler niedergelassen haben und ihre Kunst in Galerien ausstellen, geht es weiter in Richtung Marlborough Sounds. Der Ort Nelson ist uns keinen weiteren Stopp wert, dafür ist die ca. 75 km lange Fahrt nach Havelock (Zentrum neuseeländischer Muschelzucht) durch das Wakamarina Valley sehr reizvoll. Auf dem kurzen Cullen Point Walk -kurz hinter Havelock- erschließt sich uns ein schöner Ausblick in die Sounds, die in der Sonne türkisfarben leuchten.

Die an der Nordspitze der Insel gelegenen Marlborough Sounds sind nach der letzten Eiszeit entstanden, als der steigende Meeresspiegel die Täler versinken ließ.

Weiter geht es Richtung Picton. Auf der Strecke haben wir einen schönen Blick in den Queen Charlotte Sound. Die ca. 40 km scenic dirt road weiter nach Blenheim mit Blick in die Karaka Bay ist ziemlich kurvig und anstrengend zu fahren.
Die entgegenkommenden voll beladenen Holztransporter sind auch nicht ganz zu verachten.

In Blenheim angekommen suchen wir uns ein schönes Quartier auf dem Vineyard Thainstone (120 Giffords Road), nur wenige Kilometer vom berühmten Weingut Cloudy Bay entfernt.
Zunächst gibt es -anstatt 5 o`clock tea- eine Weinprobe, begleitet von sehr unterhaltsamen Geschichten der weit gereisten Besitzer (ehemaliges Lehrerehepaar). Unser Dinner nehmen wir im 3 km entfernten Vineyard Restaurant Gibb´s Cairnbrae (Jackson Road) ein und genießen bei ordentlichem Essen einen exzellenten Sauvignon Blanc vom kleinen Weingut Herzog (handgelesene Trauben). Sehr empfehlenswert, leider auch der teuerste Sauvignon vor Ort! Unsere Begeisterung für den Wein veranlasst ein amerikanisches Ehepaar zu einem Tauschgeschäft, wobei wir qualitativ den Kürzeren ziehen.

14.03.2002 Blenheim - Picton -Interislander Ferry - Wellington - Ohakune

Nach dem Frühstück fahren wir zur Weinprobe zu Cloudy Bay. Leider ist das Weingut selbst nicht zu besichtigen, so dass wir lediglich unseren Alkoholpegel vom Vorabend wieder etwas auffrischen. Selbiges gilt für das nahe gelegene Weingut Hunters.
Es ist zu früh für weitere Weinverkostungen, so dass wir direkt nach Picton fahren. Eine frühere Fähre können wir leider nicht mehr nehmen. Nach einer kurzen Stadtbesichtigung reihen wir uns in die Autoschlange vor der Interislander Fähre ein. Gut, dass wir reserviert haben, denn die Fähre scheint voll ausgebucht zu sein.

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