PecuniaOlet

Aus der Reihe: Grün und Vernunft

Ich weiß nicht, ob dieser Mann noch immer Mitglied der Grünen ist, jedenfalls ist  er mir schon häufiger positiv aufgefallen (wie auch Boris Palmer) , weil er weder zu den "Jakobinern" noch zu den (bewusst oder unbewusst?) "Banksterschergen" gehört.

"Aber diese Vermutung wäre wahrscheinlich eine Fehlspekulation, denn das Thema Zins insbesondere mit den Aspekten Ursachen und Wirkungen ist genauso wie das Thema Bodenrecht in einem kollektiven Verdrängungsprozeß tabuisiert worden. Das heißt nicht, daß über den Zins nicht gesprochen wird. Sondern es besagt, daß über den Zins nur so gesprochen wird, daß seine gesellschaftszersetzende Wirkung nicht erkennbar wird. Auch Professoren der Gesellschaftswissenschaften, besonders der Ökonomie, betätigen sich im allgemeinen im Themenzusammenhang nicht als Tabubrecher. Gunnar Heinsohn spricht in einem Essay mit dem Titel "Zins, Hexen, Habermas Gesellschaftserklärung oder Wirklichkeitsverleugnung" gezielt dieses Tabu an. In der Auseinandersetzung mit dem zweibändigen Werk mit 1166 Seiten und dem Titel "Theorie des kommunikativen Handelns" von Jürgen Habermas, also ein soziologisches Werk, das das Wissen der speziellen Gesellschaftswissenschaften zusammentragen soll, kritisiert Heinsohn, daß der Begriff Zins

nicht einmal vorkäme, obwohl er in der Realität eine dominierende Rolle hätte. Heinsohn schreibt wörtlich: "Wenn also über die Gesellschaft dicke Bücher geschrieben, vom Zins aber geschwiegen wird, so läßt sich das nicht aus mangelnder Intelligenz der Beteiligten erklären. Im Gegenteil, es bedarf überdurchschnittlicher geistiger Kompetenz, um die Art von Soziologie zu betreiben, für die Jürgen Habermas zweifellos das brillanteste Beispiel gibt. Wir dürfen also vermuten, daß etwas anderes am Werke ist als mangelnde Gescheitheit, wenn das am deutlichsten sichtbare Phänomen dieser Gesellschaft nicht gesehen, sondern man muß es so nennen verdrängtwird."

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"Eins wird von den Zinsbefürwortern immer übersehen. Es wird argumentiert, der Gläubiger leiste einen Verzicht auf Gegenwartsgüter zugunsten von Zukunftsgütern und er ginge als Kreditgeber ein Risiko ein, weil der Schuldner ja im Laufe des Schuldverhältnisses ein säumiger werden könne oder gar ein zahlungsunfähiger.Umgekehrt ist die Argumentation stimmiger: Der Kreditnehmer transportiert Ansprüche des Gläubigers an den Markt, die dieser in der Gegenwart nicht abrufen will, in die Zukunft. Da dieser Vorgang aus der Sicht des Schuldners eine Leistung ist und mit einem erheblichen Risiko verbunden ist (er kann sich nicht nur in seinen Fähigkeiten und der Marktsituation verschätzen, sondern er kann vor allem nicht das Maß jener Störungen vorherbestimmen, die von Regierung und Notenbankausgehen), müßte er die Tilgung mit einem Abschlag, einem Negativzins vornehmen können. Wenndas Aufnehmen eines Kredites vorteilhafter ist als das Einräumen eines Kredites und der Kreditnehmer diesen Vorteil dem Kreditgeber durch den Zins entgelten muß, warum müssen dann die Leute zum Schuldenmachen verführt werden? Im Kreditgeschäft kann der Gläubiger sein Vermögen, aber der Schuldner sein Vermögen und seine Freiheit je nach Haftungssituation) verlieren. Denn in der Regel muß der Schuldner für den Kredit, den er erhält, Sicherheiten stellen. Tritt die Situation ein, daß die Pfänder verwertet werden müssen, erleidet das als Sicherheit verpfändete Vermögen in der Zwangsversteigerung einen rapiden Wertverfall. Der Schuldner ist sein Vermögen los und ist meistens weiterhin mit einem erheblichen Teil seiner Schulden belastet. Er ist dann nicht mehr Herr seiner selbst, sondern ein Sklave, der von Schuldeneintreibern getrieben wird. Da die Zinsen weiterhin bezahlt werden müssen, wachsen im Regelfall auch seine Schulden."

Tristan Abromeit (einer der "Gründerväte"r der Grünen  aus: "Der Zins im Schatten des gesellschaftlichen Bewusstseins") userpage fu-berlin