PecuniaOlet

I´ve got friends in low places

Es war im Sommer 1984, als ich den angenehmsten Job antrat, den ich je hatte. An einem großen Badesee unserer Umgebung wurde für 6 Wochen während der Hauptsaison seitens der Stadt die Stelle eines "Aufsehers" ausgeschrieben, die vakant geworden war, weil sich bis dato dafür zuständige Stadtarbeiter weigerten, diesen Job weiterhin auszuführen, nachdem sie des Öfteren Prügel bezogen hatten. Gerade 18 geworden, nahm ich diese Tätigkeit als Ferienarbeit an. Entlohnung waren 2000 DM, schlechtes Wetter Risiko der Stadt. Meine Aufgabe war es unter anderem, amerikanische GI´s dazu zu bringen, ihre mitgebrachten, riesigen Ghetto-Blaster auf eine für die älteren Badegäste erträgliche Lautstärke zu reduzieren und sie anzuweisen, die gigantischen Mengen an Budweiser-Dosen am Ende des Tages in die Abfallkörbe zu entsorgen.

Im Prinzip hing ich den ganzen Tag über mit Kumpels am See ab, unterbrochen von gelegentlichen Rundgängen um den See, während denen ich von deutschen Badegästen angehalten wurde, verschiedene andere Gäste zur Ordnung zu rufen. Einige störten sich an freilaufenden Hunden, andere an zu lauter Musik, manche, weil die Nackten aus dem FKK-Bereich zu nahe kamen, oder Frisbee-Scheiben und Fußbälle.

In diesen Wochen schloss ich viele Freundschaften mit GI`s, mit denen ich gut zurecht kam, und die sich bis auf wenige Ausnahmen stets fair verhielten. Unter ihnen waren auch einige "schwere Jungs", teils auch aus der "Bronx", die die Wahl gehabt hatten, entweder in den Knast zu gehen oder in die Army. Auch in ihnen schlummerte unter der harten Schale  meist ein weicher Kern. Wir gingen abends gelegentlich einen heben, besuchten die eine oder andere Diskothek und das Deutsch-Amerikanische Volksfest, wo die Hamburger deutlich besser schmeckten als bei McDonalds. Sie versorgten uns mit billigen Zigaretten, "Fruit of the Loom" Sportklamotten und T-Shirts für 2 Mark. Einige wenige unter ihnen gründeten eine Familie und sind immer noch hier.

Als dann Jahre später die Kasernen geräumt und umgebaut wurden, kamen anstelle der Amerikaner eine Unmenge russischer Aussiedler, die mir zumeist ungehobelt und unzivilisiert vorkamen, und ich bedauerte den Abzug der Amis. Im Laufe der Zeit jedoch, hatten sich die Russen gut integriert, und ich lernte auch deren Subkultur zu schätzen und erfuhr Interessantes aus dem Alltagsleben  der ehemaligen Sowjetunion. 

Politik hat mich damals nicht im geringsten interessiert, weil ich immer nur auf die einzelnen Menschen achtete. Heute ist mir Putin sympathischer als Obama und Schirinowski lieber als McCain. Vor Irrtümern ist man jedoch nie sicher.Eines jedoch weiß ich genau: "I´ve got friends in low places" - und das waren mir meist die liebsten. Völker trennt nur Politik und religiöse Verirrung. Ohne weltliche und geistige Eliten, ohne selbsternannte Führer, kämen wir alle miteinander zurecht oder würden uns zumindest "zusammenraufen". 

Wir brauchen Euch nicht!