Reisebericht

Ibiza zu Ostern

Während auf Ibiza die Natur in voller Pracht erwacht und der Sommer sich mit großen Schritten ankündigt, werden, wie auf den Inseln auch, zur Osterzeit die Karwoche in ganz Spanien mit besonderer Intensität begangen. Auf Ibiza und Formentera bereitet man sich lange und mit Hingabe auf die tief berührenden Prozessionen der Semana Santa vor.

Die Stimmung ist schwer in Worte zu fassen. Kinder laufen durch die Menge der dicht gesäumten Straßen, Alte sitzen auf Stühlen, warten. Das orange-gelbliche Licht der Laternen taucht die Szene in ein fast altertümliches Licht. Das Raunen in der Menge wird immer wieder unterbrochen –war da irgendwo der erste tiefe Schlag einer Trommel? Das leichte Krächzen der typischen Blasinstrumente? Dann wird es unverkennbar. Leise kommen die schweren, klagenden Musikklänge näher.

Die Menschen verstummen. Von der Kathedrale in Dalt Vila und von der Wehrkirche in Santa Eulària brechen sie auf, die maskierten Gläubigen, auf ihren Schultern tragen sie die unendlich schweren, kostbaren und mit Hingabe verzierten Heiligenfiguren. Die Kette der Prozessionen reißt nicht ab. Sie gehen den Kreuzweg, begleitet von dieser klagenden Musik, die aus einer längst vergangenen Zeit kommt. Die Gläubigen sind maskiert. Ihre Gesichter zählen nicht bei dieser Ehrung des gemarterten Christus. Viele laufen sogar barfuß.
Die Menschen, die die Prozessionen säumen, verstummen, viele bekreuzigen sich. Und selbst in den Gesichtern der nichtgläubigen Schaulustigen spiegeln sich melancholische Emotionen.

Die Semana Santa zeigt die Pityusen ganz anders – stiller, harmonischer, nachdenklicher. Man muss es einfach erleben. Die Menschen erwecken den Leidensweg und die Kreuzigung Christi wieder zum Leben, nicht nur in ihren Gedanken – auch in der Realität, wenn der Sohn Gottes sich unter der Last des Kreuzes durch die Straßen Santa Eulàrias den Kirchhügel hinaufschleppt, bewacht durch die römischen Truppen, beweint von seinem Volk. Der Leidensweg wird begleitet von hunderten Menschen. Der Pfarrer bleibt an jeder Station des Kreuzweges stehen, erzählt die Geschichte, dann wird kurz zusammen gebetet. Bis am Ende der tote Körper Jesu in die Kirche getragen wird.

Schon fünf Tage vorher wird der Einzug Jesu nach Jerusalem gefeiert. Es ist Palmsonntag. Zu Ehren dieses Tages sind die Kirchen mit kunstvoll geflochtenen Palmwedeln geschmückt. Wochenlang dauern die Vorbereitungen. Jeden Tag flechten die Gemeindemitglieder bis tief in die Nacht diese Kunstwerke, die an das Volk Jerusalems erinnern, das den Einzug ihres Heilands vor fast 2000 Jahren mit Palmwedeln säumte. Die kunstvollen Flechtarbeiten aus dem jungen Palmgrün werden in der Sonntagsmesse in den Kirchen der Inseln gesegnet. Auch diese Tradition ist ein ganz besonderes Erlebnis in der Osterzeit.

Sie alle sind herzlich eingeladen, die Traditionen und berührenden Zeremonien der Semana Santa selbst zu erleben.

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