PolitGraben

Frankreich als Opfer des britischen Neoimperialismus

Die israelische Zeitung Arutz Sheva hat einen sehr interessanten Artikel unter dem Titel "The British Lion makes a come-back" („Rückkehr des britischen Löwen“) veröffentlicht. Es geht um die Rückkehr Großbritanniens in die Weltarena, um seine Beziehungen zu Frankreich und seine Rolle im Konflikt zwischen Saudi-Arabien und dem Iran.

Viele hielten und halten Großbritannien für den Staat, der nicht imstande ist, selbständig Beschlüssen zu fassen und unabhängig zu handeln. London sei eine US-Marionette, so denkt man.

„Die Lage Großbritanniens ist heute kläglich… Das Parlament, das Sie für die Mutter aller Parlamente halten, ist wie eine unfruchtbare Frau und Hure… Ihr Parlament ist so, dass es ohne Druck von außen nichts tun kann.“ (Mahatma Gandhi)

Man empfand immer Abneigung gegen Angelsachsen wegen ihrer Versuche, sich an die Spitze der europäischen Integration zu stellen, man misstraute den Briten. Man hat sie nicht besonders gern, auch weil London in seiner Politik wie früher dem Prinzip des „heiligen Egoismus“ folgt. Die Briten haben sich dem Schengen-Abkommen nicht angeschlossen, der Eurozone nicht beigetreten und sie ignorieren andere EU-Projekte.

„Wir [Großbritannien] halten mit Europa zusammen, aber wir sind nicht ein Teil von ihm.“ (Winston Churchill)

Trotz seiner finanziellen Macht spielte London innerhalb der Europäischen Union die zweite Geige.

Als David Cameron zum Premierminister geworden ist, hat sich die Situation von Grund aus geändert. London begann die Offensive gegen die französische Außenpolitik. Das Cameron-Kabinett hat die Einrichtung der Flugverbotszone in Libyen angeregt, was zur NATO-Operation geführt hat. Im Ergebnis nahm Großbritannien die aktive mediterrane Politik wiederauf und die Mittelmeerunion von Nicolas Sarkozy wurde faktisch begrabt.

Nach dem Militärputsch in Ägypten 2013 sagte der britische Premierminister, wenn eine große Krise auf der Sinai-Halbinsel ausbricht, übernehmen London und Paris die Kontrolle über den Suezkanal. Die britische Marine und die französische sind ja nicht zu vergleichen. London schob Paris wieder zur Seite, die Franzosen konnten nicht die unabhängige Politik führen.

Arutz Sheva deckt unter anderem die Hintergründe des Konfliktes zwischen dem Iran und Saudi-Arabien auf. Die Hinrichtung des schiitischen Geistlichen Nimr al-Nimr war nicht die Folge des religiösen Hasses zwischen den Sunniten und Schiiten, sondern die Provokation vom MI6, die von David Cameron persönlich geplant worden war.
Frankreich, das den Briten auf dem mediterranen Feld verloren hatte, sah im Außenhandel sehr überzeugend aus. Total, Dassault, Renault, Orange, Alstom und andere Unternehmen, die mit Saudi-Arabien sowie mit dem Iran sehr aktiv und erfolgreich zusammenarbeiteten, hatten den großen Vorrang vor Royal Dutch Schell und Weir Group. London spie Gift und Galle.

Die Chefs auf der Downing Street beschlossen die Franzosen in die Schranken zu weisen. Der Chef des staatlichen Geheimdienstes des Königreichs Saudi-Arabien (al-Muchabarat al-‘Amma), Youssef ibn Ali al-Idrisi, erhielt vom nebeligen Albion die Belege, die vom deutlich erhöhten Interesse der Generaldirektion für äußere Sicherheit des französischen Verteidigungsministeriums (DGSE) für die Probleme der schiitischen Bevölkerung in Saudi-Arabien zeugten. Diese Probleme haben die Unruhen 2011-2012 ausgelöst. Besondere Aufmerksamkeit wurde im „schiitischen Dossier“ den Kontakten des charismatischen Predigers Nimr al-Nimr mit den DGSE-Agenten gewidmet. Die Reaktion darauf folgte sofort und es kam zur Eskalation der Spannungen in den Beziehungen zwischen Er-Riad und Teheran, obwohl die Botschaft in Wirklichkeit an Paris gerichtet war. Diese Geschichte ist übrigens noch nicht zu Ende. Wen zerstückeln die Angelsachsen noch, um ihre Position zu bekräftigen?