Ibizas Fischer

Abends kommen die Fischerboote zurück in den Hafen, gefolgt von Möwen, die auf Futter warten. Wer sind diese Männer, die fast bei jedem Wetter hinaus fahren? Wie leben sie auf dem Meer – und mit dem Meer? Wir haben die Crew der TANIT DOS, aus Sant Antoni beim Fang auf dem Meer begleitet

Morgens 3.15 Uhr im Hafen von Sant Antoni. Im Westend ist trotz der etwas kühlen Temperaturen noch Betrieb. Bei gerade mal elf Grad schwanken ein paar leicht bekleidete Urlauber durch die Nacht. Für die vierköpfige Besatzung des Fisch-kutters TANIT DOS, mit der wir heute vor der Küste Sant Antonis auf Tour gehen werden, ist dieses sommerliche Spektakel ein alltägliches Bild. Auf die Fischer wartet weder das Vergnügen, noch das Bett: Vor ihnen liegt ein knallharter Arbeitstag.

Die TANIT DOS ist zum Auslaufen bereit. Kapitän José Luis Riera lässt die Dieselmotoren warm laufen. Toni und Pepe machen die Leinen los. Der Wetterbericht sagt leichten Wind voraus, das Meer wird ruhig bleiben. José Luis manövriert das 21 Meter lange Boot aus dem Hafen. Heute geht es Richtung Es Vedrà. An anderen Tagen zieht es die Fischer Richtung Portinatx oder Sant Miquel. Die Mole und die vergnügungshungrigen Urlauber bleiben im Dunkel der Nacht zurück. Es ist jetzt 3.27 Uhr …

José Luis hat es sich auf der Brücke gemütlich gemacht. Auf seinem Chefsessel, einem ausrangierten Autositz, hockt er wie auf einem Thron. Trotz der frühen Stunde ist sein Blick aufmerksam auf das Meer und die Monitore gerichtet. Der Kapitän gibt Gas. Der Fischkutter rollt und schaukelt, Bewegungen, die dem Magen einer Landratte leicht zusetzen können.

Deshalb haben sich die Kollegen Mike und Sara – noch bevor sie überhaupt einen Fuß an Bord des Fischkutters setzten – gleich zwei Tabletten gegen Seekrankheit einverleibt. José Luis amüsiert sich darüber. Nach dreißig Jahren auf dem Meer kann ihm dieser sanfte Wellengang gar nichts mehr anhaben. Obendrein kommt er aus einer Fischerfamilie, schon der Urgroßvater war Fischer. Das Meer liegt ihm sozusagen im Blut. Der Fischfang ist immer noch eine Familienangelegenheit: Die TANIT DOS, das größte Fischerboot von Sant Antoni, gehört José Luis und seinem Bruder Antonio, der sich an Bord um die Maschinen kümmert.

Die Lichter der Bahía Sant Antoni ziehen vorbei, der Leuchtturm auf Conejera liegt Steuerbord. Dutzende von zeternden Möwen haben sich an das Heck des Kutters geheftet. Pepe stellt den Autopiloten ein und lehnt sich zurück. „Das Boot kennt den Weg“, scherzt er. Auf entgegenkommende Schiffe muss der Kapitän allerdings selber achten, doch um diese frühe Uhrzeit herrscht auf dem Meer weder Berufs- noch Ausflugsverkehr. Bei ruhiger See ist die Route zu den besten Fischgründen daher eher als ruhig und beschaulich zu bezeichnen, denn als rauhe Seefahrt.

Wenn das Wetter es erlaubt, fahren die Fischer von Montag bis Freitag raus. Ihr Wecker klingelt jeden Morgen gegen 2.30 Uhr, maximal schlafen sie drei oder vier Stunden pro Nacht. Der Arbeitstag der Fischers ist lang, mindestens zwölf Stunden sind sie unterwegs. Reißt das Netz oder gibt es ein Motorproblem, können daraus auch mal mehr als 15 Stunden werden. Da bleibt im Sommer meist nur am Wochenende Zeit für das Familienleben, und im Winter beschert das schlechte Wetter einige zusätzliche freie Tage.

Das gleichmäßige Dröhnen des Motors macht schläfrig, die rollenden Bewegungen des Schiffs haben den gleichen Effekt wie eine Babywiege. Die Besatzung hat sich in die Koje begeben. Bis das Netz ausgeworfen wird, muss nur der Kapitän wach bleiben. Fotograf Mike und Kollegin Sara legen sich auf die harten Bänken der Kombüse, erste Anzeichen von Seekrankheit machen sich bemerkbar. Die TANIT DOS tuckert an Conejera und den Inselchen Ses Bledes vorbei, das kristallklare Meer vor der Küste der Cala Comte liegt verborgen in der Dunkelheit.

José Luis plaudert über seine Arbeit. Wirklich gefährliche Situationen hat er in seiner Laufbahn noch nicht erlebt, allerdings musste er seinen Kutter aufgrund der Wetterkapriolen schon häufiger in den Hafen von Eivissa lenken statt nach Sant Antoni. Als verantwortungsvoller Kapitän darf man das Mittelmeer nicht unterschätzen. Berufserfahrung hilft, aber ein Restrisiko schippert immer mit. „Wenn du ein Auto nimmst und kannst nicht fahren, begibst du dich auch in Gefahr. Hast du dreißig Jahre Praxis, bist du sicherer unterwegs“, meint José Luis.

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