PecuniaOlet

Beruhigen Sie sich! - Wer heutzutage noch drei Kinder hat, ist selbst Schuld!

Dies sagte ein Vertriebsmanager einer großen "blauen", deutschen Versicherung unter Buhrufen einem besorgten Angestellten vor mehreren Jahren anlässlich einer Tagung, in der es darum ging, die von einer bekannten Unternehmensberatung umgesetzte "Umstrukturierung" der Gesellschaft den Mitarbeitern zu "verkaufen". 

"Verkauft" wurden indes die Mitarbeiter.

Der besorgte Familienvater war ein Kollege von mir, der sich wie ich und viele andere von diesem zwischenzeitlich mehr amerikanischen als deutschen Unternehmen nach mehr als zehnjähriger und erfolgreicher Vertriebstätigkeit freiwillig verabschiedet hatte.

Treffender hätte dieser führende Angestellte den durch "Shareholder-Value" bedingten menschenverachtenden Zynismus gegenüber Mitarbeitern (die er nicht einmal kannte) nicht zum Ausdruck bringen können.

"Shareholder-Value" und "Neoliberalismus" sind die größten Feinde der Selbstbestimmung eines Volkes - und damit der Demokratie. Zumindest was den Neoliberalismus anbelangt, äußerte dies sinngemäß auch dessen bekanntester Vertreter. "A democratic society once established, destroys a free economy." - Milton Friedman

Natürlich wird das Ganze den Bürgern möglichst so verkauft, dass sie glauben, es handele sich um die freieste Form der Gesellschaft schlechthin. "Schlanker Staat", "freie Märkte"....usw. Die Bürger sind dann so "frei", für diese "Märkte" zu haften und sie zu subventionieren. Das unterstellt man ihnen anscheinend, denn sie werden erst gar nicht gefragt.

Die überwiegende Mehrzahl der Bürger sind abhängig beschäftigte, zitternde Angestellte und Arbeiter. "Zitternd" deshalb, weil sie häufig auch bei Schüttelfrost noch zur Arbeit gehen, aus lauter Angst, ihren Arbeitsplatz verlieren zu können.

Dennoch fühlen sie sich die meisten als eine Art "Miniaturkapitalisten", denn sie können ja am großen Spiel teilhaben. Sie freuen sich über kleine Zinserträge auf ihren Sparvermögen (momentan zwar nicht), sehen aber nicht die versteckten und indirekten Belastungen durch Zinsen, die sie per saldo deutlich als Verlierer dastehen lassen. Sie halten den schlanken Staat für wichtig, weil durch Privatisierung und die regulierende Kraft der Märkte schließlich alles effizienter und kostengünstiger gestaltet werden kann.

Und sie hätten nicht einmal gänzlich Unrecht, wenn sie eines in ihrer Rechnung berücksichtigen würden: Den Menschen. Er trotzt beharrlich jeder Theorie. 

Solange wir eine Wirtschaft und ein Geldsystem haben, welchen die Menschheit wie Göttern zu dienen und zu opfern hat, sind alle Theorien nur eines. "Schall und Rauch" und "ein flüchtig Schattenspiel"!

 Aus Louis Rothschilds Taschenbuch für Kaufleute" aus dem Jahr 1900 :

"Unser Geldwesen wird, kurz gesagt, so behandelt, als wenn nicht das Geld da wäre umwillen der Produktion, der Wohlfahrt und der Menschen, sondern als wenn die Produktion, die Wohlfahrt und die Menschen nur ein Mittel im Dienste des Geldes wären. Das Geld wird also zum Zweck und Herrscher, ja zum Götzen Moloch erhoben, dem Menschenopfer, Menschenwohl in unübersehbarer großer Menge täglich dadurch gebracht werden, daß wir die Produktion als ein Verfahren betrachten, aus je 100 Thaler Wert mehr als je 100 Thaler zu machen und den Unternehmungen die Pflicht auflegen, nicht etwa möglichst viel, möglichst gute Sachen oder Dienste zu erzeugen, sondem vorausbestimmte feste Kapital- und Zinssummen abzuliefern. In unserm Geschäftsleben dreht sich alles um bestimmte Geldzahlungen und um die Möglichkeit, für Geld mehr Geld zu liefern, aus Geld mehr Geld zu machen, hingegen kommen Arbeit, Produktion, Wohlfahrt usw. nur soweit in Betracht, als sie dazu taugen, aus je 100 Thaler mehr als 100 Thaler zu machen."