Heiner Lauterbach

Heiner Lauterbach

 Heiner Lauterbach über 15 Stunden-Tage in der Kneipe und sein neues, nüchternes Leben. "Spießer ist für mich kein Schimpfwort"

Er trinkt nicht mehr, er raucht nicht mehr, er geht nicht mehr fremd - ist Heiner Lauterbach, 59, ein Spießer geworden? In BILD am SONNTAG antwortet er: "Meine Frau findet es absolut spannend, dass ich treu bin. Das ist vielleicht spießig. Wobei das für mich kein Schimpfwort ist. Ich habe schon zu meinen wildesten Zeiten gesagt, dass ich nichts gegen Spießer habe." Dann geht der Schauspieler, der im nächsten Monat sechzig Jahre alt wird, ins Detail: "Zumindest habe ich sehr spießige Ansätze. Wenn ich zum Beispiel ein bisschen mal will, weiß ich, wo meine Rotring-Stifte sind. Wenn mir eine Saite auf der Gitarre reißt, weiß ich, wo die Saiten liegen. Das ist unglaublich organisiert, macht mir aber wahnsinnigen Spaß. Vielleicht deshalb, weil mein vorheriges Leben so extrem unorganisiert war." Im Rückblick auf sein altes Leben, in dem Lauterbach "12 bis 15 Stunden am Tag in irgendeiner Kneipe verbracht hat" und entsprechend viel Alkohol konsumierte, sagt er: "Kalter Schweiß, schlapper Kreislauf, Todesangst - das kenne ich alles in diesem Zusammenhang. Besonders schwierig war: Man hat sein ganzes Leben auf diese Alkoholsäulen gebaut. Wenn man denen entsagt, fühlt man sich auf einmal wie am Ufer eines Meeres, wo die Ebbe kommt, man in deisem weichen Sand einsinkt und irgendwie den Halt verliert. Man muss sein komplettes Leben neu strukturieren, sich neue Freunde und Aufgaben suchen."