Reisebericht

La Palma, Isla Bonita - Vulkane, Guanchen, Sternengucker

La Palma, die Vulkaninsel, gilt unter den Kanaren als die "grüne Insel", als die "Isla Bonita"...

Santa Cruz de la Palma – El Paso - Los Llanos – Puerto Naos – Tazacorte und Puerto de Tazacorte

Morgens um vier Uhr, Flughafen Hannover: Die Kanarischen Inseln präsentieren sich zumindest auf der Anzeigetafel der Abflüge als das Ziel der Deutschen schlechthin. Von 4.50 Uhr ab gehen innerhalb von 25 Minuten gleich drei Maschinen auf die Kanarischen Inseln, die erste nach La Palma, die zweite nach Teneriffa und die dritte nach Gran Canaria. Im Laufe des Tages werden dann noch zwei Flieger folgen, beide nach Gran Canaria.

Im Vergleich zu Gran Canaria ist La Palma also noch „touristisch unerschlossenes Territorium".

Unsere Maschine startet als erste, allerdings nur nach Frankfurt, wo wir – ziemlich unerwartet für uns – umsteigen müssen. Um 10.45 Uhr Ortszeit – die westeuropäische – landen wir auf dem Flughafen der Inselhauptstadt Santa Cruz de La Palma. Über der ganzen Ostküste scheint eine dichte Wolkendecke zu liegen. Die Ostküste gilt auch in den Reiseführen als regnerisch.

La Palmas Flughafen macht einen eher beschaulichen Eindruck. Die einstöckige rötliche Abfertigungshalle ist mit kleinen Erkern im traditionellen Baustil errichtet – und mehr als eine Maschine kann hier auch nie abgefertigt werden. Für das eingehende Gepäck gibt es auch nur ein Förderband. Grenzkontrollen finden erst gar nicht statt.

Wir nehmen unseren Leihwagen in Empfang und machen uns auf unseren Weg nach Tazacorte auf der gegenüberliegenden westlichen Inselseite. Für die Tour über die Berge – auf gut ausgebauten, aber kurvigen Straßen, auf denen in den höheren Lagen manchmal die Wolken oder Nebelschwaden liegen - benötigen wir etwas über zwei Stunden, was allerdings auch daran liegt, dass wir uns als Ortsundkundige schließlich ziemlich verfahren.

Die Insel ist tatsächlich so grün, wie es die Prospekte versprechen: Wir kommen an weiten Bananenfeldern vorbei, an dicht bewaldeten Tälern, sehen am Straßenrand mitunter sogar vereinzelte Kakteen. Palmen sind dagegen eher selten.

Zwei ineinander übergehende Ortschaften, El Paso und Los Llanos, liegen auf unserer Strecke. Vor allem Los Llanos hinterlässt dem Besucher einen geradezu städtischen Eindruck. Entlang der Hauptstraße, in der Mitte mit einem gepflegten Baumstreifen versehen, stehen moderne dreistöckige Mietshäuser mit Geschäften in den unteren Etagen – also alles andere als das Bild von weltabgeschiedenen Inseldörfern.

Auch Tazacorte, die kleinste Inselgemeinde und früher auch als „Klein-Paris" bezeichnet, zeigt sich als gepflegte und geputzte Kleinstadt, umgeben von Bananenfeldern, die bis in den Ort hineinreichen. Auch unser Hotel, die „Finca Tagomate", eine frühere Bananenpackerei, erst vor wenigen Jahren zur Appartementanlage umgebaut, liegt in einem solchen Bananenfeld. Allerdings verpassen wir die Einfahrt und fahren zunächst weiter bis nach Puerto Naos, einem Touristenzentrum mit Hotelanlagen und Bars und Restaurants, das etliche Kilometer weiter südlich liegt.

Mit einiger Verspätung kommen wir dann aber doch noch in unserer Anlage an – und brechen nach einer Eincheck-Pause nach Puerto de Tazacorte auf, ein Fischerdörfchen, das nun einige Kilometer nördlich von Tazacorte liegt.

Der Hafen, eine kleine Bucht, auf einer Seite von einer Betonmauer geschützt, ist noch ein ursprünglicher Fischerhafen, in dem man vergeblich nach Touristen-Yachten Ausschau hält. Dafür liegen hier Dutzende von kleinen Booten, viele davon reine Ruderboote, mit denen die Fischer auf See hinausfahren. Zumindest an einem Stand werden aber auch Delfin-Touren und Ausfahrten für Touristen angeboten.

Gleich neben dem Hafen liegt einer der Badstrände von Tazacorte: Es sind aber nur wenige Gäste, die auf dem schwarzen Sand liegen.

Am Ende des Ortes entseht ein neues, aber doch überschaubares Touristenzentrum: Eine Strandpromenade ist im Bau, etliche Restaurants sind schon da. In einem davon essen wir ein Eis, fahren dann in die „Finca Tagomate" zurück.

Donnerstag, 16. März 2000: Puerto Naos

Um 10.30 Uhr gibt es von der TUI für die Neuankömmlinge eine Info-Veranstaltung im Hotel „Sol Elite" in Puerto Naos.

Das Sol Elite, eine vierstöckige Vier-Sterne-Anlage, ist das größte Hotel er Insel, gelegen an einem schwarzen Lavastrand – wobei die Hotelgäste selbst natürlich auf den Pool zurückgreifen können.

Von dem Fischerdorf, das Puerto Naos gewesen soll, ist außer einigen kleinen Booten in einer winzigen Ausbuchtung am Rande des Strandes nicht mehr viel geblieben. Immerhin sieht man trotz aller Modernisierungsmaßnahmen einigen der bescheideneren Häusern in den steil hinaufgehenden Gassen an, dass sie vor dem touristischen Bauboom entstanden sein dürften.

Das Leben spielt sich nun also an der neuen Strandpromenade ab, wo ein Restaurant-Kiosk neben dem anderen steht, weitere Appartementhäuser errichtet worden und es auch Tickets für die Attraktion des Ortes gibt: Fallschirmgleiten von dem Plateau der naheliegenden Höhenzüge.

Das ursprüngliche La Palma ist aber auch in dieser Touristenhochburg noch allgegenwärtig: Fast bis an die Hotelanlagen heran reichen die Bananenfelder. An den Berghängen selbst wurden Terrassen für den Bananenanbau gelegt – und auf vielen Feldern werden die Gewächse durch Plastikplanen vor der heißen Sonne geschützt.

Den besten Überblick über die langgezogene Bucht von Puerto Naos hat man dabei von einem Aussichtspunkt an der Straße, dem „Mirador de Puerto Naos".

Im „Sol Elite" treffen wir übrigens einen Kollegen von mir, mit dem wir uns für den Abend verabreden. Wie klein die Welt doch ist!

Den Nachmittag verbringen wir faul am Pool unserer Finca Tagomate.

Freitag, 17. März 2000: Fuencaliente – Volcán de San Antonio – Punta de Fuencaliente – Volcán de Teneguia

Der Weg von Tazacorte nach Fuencaliente – wir brechen etwa gegen 10 Uhr auf – führt über die Berstraße an San Nicolás vorbei, eine Route, an der mehrere Aussichtspunkte zum Stopp einladen. Über Kiefern, Drachenbäume und auch Kakteen blickt man auf die weiter unten liegenden Bananenplantagen und die Steilküste.

Fuencaliente, eine kleine, aber saubere Ortschaft mit schmucken weißen Häusern, ist der Ausgangspunkt unserer Vulkan-Route, die uns zunächst zum „San Antonio", dem im 17. Jahrhundert zum letzten mal ausgebrochenen „Hausvulkan" des Ortes führt. Der San Antonio ist bequem mit dem Auto zu erreichen, nur wenige hundert Meter unterhalb von Fuencaliente gelegen.

Vom Parkplatz aus geht es nun ein paar Schritte hinauf auf den runden Kraterrand: Das Bild innerhalb des Kraters, wo wieder ein allerdings schütterer Kieferwald entstanden ist, hat nicht den geringsten Schein von Bedrohlichkeit an sich, wirkt geradezu friedlich. Vom Gipfel des San Antonio blickt man auf die beiden Leuchttürme von Punta de Fuencaliente, dem südlichsten Punkt der Insel, und natürlich wieder auf die Bananenfelder an der Südwestküste. Zwischen dem San Antonio und Punta de Fuencaliente dagegen erstreckt sich ein scheinbar lebloses, schwarzes Lavafeld.

Durch diese Landschaft führt nicht nur ein Wanderweg, sondern auch eine Straße, die sogar ordentlich asphaltiert, allerdings auch extrem kurvenreich ist. An etlichen Stellen des Lavafeldes sind die Steine bereits zu Staubkörnern zerfallen, so dass man den Eindruck hat, man fahre an kohlrabenschwarzen Kohleflözen vorbei.

Das letzte Stück hinunter zu den Leuchttürmen ist nur noch eine Schotterpiste.

Der ältere der beiden Leuchttürme, vielleicht zehn Meter hoch, befindet sich bereits im Stadium der Zerfalls, hat, außer seiner bizarren Umgebung, eigentlich auch nichts Besonderes an sich. Unterhalb der Leuchttürme stehen einige Bretterbuden und, unmittelbar an dem Steinstrand, ein kleines Fischrestaurant, wo wir gut, aber auch recht teuer essen.

Danach fahren wir zurück auf die Hauptstraße, nehmen den Weg an der Küste entlang, in dem Glauben, hier auf die Auffahrt zum Volcàn de Teneguia zu stoßen.

Die schmale Straße am Meer ist links und rechts von Bananenplantagen umgeben. Die liegen hinter dicken Mauern und versperrten Toreinfahrten, wirken wie eine Reihe abweisender Festungsanlagen. Die Bananenfarmer haben sich offensichtlich in Kooperativen zusammengeschlossen – und eine der Kooperativen-Stationen, die wir passieren, trägt den Namen „Guanchen-Kooperative".

Außer diesen „Plantagen-Burgen" passieren wir eine Bucht mit schwarzen Lavastrand, der Anzahl der hier parkenden Autos nach zu urteilen ein beliebtes Bade-Ausflugsziel – und schließlich endet die Straße in einem Geröllfeld. Entweder ist unsere Karte falsch, oder wir haben die Auffahrt zum Vulkan verpasst. Mit Wegweisern hält man sich hier im südlichen Teil der Insel auch tatsächlich sehr zurück.

Also fahren wir zurück durch die Bananenplantagen, immer auf der Suche nach einem Hinweisschild zum Vulkan, erreichen wieder die Straßenkreuzung zu den Leuchttürmen, fahren auch an der vorbei – und finden unser heiß gesuchtes Hinweisschild schließlich kurz vor Fuencaliente.

Der Weg in die Lavahügel führt nun vorbei an Weinfeldern – wobei die Lavabrocken zum Bau der Feldmarkierungen genutzt wurden. Doch der Weg selbst ist eine Geröllpiste voller scharfkantiger Steine – und nach wenigen Minuten hat unser Fiat Punto einen platten Vorderreifen. Zum Glück kommen zwei hilfsbereite ältere Weinbauern mit ihrem geländegängigen Transporter vorbei, die uns den Reservereifen aufziehen. Die Einheimischen scheinen auf solche Situationen vorbereitet: Jedenfalls haben unsere Helfer sogar ein Brett dabei, um dem Wagenheber auf dem staubigen und unebenen Boden den nötigen Halt zu geben. Ich bedanke mich bei den beiden, ohne die wir aufgeschmissen gewesen wären, mit einer Schachtel Zigaretten.

Trotz Umwegen und Pannen erreichen wir aber dann doch noch den Teneguia, der 1971 zum letzten mal ausgebrochen ist.

Hier hat die Natur die Schroffheit, die sie am San Antonio bereits verloren hat. In der Umgebung des zerrissenen Kraterrandes gibt es keinen Baum, keinen Strauch, nur poröses Lava. Über das Geröll geht es steil hinauf auf den Kraterrand, von dem aus man dann über eine zerklüftete leblose Urlandschaft schaut. Eine pittoreske Besonderheit: Rund 30 Jahre nach dem Vulkanausbruch finden sich hier überall noch winzige Höhlen im Gestein, die so heiß sind, dass man seine Hand nur wenige Sekunden hineinstecken kann, wenn man sich nicht verbrennen will.

Der Weg hinaus aus dieser Mondlandschaft ist ebenso schwer zu finden wie der Weg hinein. Einige male kehren wir wieder um, fahren zum Ausgangspunkt, dem Parkplatz vor dem Vulkan zurück und unternehmen einen neuen Anlauf. Nach gewisser Zeit glaubt man, das hier alle Wege, alle Hügel gleich aussehen – ein eher beunruhigendes Gefühl in einer unwirklichen Umgebung.

Schließlich machen wir auf den Bergen über uns die Hauptstraße aus – und haben bei Las Indias wieder Asphalt unter den Reifen. Wieder entlang der Bananenfelder geht es an der Küstenstraße zurück nach Fuencaliente, wo wir noch einen Milchkaffee trinken, und dann über Puerto Naos, wo ich im Büro von Betacars unsere Panne melde, zurück nach Tazacorte.

Samstag, 18. März 2000: Villa de Mazo – Cueva de Belmaco

Kurz nach zehn Uhr brechen wir auf nach Villa de Mazo an der Ostküste. Der Bauernmarkt dort beginnt zwar erst gegen 15 Uhr – aber die Reiseführer raten rechtzeitiges Erscheinen, da am Nachmittag die Parkplätze im Ort rar werden. Außerdem müssen wir uns in der Betacars-Vertragswerkstatt von El Paso noch einen Ersatzreifen besorgen.

Gegen 11.30 Uhr kommen wir in Villa de Mazo an. Von der oben gelegenen Hauptstraße führen die Abzweigungen steil nach unten in die tiefer gelegenen Ortsteile – doch ein eigentlicher Kern dieser weit auseinandergezogenen Ortschaft ist nicht zu erkennen. Dafür hat es aber, umgeben von hübschen Häuser, bei denen selbst der kleinste Treppenaufgang zum bunten Vorgarten umgestaltet wurde, etliche markante Punkte. Dazu gehören die Markthalle, die allerdings nur ein schmuckloser moderner Zweckbau ist, der Komplex der Kunsthandwerksschule, ein rotes schlossähnliches Gebäude mit eigenem Vorplatz, und vor allem die dreischiffige weiße Kirche mit ihrem Turm aus dunklem Lavastein. Die Anbauten stammen, so eine Inschrift, aus dem Jahr 1803 – aber der kleine Mittelteil aus dem 17. Jahrhundert soll die älteste noch erhaltene Kirche der ganzen Insel sein.

Die Kirche liegt unterhalb der Hauptstraße, auf einem eigenen Plateau – und für die tiefer liegenden Ortsteile zumindest könnte der Kirchturm sehr wohl den Mittelpunkt von Mazo darstellen.

Gleich neben der Kirche führt ein schmaler Weg weiter hinab in den Ortsteil Hoyo, vorbei an Weinfeldern und einem – aber längst ausgetrockneten und bewachsenen – Flusslauf, ein hübscher und gemütlicher Spazierweg, ginge es eben nicht so extrem steil bergab.

In Hoyo liegt „El Molino", die Mühle – eine Mischung zwischen Botanischem Garten, Keramikwerkstatt und Freilichtmuseum für die Guanchen-Kultur. Oder besser gesagt: Der Kultur der Benahoare, wie die Ureinwohner von La Palma korrekt bezeichnet werden. Eigentlich wird die Werkstatt um 13 Uhr geschlossen, es ist gerade kurz nach 13 Uhr – aber der Werkstattbesitzer schließt unseretwegen wieder auf.

In dem Werkstattraum stehen Keramikarbeiten aus der Zeit der Guanchen, meist Töpfe und andere Behälter, die vor allem dadurch auffallen, dass sie nie gerade, sondern immer etwas schief stehen. Diese Schräghaltung ist so systematisch, dass sie weder Zufall noch Produkt handwerklicher Ungenauigkeit sein kann: Was damit bezweckt worden sein soll, finde ich nirgends erklärt. Die Verzierungen erinnern an die Kultur der Bandkeramik. In der Werkstatt von El Molino werden solche Stücke heute nach den Originalvorlagen hergestellt, alles in Handarbeit, wobei die Ziermuster mit kleinen Steinen in den Ton gezogen werden.

Für je 800 Peseten kaufen wir im angeschlossenen Laden dann zwar keine Töpfe, aber zwei kleine Kacheln mit Bootsmotiven.

Ebenfalls im Garten der Mühle zu entdecken: Der Nachbau eines alten Brennofens.

Gegen 14 Uhr füllt sich der Platz vor der Markthalle, zunächst einmal mit den Straßenhändlern, die an ihren Ständen allerlei Kunsthandwerk anbieten, Lederwaren, Modeschmuck, das, was überall auf solchen Märkten angeboten wird. Und die meisten Händler sind auch keine Einheimischen, sondern auf Palma alt gewordene Ex-Hippies. Grau ist die dominierende Haarfarbe.

Der Verkauf in der Halle selbst beginnt zwar erst um 15 Uhr, aber bereits eine halbe Stunde zuvor bilden sich vor dem Stand der Bäckerei, vor den Tischen mit dem Honig und der Konfitüre, den Tomaten und den Fleisch- und Wurstwaren die Käuferschlangen. Zwar hat der Markt bis 18 Uhr geöffnet, aber die Ware geht doch reißend weg. Als wir den Weinstand erreichen, ist der trockene Weißwein bereits ausverkauft.

Von Mazo fahren wir ein kleines Stück weiter nach Süden, bis wir nach sieben Kilometern die „Cueva de Belmaco", ein bereits von den Guanchen bewohnter Platz, erreichen. Die große Höhle und ihre Umgebung wurde zum archäologischen Park gestaltet, der dem Besucher die Guanchen-Kultur tatsächlich am Originalschauplatz etwas näher bringt.

Die Haupthöhle selbst ist allerdings mehr ein großer Unterstand innerhalb des Felsens, der nach Auffassung der Forscher einem König als Audienzhalle gedient haben soll. Worauf sich diese Einschätzung allerdings stützt – das bleibt schleierhaft. Der steinerne Ofen jedenfalls ist aus jüngerer Zeit. Denn nach der spanischen Eroberung der Kanaren, so klären die Schautafeln auf, wurde dieser Guanchen-Ort zeitweise als Werkstatt, als Stall – und zuletzt als Bühne für katholische Passionsspiele genutzt.

Vor der Höhle liegen zwei große Steine mit vermeintlichen Inschriften der Guanchen: Auf den Laien wirken diese „Schriften" jedoch mehr wie Graffiti. Die von den Forschern entdeckte Symbolik ist jedenfalls nicht ohne weiteres nachzuvollziehen.

In der Nachbarschaft der Haupthöhle, dem „königlichen Audienzsaal", schließen sich einige kleinere Höhlen, von der Größe her als Kammern zu bezeichnen, an. Die Erklärung der Forscher: Dies seien Sterbehöhlen gewesen. Zum Sterben hätten sich die Guanchen in solche Kammern bringen lassen – die dann, während der Mensch noch lebte, von außen verschlossen worden seien.

Bevor wir schließlich in die Finca Tagomate zurückkehren, machen wir in Puerto de Tazacorte noch unsere Sonntags-Tour klar: Einen Ausflug mit dem Katamaran in die Cueva Bonita und zu den Delfinen.

Sonntag, 19. März 2000: Puerto de Tazacorte – Cueva Bonita

Die Fanzy II, ein blauer Katamaran mit deutschsprachiger Führung, verlässt den Hafen von Tazacorte etwa 20 Minuten vor 12 Uhr.

Die Cueva Bonita liegt etwa sechs Kilometer nördlich: Au dem Weg dorthin gibt es keine weitere Ortschaft mehr zu sehen, und auch die Bananenplantagen werden spärlicher, je weiter wir nach Norden kommen. Da, wo allerdings noch Pflanzungen sehen, sind sie bis unmittelbar an den letzten Meter vor der steil abfallenden Felsküste angebaut.

Kurz vor der Cueva Bonita legen wir einen Stopp ein, um von den Fenstern des unteren Decks die Unterwasserwelt zu beobachten. Wir befinden uns im Schutzgebiet, und mitunter sollen auf dem Grund auch Rochen und Barracudas zu sehen sein. Heute müssen wir uns allerdings mit einem Schwarm Makrelen begnügen.

Die Cueva Bonita selbst ist eine Unterwasserhöhle mit zwei Eingängen, der größere davon vielleicht sechs Meter breit und hoch genug, dass ein Boot bei ruhiger hineinfahren könnte. Das geht heute allerdings nicht, so dass wir uns mit dem äußeren Anblick der Höhle zufrieden geben müssen. Die Höhle sei früher, so erzählt Maria, die Schiffsbegleiterin, von englischen Piraten als Unterschlupf genutzt worden, und den Legenden nach sollen sie hier auch ihre Schätze versteckt haben. Gefunden wurde aber noch nie etwas.

Die Besonderheit der Cueva Bonita ist das Farbspiel von Sonne und Meer am späten Nachmittag – aber auch dafür sind wir noch zu früh dran. So unterscheidet sich diese Cueva für uns kaum von anderen Unterwasserhöhlen, die an diesem Küstenstreifen häufiger vorkommen.

Als nächstes legen wir vor einer alten Piratenbucht an. Das Beindruckende: Die Bucht ist gänzlich von den steilen, vielleicht 50 Meter hohen Felsen umgeben, ohne dass irgendwo ein Abstieg oder natürlicher Zugang von der Landseite erkennbar wäre. Trotzdem ist in dieser geschützten Bucht eine kleine Siedlung entstanden, deren Häuschen ihren Besitzern als Wochenend-Bungalows dienen. Am nördlichen Rand des kleinen Strandes liegt eine weitere Höhle, die schon von den Guanchen bewohnt gewesen sein soll.

Wir kreuzen noch an einer weiteren ähnlichen Ansiedlung vorbei – nicht ganz so beeindruckend, weil an dieser Stelle die Felsen nicht so hoch und nicht so steil ist – und verlassen dann die unmittelbare Küstennähe, auf der Suche nach den Delfinen. Aber auch für die ist es jetzt nicht die richtige Tageszeit: Die Passagiere, die gestern Abend auf der Fanzy waren, berichteten von ganzen Delfinschulen – wir sehen heute keinen einzigen.

Aber immerhin bekommen wir eine im Meer schwimmende Schildkröte zu Gesicht: Die Schiffsbegleiter glauben, dass es sich um verletztes Tier handeln könnte, gehen ins Schlauchboot, um sie an Bord zu holen und zum Tierarzt zu bringen. Mitunter verfangen sich Schildkröten in Fischernetzen oder sie fressen von Bord geworfene Plastiktüten, an denen sie dann, wenn ihnen nicht geholfen wird, zugrunde gehen. Die Schildkröte, die unseren Weg kreuzte, erweist sich aber als putzmunter und taucht ab, als sich das Schlauchboot nähert.

3000 Peseten kostete die Fahrt mit der Fanzy – und weil wir keine Delfine gesehen haben, bekommen wir zum Schluss der Fahrt einen Gutschein, der uns berechtigt, einen zweiten Versuch zum halben Preis zu unternehmen.

Am Nachmittag essen wir in Puerto de Tazacorte eine Fischplatte für zwei Personen – Gewicht: ein Kilogramm – zum Preis von 2500 Peseten und fahren dann in unsere Finca zurück.

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