Der Eigner (seiner selbst)

[.....]Folglich sind "Revolutionäre" kaum mehr als Lockspitzel und Doppelagenten! Stirners Gegenmodell ist der "Empörer", der als Eigner seiner selbst es nicht nötig hat, sich aus dem Kampf gegen das Bestehende zu definieren. Die Empörung fließt aus innerer Souveränität, die auf "Unbesessenheit" beruht. Als Souverän seiner inneren Welt entzieht er dem bestehenden Irrsinn den Lebenssaft, indem er ihn verläßt und sich über ihn erhebt, etwa so, wie Gespenster verschwinden, wenn man sich selbst wachrüttelt und wieder zur Vernunft kommt.Nur von fremden "Eingebungen" besessene Wahnsinnige ("Revolutionäre") kümmern sich um "die Sache der Menschheit" und andere wahnhafte Chimären. Die sich selbst genießenden "Natursöhne" hingegen geben sich wie Tiere dem Fluß des Lebens hin. Wie den "schweinischen" Tieren geht es ihnen immer nur um ihren eigenen Lustgewinn, nie "um die Sache". Sie sind wie unverdorbene Kinder: "Kinder aber haben kein heiliges Interesse und wissen nichts von einer 'guten Sache'. Desto genauer wissen sie, wonach ihnen der Sinn steht, und wie sie dazu gelangen sollen, das bedenken sie nach besten Kräften" (4:392).Der nicht von sich selbst entfremdete vollzieht immer nur seine eigene Tat, die erst durch diese Authentizität eine wirkliche Tat ist. Es ist stets die "berufene" Masse, die dumm, verantwortungslos und ohne Realitätssinn agiert. Objektiv, bzw. "unparteiisch" kann nur der einzelne Egoist, nicht der "Parteigänger" sein (4:260). Der Eigner seiner selbst verwechselt sich nicht mit seinem "Amt", ist kein Gedanke, sondern leibhaftig. Es geht ihm nicht um ein illusorisches "Selbstbewußtsein", das aus einer "Berufung" oder dem "Ansehen" erwächst, sondern einzig und allein um seinen "Selbstgenuß". Er ist "zu nichts 'berufen' und hat keine 'Aufgabe', keine 'Bestimmung', so wenig als eine Pflanze oder ein Tier einen 'Beruf' hat" (4:366).In der "wirklichen Nacktheit", der "Entblößung von allem Fremden" (4:153f), zeigt sich das authentische, das "leibhaftige Ich". Dieses "lebendige Ich" pustet die toten Gespenster, ganze "Völker", hinweg. Dieses "zügellose Ich", also das, was wir ursprünglich sind und in unserem "geheimen Inneren" stets bleiben werden (4:219), kann, da es "nur gegen ein Heiliges Verbrecher gibt" (4:224), nicht davon ablassen, ein Verbrecher zu sein. Verbrechen ist sein Leben."Unheiliger", "Barbar", "natürlicher Mensch" (4:263) der er ist, tut der Eigner einfach das, "was er nicht lassen kann". Er trägt sein Gesetz in sich und lebt danach. Er steht jenseits von Wahnideen wie "Pflicht" oder "Recht" und ist trotzdem kein "Abgrund von regel- und gesetzlosen Trieben, Begierden, Wünschen, Leidenschaften", kein "Chaos ohne Licht und Leitstern", sondern ein Tier, das wie jedes andere Tier auch in seiner "Nacktheit und Natürlichkeit" seinem Antriebe, d.h. nicht der Gewissensstimme, sondern der "Naturstimme" folgt (4:178f).Über solchen "leibhaftigen Menschen" existiert nichts: nicht "Humanität", nicht "Gerechtigkeit" oder irgendeine andere dieser gespenstischen Ideen, die durch ihre Heiligkeit die Leibhaftigen in die "Vergeistigung" führen würden, ihnen ihre Unschuld nehmen, ihnen das Leben entziehen würden. In ihrem lebendigen, "unheiligen" Leib wogt und pulsiert "die Totalität ihres Denkens und Handelns in steter Bewegung und Verjüngung". Während bei jenen, die ihren Überzeugungen treu sind und unerschütterlich bleiben, diese Überzeugungen gleichsam als feste Körper erstarren (5:92).[....]
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