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Von der Askese bis zum Bargeldverbot - eine sehr kurze Geschichte des "Geistes"

Wir erleben nunmehr seit vielen Jahren eine geballte Häufung teils koinzidierender, teils sich überlagernder und gegenseitig verstärkender Krisen, die in immer kleiner werdenden Abständen wellenartig über uns kommen, und uns (nicht nur in Bezug auf Flüchtlinge) allmählich zu überfluten und die Luft zum Atmen zu nehmen drohen.

Die Welt verfügt heute über eine Produktivität in der Landwirtschaft, die alle Menschen zweimal in der Lage wäre, zu ernähren, dennoch ist die häufigste Todesursache noch immer der Hunger.

Seit mehr als 200 Jahren nun reden westliche Politiker über Menschenrechte und Menschenwürde, und haben es noch nicht einmal geschafft, jedem Menschen im satten Westen die Würde eines Daches über dem Kopf zu gewährleisten.

Jedes Tier hat ein “Tier- Recht“, sich ein Nest oder eine Behausung zu bauen und sich Nahrung zu verschaffen. Der naturferne und -entfremdete Mensch hingegen würde eingekerkert werden oder müsste andere empfindliche Strafen über sich ergehen lassen, wenn er wie selbstverständlich Ähnliches für sich in Anspruch nähme – und verhungert jährlich millionenfach!

Was für eine kranke Kreatur ist dieser „neue“ Mensch, seit er nach mehr als hunderttausend Jahren seines Daseins in die geschichtliche, in die "geistige" Phase seiner Existenz eintrat, deren Tiefpunkt (oder Höhepunkt, je nach Perspektive)in die so entseelten wie kultur- und respektlosen Vereinigten Staaten von Amerika mündete, deren aktuelle Machthaber von "God`s own country" aus mittels Drohnenmorden, Uranmunition, weltweiter Ausbeutung und Anschlägen unter falscher Flagge die ganze Welt mit Menschenrechten und Demokratie unter ihrer Lizenz beglücken wollen.

Während die vorgeschichtliche Menschheit einfach „lebte“ , das Leben bejahend, im Einklang mit und als Teil fließender, lebendiger Natur und deren seit Äonen währenden kosmischen Rhythmus, erwachte innerhalb der geschichtlichen Menschheit zusehends der sich als Wille zur Macht und Unterwerfung sowohl innerer als auch äußerer Naturmächte äußernde Geist, welcher sich in zunehmender Emanzipation von der Natur vom Dienst am Leben befreite und seine eigene, so machtverherrlichende wie parasitäre und ausbeuterische, lebensfeindliche Richtung einschlug (Herakles am Scheideweg).

Dieser Geist forderte die völlige Hinwendung und Hingabe des Menschen in asketischer Selbstverleugnung und Unterdrückung natürlicher Triebe, rottete die bildhaften, chthonischen Götter, Mächte und Dämonen aus, entwertete Leben und Natur, und versprach gewissermaßen als „Ausgleich“ und Entschädigung ewiges Leben in einem abstrakten Jenseits oder Erlöschen im Nirwana, einer Art positiven „Nichts“. Bezeichnenderweise traten die „Erlösungsreligionen“, allesamt natur- und triebfeindlich, aus einem städtisch-zivilisierten und von Not, Armut, Krankheit und Ausbeutung der Massen gekennzeichneten Milieu heraus ihren Siegeszug an, führten zu einer Abkehr und Geringschätzung, ja Verachtung der Welt sowie innerer und äußerer Natur und lebendig pulsierenden Lebens. Man geißelte sich selbst, lebte in bemerkenswerter Todesverachtung, manche fasteten sich zu Tode oder schnitten sich Gliedmaßen ab, die zur Sünde verführten. Die „Arbeit“, die bei Naturvölkern integrativer und „eingewobener“ Bestandteil des kosmischen Taktes war, wurde entfremdet und im späteren Calvinismus zum geheiligten Selbstzweck erhoben. Der während der „Arbeit“ (der Herstellung von Bekleidung etc., dem Bestellen von Ackern) meist übliche Gesang der „Naturvölker“ wich dem Stöhnen und Wehklagen in Manufakturen gepeinigter Kinderarbeiter, die das „Seelenheil“ ihrer „auserwählten“ Herren nicht selten mit frühem Tod und Krankheit bezahlen mussten.

„Der Tatwille, der seit Beginn der sog. Neuzeit rücksichtslos ausgebrochen, die Naturgewalten knechtend, das Antlitz des Planeten verwüstend, die Menschheit selber in immer pausenloseren „Konkurrenz"-Kämpfen auspumpend, wurde in den Disziplinen des mittelalterlichen Mönchstums recht eigentlich „präpariert" durch eine mehr als tausendjährige Maßregelung des Blutes. Wer alle Zwischenstufen kennenlernen möchte, die der Wille zurücklegen mußte, um das Leben völlig in die Botmäßigkeit des Geistes zu zwingen, der studiere die furchtbare Geschichte der christlichen „Mystik", wie sie uns aufgrund umfassender Studien der Quellen Görres dargeboten hat in seinem fünfbändigen Werke „Christliche Mystik", dem aus dem ganzen katholischen Schrifttum an Großartigkeit und Tiefe allenfalls nur noch die Dichtung Dantes an die Seite zu stellen wäre. Er wird dann wissen, daß die angebliche „Freiheit", „Aufklärung" und Verstandesidolatrie der Neuzeit bloß die Freigabe des Weges nach außen war, nach dem an der Seele des Menschen der Wille sein grausames Werk im wesentlichen vollendet hatte, und es wird ihn nicht weiter verwunderlich dünken, ob auch zu wunderlichen Betrachtungen anregen, wenn das Mittelalter mit zwei Erfindungen abschloß, der Erfindung der Buchdruckerkunst und der Erfindung der Feuerwaffen. —„

Ludwig Klages „Der Geist als Widersacher der Seele“, Seite 758

Und wenn jetzt aufgrund heutiger Ausschweifungen, eines allgemeinen Atheismus, Pornographie , Verschwendung und Überfluss jeglicher Art etc. (das gab es in jeder Zivilisation) mancher der Meinung ist, dass dies ein Abschnitt der Geschichte sei, der uns „modernen“ Menschen sehr fern steht, so sei darauf hingewiesen, dass sich die Unterjochung der „inneren Natur“ lediglich auf den Akzent der äußeren verschoben hat Es ist derselbe Geist, den die Menschheit anbetet, nur dass dies inzwischen gewissermaßen automatisiert geschieht, durch Arbeit, Kredit ,Anpassung an öffentliche Meinung und Zeitgeist und ohne die Vorstellung eines gesetzgebenden persönlichen Gottes. Der Zerstörung und Beherrschung der äußeren Natur geht immer jene der inneren voraus, und genannter Geist nennt sich jetzt Technik, Demokratie und Kapitalismus oder Sozialismus (was im eigentlichen Wesen keinen Unterschied macht) und findet im Wesentlichen unter dem Begriff „Fortschritt“ seinen gemeinsamen Nenner.

Der „geistes-gestörte“ Mensch will unter dem Vorwand des Fortschritts Kontrolle und Macht, und ist nicht bereit, sich hierin irgendwelche Grenzen zu setzen.

Er betrachtet um seiner Macht willen sowohl sich selbst als auch Universum und Natur als reine Mechanismen, als Maschinen, denen man im Kreuzverhör der Experimente die Geheimnisse entlockt, um sie ins Korsett determinierender und beherrschbarer Kausalitäten zu zwängen.

Doch was vermögen unsere Naturwissenschaften außerhalb des Bereiches reiner Zweckmäßigkeit und Dienstbarkeit? Sie geben zwar vor, Leben und Natur erklären zu wollen und suchen in unfassbarer Hybris sogar nach einer alles umfassenden, Mikro- und Makrokosmos vereinigenden „Weltformel“, in Wirklichkeit aber steht immer der heimlich kommandierende Wille zur Macht wachend sowohl hinter ihrer Methodik als auch ihren paradigmatischen Voraussetzungen und Vorgaben. Das bezieht sich selbstverständlich nicht nur auf die Naturwissenschaften, sondern in überdeutlichem Ausmaß auch vor allem auf Sozialwissenschaften und Psychologie. Karl Poppers „Offene Gesellschaft“, deren Ideal heutzutage wohl von keinem westlichen Politiker und Soziologen mehr in Frage gestellt würde, ist ein „Geistes“konstrukt, das mit der menschlichen Natur und Würde so wenig oder so viel gemein hat wie ein Bordell mit einem Kloster, und das ausschließlich der uneingeschränkten Macht des Geldes den Weg ebnet, wie das in unseren sogenannten Demokratien zwischenzeitlich ja gänzlich unverhüllt offenbar wird. Diese Macht kann dann auch nicht mal so eben „abgewählt“ werden, was Popper als höchsten Vorzug der Demokratie preist, sondern es findet, wie man weiß, lediglich ein Austausch der Darsteller statt. Die Macht der von den Interessen des Kapitals bestimmten öffentlichen Meinung und ihrer medialen, korrupten Veröffentlicher mal ganz ausgeklammert. Höchstes Ideal einer „Offenen Gesellschaft“ ist eine multi-ethnische, multi-ethische, multi-religiöse und multi-„kulturelle“ Bevölkerung, die alles, was sie an angeblicher individueller Kultur, Religion und Werten noch aufzuweisen hätte, einem diesen Werten übergeordneten starren und unveränderlichen Geist der Toleranz und Relativierung gewachsener Werte zu opfern hat. „Du sollst keine anderen Götter haben neben mir“. Und auch keine Visionen. Das höchste Gesetz der Offenen Gesellschaft ist unantastbar. Weshalb wohl handelt es sich überwiegend um Milliardäre (einer davon Schüler bzw. Student Poppers), die ein angeblich philanthropisches Interesse daran haben, Gesellschaften mittels „bunter Revolutionen“ in ihrer individuellen Entwicklung zu hemmen und in eine „Offene Gesellschaft“ unter Lizenz und im Sinne der Zentralbanken, des IWF und des US-Regimes zu verwandeln?

Aber kommen wir zurück zu den sogenannten Naturwissenschaften, deren mehr oder weniger heimlich kommandierender Geist als Wille zur Macht und Unterwerfung in der technischen „Machbarkeit“ tausendfacher Zerstörung der Erde und aller aus ihr hervorgegangenen höheren Lebewesen kulminierte.

Auch in der Medizin wird der Mensch überwiegend nicht als ganzheitliches Naturwesen betrachtet, als lebendig fließende organische Einheit, sondern als vom Geiste ana-lysiertes (auseinandergenommenes, seziertes) „Stückwerk“ behandelt, dessen Störungen und Disharmonien überwiegend mittels chemischer „Waffen“ zu begegnen sei, an deren Herstellung sowie an der Aufrechterhaltung zivilisationsbedingter Krankheiten sich eine weltweite Mafia zusehends noch dümmer und noch dämlicher verdient.

Was mich persönlich in letzter Zeit aber immer häufiger zu einem regelrechten Gruseln veranlasste, ist die Tatsache, dass immer mehr renommierte und preisgekrönte Naturwissenschaftler aus den Bereichen der Physik, Biologie und Medizin, sich zu einer Möglichkeit sich ihrer selbst bewusster, sogenannter künstlicher Intelligenz bekennen, und vereinzelt in gutgemeinten Worten sogar vor deren Gefahren warnen. Im Grunde entspricht das genau dem paradigmatischen Denken, welches Natur und Mensch als eine Art von Maschine betrachtet, deren ganze Geheimnisse mittels des „Geisteswerkzeugs“ der Kausalität zu entschlüsseln und nutzbar zu machen sind und irgendwann in eine gigantische Maschine namens „Weltformel“ gepresst werden können. Selbst das menschliche Bewusstsein.

Gegenstand der Naturwissenschaft ist eine reine Quantifizierung der Welt. Sonst nichts. Über die Qualität , das Was und das Wesen der Welt kann sie keinerlei Aussagen machen. Weder ist sie in der Lage, in das innerste und eigentliche Wesen von Raum, Zeit und Bewegung zu dringen noch in jenes, in dem diese „statt finden“, in den tiefen und rätselhaften Urgrund des Bewusstseins und Empfindens. Selbst wenn man das Gehirn in alle seine einzelnen Zellen und Bestandteile „zerlegte“ und sezierte, alle biochemischen und physikalischen, mit Bewusstsein, Empfinden, Denken und Träumen korrelierenden Vorgänge erforscht hätte, hätte man nicht die geringste Ahnung, was „dort“ vor sich geht, wenn man nicht selbst die Er-fahrung, das Er-leben des Denkens, Fühlens und Handelns gemacht hätte. Mag die Naturwissenschaft auch noch so exakt beschreiben können, was bei Angst, Trauer, Freude…im Gehirn geschieht, es handelt sich im Grunde immer nur um die Beschreibung von „Dingen“, Prozessen, und deren durch Zahlenverhältnisse ausgedrücktes, gesetzmäßiges Wechselwirken. Der männliche Sexualtrieb wird durch Hormone („Treiber“) ausgelöst. Durch eine äußerliche Zugabe von Testosteron oder Steroiden kann man diesen Trieb steigern. Durch Endorphine, Dopamin, Serotonin etc. vermag man Glücksgefühle oder die Linderung von Schmerzen herbeizuführen. Ja und? Das sagt uns aber nicht das Geringste über den „Träger“ und Erleber dieser Gefühle, bzw. über die „Schnittstelle“ materieller Vorgänge zu emotionalem, subjektivem Empfinden. Ich kann mich mit Nahrung sättigen und vermag mit Wasser meinen Durst zu stillen. Sagt mir die Beschaffenheit dieser Nahrung aber irgend etwas über das Gefühl des Hungerns und des Gesättigt-Seins. Sagen mir die Vorgänge, die im Gehirn während des Mangelgefühls z. Bsp. starken Durstes vor sich gehen, auch nur das Geringste über das Gefühl Durst? Vermag mir Naturwissenschaft das Gefühl zu beschreiben, das ich an einem dunklen und nebligen Herbstnachmittag beim Besuch eines Friedhofs empfinde , dem Anblick entlaubter, kahler Bäume und den aus feuchtem Grund grau aufsteigenden, wabernden Nebelschwaden, aus denen in der Ferne die Spitzen von Grabsteinen und Kreuzen milchig sich abzeichnen ? Kann mir Naturwissenschaft das magische Empfinden beim Anblick der untergehenden Sonne der Sahara beschreiben? Das empfundene Hochgefühl bei der Geburt eines Kindes? Die erhabene Intensität des Augenblicks beim Anblick hoher Gipfel und blauer, lockender Weiten der Ozeane? Die Gänsehaut und wohlige Schauer erregende Wirkung beim Hören diverser Musikstücke alter Meister? Die Ekstase tanzender Derwische,………?

Nichts dergleichen vermag sie. Nicht im Entferntesten. Sie wird es niemals vermögen, giert jedoch insgeheim danach, Bewusstsein und Emotionen in Maschinen als Epiphänomen eines Zentrums weitverzweigten und komplexen Informationsaustausches zu „entzünden“ und zu „bannen“, und hält das „grundsätzlich für machtbar, Verzeihung , „machbar“.

Wer die Gesamtheit der Welt inklusive des Bewusstseins, in dem sie stattfindet, um ihrer Beherrschbarkeit willen verdinglicht und ausschließlich in das Korsett der Kausalität zwängen möchte, würgt das Leben ab, betrachtet in radikaler Folgerichtigkeit auch den Menschen, die Gesellschaft und deren psychisch –geistigen, nicht-dinglichen, sondern „bildhaft-seelischen“ Grundlagen und nährenden Wurzeln als eine Art Automatismus, den es letztendlich zu beherrschen gilt.

Die heutigen, hochgeistigen Priester der Macht, Meister der Schuld und geistigen Nachfahren jener Gelehrten, die das Ressentiment zum Gesetz erhoben, stellen die Hochfinanz dar, die das Substrat aller Macht aus eben jenem geistigen Nichts in „magischer“ Weise entstehen lässt, und es schafft, trotz beständigen Überflusses per saldo die Welt in Armut und Elend versinken zu lassen und Kriege zu schüren.

Der letzte Krieg ist jener gegen die Freiheit des Einzelnen. Es ist ein permanenter Krieg, der unter dem heuchlerischen Vorwand des Friedens der Völker geführt wird. Es ist ein Krieg der Technokratie gegen die Seelen der Völker und ihrer Individuen. Die Europäische Union ist ein solches technokratisches Monstrum, ein um der Macht des Geldes willen geschaffener seelenloser Titan, der alsbald die Faust zum letzten Schlage erheben wird: Der Abschaffung des Bargeldes und die Auflösung der Völker, des Beginns der absoluten Mechanisierung und Kontrollierbarkeit der Menschheit.

Macht kaputt, was Euch kaputt macht!



Anhang:

Der Siegeszug des Geistes aus mythologischer, bildhafter Sicht ("Heldentaten" des Herakles):

" Vor seinen Pfeilen und Keulenschlägen verenden nicht Ungetüme, wie pragmatisierend die Sage meint, sondern in beklemmend lückenloser Reihe alle stärksten Geburten der Gaia. Sein Siegeszug versinnbildet den Schritt für Schritt geschehenden Untergang der tellurischen Gotterwelt Er hilft den Olympiern im Gigantenkampf, der nur durch ihn zu ihren Gunsten entschieden wird, tötet den nemäischen Löwen, das lebendige Zeichen der Urglut, vernichtet in der Schlange des lernäischen Sumpfes den chthonischen Muttergrund, aus dem das zellare Leben emporquillt; ereilt und lähmt die schnellfüßige Hirschkuh, das Tier der Artemis: das ehrwürdige Symbol einer überall nährenden Gegenwart; fängt den Eber, den Geist des Dickichts, worin ein schöpferisches Dunkel wohnt; verursacht den Tod erdgeborener Kentauren; verjagt die stymphalidischen Kraniche, die ehernen Stimmen des sphärischen Luftzugs; bändigt im kretischen Stier den Dämon dionysischer Sinnlichkeit; besiegt die Amazonen, das kriegerische Heer der Urnacht; erstickt, indem er ihn vom Boden in die nackte Luft emporhebt, das Bild der zeugenden Schollennähe, den durch Erdberührung unbesieglichen Antäos; verwundet die mütterliche Hera; erobert Troja, die Veste des Matriarchalismus; raubt durch List das innerste Symbol urnischer Fruchtbarkeit, die goldenen Hesperidenäpfel; entreißt dem Tod seine Beute, die Gattin Admets; überwindet im Acheloos den ursprünglichen Zeus, den Gott der schwängernden Tiefe, und bricht symbolisch die Macht der Unterwelt, indem er den dreiköpfigen Wächter ins grelle Licht des oberen Tages hinaufzerrt Was den Erdensöhnen Traum und heilige Wiege war, der Isisschleier umarmender Bilderglut, wird ihm, dem Olympier, zum sengenden Qualenhemd: von einer eifernden Dejanira gereicht und bestimmt, in der läuternden Buße unermeßlicher Beschwerden den Leib zu vertilgen. Aus dem Brande aber hebt sich — nun ein Unsterblicher— der neue Herakles in die höhere Region olympischer Ewigkeit Wille und Bewußtseinszustände  Wir haben in ihm die völlig vorgebildete Prägung der christlichen Weltidee: den Geist, der vielfältig der Schlange den Kopf zertritt; der in einem Leben voller Marter und Anfechtung die Symbole des Kosmos —

der späteren Hölle — zertrümmert; der dem Tod seinen Stachel raubt und schließlich eingeht in ein unsichtbares Reich, das die Welt der Bilder als bloßen Selbstbetrug niederer Begehrungen zurückläßt Die Geschichte des Herakles versammelt auf ein Haupt den durch Jahrtausende gedehnten Kampf und endlichen Sieg dieses Reiches — von den Griechen das olympische genannt —, dessen wahrster Vertreter nicht Zeus ist, sondern Apollon, der Pythontöter. Wie dessen Tempel erst aus dem Grabe der erlegten Schlange wächst, so muß uralte Satzung der Erdgeborenen vernichtet sein, wo das Recht des Geistes und der Taten blüht"

Zitiert in Klages "Der Geist als Widersacher der Seele".