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Das Wohlbehagen in kalter Kultur - oder von der Bodensperre zur Hirnsperre

Herr-schaft bedeutet im wörtlichen Sinne, Herr über etwas zu sein. Im politischen Sinne heißt das stets, Herr über Menschen zu sein. Demo-kratie, also "Volks-herrschaft" hieße dann, dass das Volk über sich selbst herrscht. Die Bürger,die in Europa das Gefühl haben, dass sie bestimmen, wo`s lang geht, sind entweder gnadenlose Optimisten oder Schweizer. Wir haben hier die Möglichkeit, unterschiedlich gefärbte und von den Herrschenden ausgesuchte Verwaltungsbeamte der Herrschaft auszutauschen oder zu bestätigen, mehr aber auch nicht. Dass wir uns das gefallen lassen, liegt zum einen an den Medien, welchen primär die Aufgabe obliegt, uns zu täuschen, zum anderen an einer durch gesättigte Mägen bewirkten Gleichgültigkeit und Trägheit.

Herrschaft über Menschen wurde in der Vergangenheit stets als gottgewollt betrachtet und suggeriert, Adel und Klerus teilten sich im Widerstreit die Menschenbeute. Auch heute noch halten die meisten sowohl Herrschaft als auch die Spaltung einer Gesellschaft in Arm und Reich für völlig normal und für das Ergebnis sogenannter "freier Marktwirtschaft"  - alles andere riecht ihnen verdächtig nach Kommunismus.

Herrschaft über Menschen ist aber etwas Unnatürliches, ebenso wie extremer Reichtum und extreme Armut innerhalb von Klassengesellschaften unnatürlich sind. Man unterscheidet zwischen sogenannten "heißen" und "kalten" Kulturen. Kennzeichen heißer Kulturen sind beständiger sozialer, weltanschaulicher und wirtschaftlicher Wandel, "Elitenbildung",keine kooperative, sondern zu kriegerischen Auseinandersetzungen führende konfrontative Wirtschaftsweise, Neigung zu religiösem und politischem Fanatismus und Extremismus, rasanter technischer Fortschritt und eine Tendenz zu Expansion und Unterwerfung "kalter" Kulturen sowie Abhängigkeit und keine wirtschaftliche Autarkie be-herrschter Gesellschaftsteile, eben zu diesem Zwecke.

Merkmale kalter Kulturen sind ein tiefes Misstrauen gegenüber gesellschaftlichem Wandel, Bewahrung bewährter Strukturen, egalitäre, herrschaftsfreie Lebensweise, Subsistenzwirschaft (Erzeugung primär für den eigenen Lebensbedarf, geringe Überschüsse werden getauscht, bisweilen verkauft), wirtschaftliche Unabhängigkeit, keine Ausbeutung der Natur und Umwelt. Die zu hoher Autarkie des Einzelnen führende Subsistenzwirtschaft wird von Mainstream-Ökonomen konsequent ignoriert, Befürworter werden als  "Systemgegner" betrachtet.

Angehörige kalter Kulturen leben in und mit der Natur, Mitglieder heißer Kulturen in der Geschichte und gegen die Natur.

Die längste Zeit ihres Bestehens kannte die Menschheit weder Herrschaft noch konkurrierende Wirtschaft, sondern war egalitär und kooperativ strukturiert und organisiert. Die längste Zeit kannte sie keine Neurosen, Depressionen, Perversionen und Burn-Out-Syndrome und andere Berufskrankheiten - und keinen Zwang zu mindestens acht Stunden, oder mehr, naturferner, so abstrakter wie entfremdeter und primär zu Gunsten Dritter erzwungener Arbeit, mit der einzigen Alternative zu betteln oder soziale Almosen zu empfangen. Selbstverständlich haben manche das Glück, einer Arbeit nachzugehen, die sie erfüllt und gleichzeitig Wohlstand garantiert, ohne gezwungen zu sein andere über den Tisch zu ziehen. Das ist aber nicht die Regel und kann es aufgrund unserer Strukturen leider auch nicht sein. Die medizinische Behandlung von Schmerzen wird inklusive des daraus entstehenden volkswirtschaftlichen Schadens in den westlichen Industrienationen auf ca, 1 (nicht amerikanische) Billion US-Dollar jährlich geschätzt (S. M. Schappert: National Ambulatory Medical Care Survey: 1992 summary. In: Adv. Data. Band 235, 1994, S. 1–20).

Erster Antrieb einer jeden Hochkultur war ausnahmslos und weltweit die Beute.

Erste Beute und "Funke der Kultur" war die im Zuge der Sesshaftigkeit ermöglichte "Bodensperre" durch Waffengewalt der "Eliten" und der mit ihr untrennbar verbundene Zwang zu Fron- und Sklavenarbeit. 

"Der Krieg ist Vater aller Dinge", sagte Heraklit - und selten trifft diese Aussage so zu, wie in Bezug auf die heißen Kulturen. Alle, aber auch wirklich alle Kulturphänomene entstammen auf direkte oder indirekte Weise dem Kampf der Ausgebeuteten mit den Ausbeutern, der Beherrschten mit den Herrschern. Dazu gehören auch (Erlösungs-)Religion, Kunst, Literatur, Architektur, Philosophie, Musik und schließlich Naturwissenschaft und Technik.

Der Kampf im Spannungsfeld dieser Kräfte dauert immer noch an, und zwar so lange, bis entweder der ursprünglich egalitäre und einzig gesunde und natürliche Ur- und Ausgangszustand unter sinnvoller Integration von Wissenschaft und Technik wieder erreicht, oder die Menschheit ausgelöscht ist. Denn letzten Endes werden diese "Eliten" auch vor dem Einsatz von Atomwaffen nicht zurückschrecken. Ganz einfach deshalb, weil sie`s können und weil die Gier schon immer größer war als jede Vernunft.

Es gibt noch eine Alternative der Eliten: Die völlige Beherrschung der zunehmend medienkritischen Massen über technische Kontrolle (z.Bsp. Chip) in Händen der Herrschenden - Die "Hirnsperre"!