Presseschau Russland

DIE WELT:
“Putins Politik muss uns nicht gefallen”: Helmut Schmidt rät zu mehr Zusammenhalt mit Russland. Wieso Putin sich provoziert fühlt und was in ihm vorgehe – darauf hat der Altkanzler Antworten.
Außenminister Steinmeier lobt Fortschritte in der Ukraine, stellt aber klar: “Wenn die Separatisten Mariupol einnehmen, wären wir gescheitert.” Den Brief von US-Republikanern an Teheran kritisiert er. Mit Blick auf die internationalen Krisen hat er vor vermeintlich einfachen Lösungen und Schwarz-Weiß-Denken gewarnt. In der internationalen Politik sei zuweilen “strategische Geduld” gefragt, sagte Steinmeier in einer außenpolitischen Grundsatzrede vor dem Zentrum für Strategische und Internationale Studien (CSIS) in Washington.

Zeit online:
Die USA werden die Ukraine im Kampf gegen die prorussischen Separatisten nun auch mit Überwachungsdrohnen und gepanzerten Fahrzeugen unterstützen. Das Pentagon werde “in den kommenden Wochen” Humvee-Geländefahrzeuge sowie Drohnen vom Typ Raven an Kiew liefern, hieß es in Verteidigungskreisen in Washington. Insgesamt sei die Übergabe von 230 Humvees geplant, von denen rund 30 gepanzert sein sollen. Auch hat die Obama-Regierung ihre Sanktionen gegen Russland ausgeweitet.
Der erste russische Frühling. Viele Bewohner der Krim preisen den russischen Präsidenten, Schwierigkeiten lächeln sie ein Jahr nach der Annexion einfach weg. Nur wenige sprechen von Angst.

Frankfurter Rundschau: Wechselseitige Ermahnungen und Vorwürfe: Während sich die Lage im Kriegsgebiet der Ostukraine scheinbar entspannt, wachsen auf internationaler Ebene die Spannungen zwischen Russland und dem Westen. Vor allem Moskau sieht sich durch das US-Militär und die Nato provoziert und wirft Washington vor, es erhöhe den Druck auf Russland. Die USA wiederum beschuldigten den Kreml am Mittwoch erneut, die Separatisten in der Ostukraine mit Waffen zu beliefern.

RBTH: Seit beinahe einem Jahr ist die Krim nun ein Subjekt der Russischen Föderation. Die russische Regierung hatte große Pläne für die Region, aber die westlichen Sanktionen lassen die Wirtschaft stagnieren. Nun sollen Investitionen in die Infrastruktur für neuen Schwung sorgen.

WDR: Die Bauern in Ostwestfalen-Lippe warnen vor einer Fortsetzung des Handelskriegs gegen Russland. Seit landwirtschaftliche Produkte nicht mehr dorthin geliefert werden dürfen, sind ihnen wichtige Absatzmärkte für Fleisch, Milch und Getreide weggebrochen.

derStandart.at: Nach der Ermordung des prominenten Kreml-Kritikers Boris Nemzow hat das Europaparlament eine “unabhängige internationale Untersuchung” des Verbrechens gefordert. Dazu könnten die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), der Europarat und die Vereinten Nationen beitragen, hieß es am Donnerstag in einer Entschließung des Parlaments.

Süddeutsche: Ein russischer Rekrut verlässt zweimal unerlaubt die Truppe. Seine Strafe: Er muss sich nackt vor den anderen Soldaten auf dem Exerzierplatz aufstellen. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat Russland nun für diese Behandlung verurteilt.

Sputnik: Die USA erwägen einem Zeitungsbericht zufolge „wirtschaftliche und militärische Maßnahmen“, falls Russland gegen den INF-Vertrag verstößt, der die Vernichtung aller Raketen mit einer Reichweite von 500 bis 5.500 Kilometer vorsieht. Der Stein des Anstoßes ist vermutlich eine neue Flügelrakete. Moskau weist den Vorwurf zurück.

Deutsch-Russische Wirtschaftsnachrichten: Die im Dezember 2014 in Kraft getretene Anweisung an die großen staatlichen Exporteure, ihre Deviseneinnahmen in lokale Währung zu tauschen, ist seit März wieder aufgehoben. Das berichtet die russische Nachrichtenagentur RBK unter Berufung auf einen Topmanager aus dem Kreis der betroffenen Unternehmen.

Contra Magazin:
Möglicherweise gibt es für die Ukraine bald schon nicht nur finanzielle Hilfen in Milliardenhöhe, sondern auch noch einen Schuldenschnitt. Die Kosten für die westlichen Geberstaaten gehen dabei in die Milliarden. Die privaten Gläubiger wollen sich jedoch wieder – wie bei Griechenland – aus der Verantwortung stehlen.
Ein sehr emotionaler offener Brief an alle Ukrainer. Die Verwirrungen sind groß. Die Propaganda zügellos. Die Fakten gehen langsam verloren. Die Menschen in der Ukraine hungern, darben, frieren, dürsten, werden krank, sind verletzt oder sterben. Kiew ist noch die Hauptstadt der Ukraine. Die im Amt befindliche Regierung ist nicht ganz legal an die Macht gekommen. Minister aus fremden Ländern herrschen über ukrainische Bürger. Präsident und Ministerpräsident sind gedungene Figuren der USA, Befehlsempfänger, Scharfmacher, Vasallen.
Die NATO wäre nur zufällig in den Ukraine-Konflikt geraten, so sagt es der “Wahrheits-Journalist” Matthias Nass von DIE ZEIT heute. Weil es das neue Gesicht des Krieges gäbe und weil die Aggression Putins die NATO völlig unvorbereitet getroffen habe, sei die NATO nun leider aufgefordert, Abwehrmaßnahmen zu treffen. So dumm, so falsch und so unverschämt wurde in der deutschen Presse noch nie gelogen. Auf einer ganzen Seite versucht Nass, alle Tatbestände, die mittlerweile bewiesen wurden und mit zahlreichen Videos, Dokumenten, abgehörten Telefonaten, Bildern, Statements, Informationen selbst der NATO und des US-Außenministeriums, auf den Kopf zu stellen, um die deutsche Leserschaft hinterhältig und vorsätzlich zu belügen. DIE ZEIT sollte sich von diesem “Journalisten” verabschieden, falls die Atlantik-Brücke das zulässt.
Altkanzler Helmut Schmidt warnt vor einem “heißen Krieg” mit Russland. Das Mitglied der Atlantik-Brücke sprach sich dafür aus, dass der Westen mehr Verständnis für die russische Politik haben müsse. Doch in der deutschen Politik haben eben andere Kräfte das Sagen.
Langsam aber sicher dämmert es auch den Saudis, dass die bisherige Strategie des Preisdumpings beim Erdöl nicht aufgeht und sie sich damit nur selbst schaden. Damit dürfte der Ölpreis zumindest nicht mehr weiter sinken und vielleicht auch wieder ein wenig anziehen.

taz.de: Russland zu verstehen ist offenbar vielen Menschen ein Bedürfnis. Bereits kurze Zeit nach Erscheinen ist Gabriele Krone-Schmalz’ Buch „Russland verstehen“ auf der Bestsellerliste des bekanntesten aller Onlinebuchhändler ziemlich weit oben angekommen. Das zeigt, dass die ehemalige Fernsehjournalistin einen Nerv getroffen hat.