Juden und Muslime

Haben oberflächlich betrachtet vieles gemeinsam:

Sie sind (ursprünglich) Semiten, schreiben von links nach rechts, beschneiden ihren männlichen Nachwuchs, sprechen verwandte Sprachen, Nicht-Säkulare essen kein Schweinefleisch, ernähren sich koscher oder helal, bedecken die Häupter ihrer Frauen..... und haben eine Neigung zum "Gottesstaat". Schiiten erwarten den Mahdi, Juden den Messias.

Das Judentum jedoch missioniert nicht. Kennt nichts Analoges zum "Djihad", muss keine Nicht-Juden von seinem Glauben überzeugen.

Weshalb nicht? Weil es ein Volk ist. Weil man als Jude geboren wird, und (für gewöhnlich) nicht zum Juden bekehrt. Ein Volk. Eine Nation, Eine Religion. Ein Bund.

Muslime und Christen sind und waren Angehörige unterschiedlicher Völker, von denen manche schon gar nicht mehr existieren. Bei den Juden ist  Religion und Volk nicht zu trennen. Religion und Volk haben sich gegenseitig erhalten. Deshalb wird es begreiflich, dass man in Israel Religion und Staat nicht so einfach voneinander trennen kann oder will. Muslime sind Iraker, Syrer, Türken, Araber, Tschetschenen, Bosnier.......Juden sind Juden. Auch wenn sie unterschiedlichen Staaten angehören.

Es gibt kein Volk der Katholiken, der Muslime, der Protestanten, der Buddhisten, auch wenn diese Religionen in einigen Fällen Staatsreligionen sind.

Bereits in der Antike gab es Antisemitismus. Man warf ihnen "Gottlosigkeit" vor, weil sie sich den häufig synkretistischen Religionen der Großreiche nicht anpassten, sich nicht vermischten und sich antiker "Globalisierung" verweigerten. Hätten sie das nicht getan, wären sie in anderen Völkern auf- bzw. untergegangen. Je nach Sichtweise und Ideologie.

Juden und Nation (natus=geboren) sind eines.

In der Diaspora mussten sie Überlebensstrategien entwickeln, um nicht unterzugehen. Strategien, die ihnen entscheidende geistige Vorteile und Vorsprünge in Verbindung mit einer erweiterten Perspektive verschafften, von denen sie heute noch profitieren. Zur Überlebensstrategie gehörte auch sicherlich, bei anderen Völkern sozialen und gesellschaftlichen Wandel zu initiieren, was wiederum zu Missverständnissen und Verwerfungen führte, aus denen erneut Antisemitismus und Diskriminierung hervorgingen. Karl Kraus, ein damals eher "assimilierter", vorübergehend "katholischer" Jude, bedauerte seinerzeit die Einwanderung von Ostjuden, die mit ihrem traditionellen Auftreten in Kaftan und Schläfenlocken die Wiener "Westjuden" irritierten. Man legte wert darauf, nicht mit ihnen verwechselt zu werden und fürchtete sich vor einem erneuten Aufflammen des Antisemitismus und damit verbundener Ressentiments.

Man stelle sich vor, die Germanen hätten mit ihrem "Wotan" oder "Odin" einen Bund geschlossen, sich jeglichen Bekehrungsversuchen erfolgreich verweigert - und wären dann vertrieben worden. Es spricht viel dafür, dass es sie dann auch heute noch gäbe, bzw. sie sich erst dadurch zu einem einheitlichen Volk zusammengefunden hätten.

Christentum und Islam sind "globalistischer" Natur. Sie vermischen die Völker und schaffen eine neue, der Tradition übergeordnete Art von "Consensus". Katholiken stehen dabei Volk und Tradition näher. Gläubige (evangelikale)Protestanten und Muslime aber sind sich ähnlicher, als sie vielleicht glauben. 

Das Judentum ist meiner Meinung nach das Gegenteil. 

Dass manche seiner Angehörigen aber Globalisierung und Multikulturalismus fördern, ist kein Widerspruch, wenn man genau darüber nachdenkt.