Papi, was sind eigentlich Steuern?

"Papi, was sind eigentlich Steuern?"

"Steuern sind das, wofür Menschen, die nicht reich, aber fleißig sind, den Großteil ihres Lebens arbeiten müssen."

"War das schon immer so?"

"Nein, im Deutschen Kaiserreich zahlte man so gut wie keine Steuern. Lediglich die Reichen zahlten ab einem Einkommen von 100 000 Mark jährlich maximal vier Prozent Steuern. Und dieses Einkommen war für damalige Verhältnisse sehr hoch."

"Weshalb zahlt man dann heute so viel Steuern?"

"Weil wir heute bereits Steuern dafür zahlen, dass wir Steuern zahlen dürfen müssen."

"Häh?"

"Wir müssen für das Geld, mit dem wir die Steuern zu entrichten haben, bereits Geld bezahlen, selbst wenn wir es ausschließlich durch unsere Arbeit verdient haben. Dieses Geld wird daher und noch aus anderen Gründen immer mehr, so dass wir immer mehr zu zahlen haben. Das ist stark vereinfacht ausgedrückt in etwa so, wie wenn Du in der Schule mit jemandem einen Apfel für eine Birne tauschst, für die Du aber in Zukunft eine monatliche Miete zu bezahlen hast, auch wenn sie längst aufgegessen wurde. Und was noch hinzu kommt: Es werden ständig neue Steuern aus fadenscheinigen Gründen eingeführt, die nie wieder abgeschafft werden - selbst wenn es diese Gründe schon lange nicht mehr gibt."

"Und wie führt der Staat diese Steuern dann ein? Werden die Bürger da nicht sauer?"

"Das wird zunächst über Presse und Fernsehen vorbereitet. Man lässt die eine Partei über die Notwendigkeit einer neuen oder Erhöhung einer bestehenden Steuer diskutieren, während die andere Partei dies mit gespielter Empörung ablehnt. Dann sind die Bürger bereits vorbereitet, dass da irgend was in Gange sein könnte und nicht mehr so überrascht. Anschließend wartet man eine Weile, lässt es wieder durch die Medien gehen, und in Diskussionen jene zu Wort kommen, die diese Steuer als vernünftig und in irgendeiner Form nützlich und solidarisch darstellen, so dass es bei manchen Bürgern den Eindruck erweckt: Wenn ich diese Steuer zahle, dann tue ich auch was für die Umwelt, für die Gesundheit, das Gemeinwohl.. und so weiter. In der letzten Phase schließlich nimmt man ein wenig von der ursprünglichen Forderung zurück, die absichtlich etwas höher angesetzt war, so dass der Bürger den Eindruck erhält, es handele sich um einen Kompromiss und man komme ihm entgegen. So nimmt man dann zusätzlich noch etwas Dampf raus. Bisweilen sagt man auch, dass diese Steuer nur zeitlich befristet wäre oder nennt sie anders. Man gibt ihr falls möglich ohnehin stets einen wohlklingenden Namen, dass der Bürger am besten noch glaubt, er bekäme sogar noch was geschenkt. Ist dann das Gesetz für diese Steuer verabschiedet, wird sie nie, nie wieder abgeschafft, höchstens umbenannt. Mit einem anderen Trick konnte man die Renten besteuern: Selbstverständlich rein zufällig klagte ein Beamter, dass seine Pension besteuert wird, während die Renten der Arbeitnehmer nicht besteuert werden. Da sagte der Richter. Oh, ja, wie recht der doch hat! Gerechtigkeit muss sein - und bestimmte, dass auch die viel niedrigeren Renten der Arbeitnehmer von da an besteuert werden mussten. So arbeitet der Staat - und für diese Arbeit zahlen wir Steuern!