Zwei Minuten Hass für Belarus


Von Daniel McAdams

Nachdem der belarussische Präsident Aleksander Lukashenko am Sonntag zum fünften Mal ins Amt gewählt wurde, schlägt das übliche westliche Hassritual gegen die ehemalige Sowjetrepublik wieder einmal hohe Wellen.

Der regelmäßige Marsch westlicher Journalisten nach Minsk, um über „Europas letzte Diktatur” zu berichten, hat bereits begonnen, wobei Max Seddon von Buzzfeed weder der erste noch der letzte ist. Aber wie die anderen hakt er alle Kästchen richtig an, was ihm seinen heutzutage seltenen bezahlten Job als Journalist erhält.

In Buzzfeeds Ausflug in die Berichterstattung aus dem Ausland räumt Seddon ein, dass Lukashenko die Unterstützung der Bevölkerung genießt (in einer Demokratie führt das zum Wahlsieg), während er absurderweise versichert, dass „Experten sagen, dass er so oder so wahrscheinlich weiterhin die Ergebnisse fälschen wird.“

Wer sind diese „Experten”? Es sind natürlich die von den Vereinigten Staaten von Amerika gestützten NGOs! Seddon zitiert Dzyanis Melyantsou vom Belarusian Institute for Strategic Studies (das seinen Sitz in Litauen hat), das versichert, dass das Fälschen von Wahlergebnissen für Belarus nur eine Art von Spiel ist. Wenn der Führer von Kasachstan 80% bekommt, muss Lukashenko fälschen, um auf 85% zu kommen, nur um seinen Diktatorkollegen zu übertrumpfen, sagt Melyantsou.

Beweise? Null.

Was ist das Belarusian Institute for Strategic Studies (Belarussisches Institut für strategische Studien)? Sein ehemaliger Präsident Virali Silitski war ein von den Vereinigten Staaten von Amerika ausgebildeter und bezahlter Experte für Regierungswechsel bei der National Endowment for Democracy (NED - nationale Stiftung für Demokratie). Über die wird routinemäßig in den Zeitschriften von USAID und NED geschrieben. An ihren Veranstaltungen nahmen Organisationen teil, die von der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika finanziert werden. Sie gehört zum Netzwerk der Farbenrevolutionen.

In den Jahren, die ich als Wahlbeobachter verbracht habe, habe ich diesen Film schon viele Male gesehen. Ein westlicher Journalist wie Max Seddon landet in einem Land, das von der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika für einen Regimewechsel vorgesehen ist. Seine Treffen mit englischsprechenden politischen Figuren der von den Vereinigten Staaten von Amerika gestützten „Opposition“ sind bereits vorbereitet. Die englischsprechenden von den Vereinigten Staaten von Amerika gestützten Oppositionsfiguren sagen dem amerikanischen Journalisten alles über die lokale politische Szene, was – oh Wunder – ziemlich genau der Linie der Vereinigten Staaten von Amerika dem Land gegenüber entspricht. Der Journalist schreibt seine auf amerikanischen Quellen beruhende Geschichte, die die Politik der Vereinigten Staaten von Amerika gegenüber diesem Land unterstützt. Der amerikanische Leser, der über die Geschichte stolpert, ist um nichts klüger als zuvor, nachdem er die von seinem eigenen Geld bezahlte Propaganda seiner Regierung aufs Auge gedrückt bekommen hat.

Aber der arme Max Seddon ist bloß eine Memme, verglichen mit Roland Oliphant vom Telegraph (Vereinigtes Königreich), einem Mann mit einer Einbildung so groß wie ein Elefant. Der in Moskau stationierte britische Journalist serviert regelmäßig die unerhörteste Propaganda über die Region, über die er berichten sollte. Von Legenden über Vladimir Putins „Freundin,“ die ein Kind bekommt, bis zu „Berichten“ über Russland, das „den Extremismus schürt,“ indem es in Syrien ISIS und al-Qaeda angreift, ist Oliphant ein verlässliches Instrument der Regierungspropaganda der Vereinigten Staaten von Amerika / des Vereinigten Königreichs.

Diese Woche ließ er in Bezug auf Belarus seiner Fantasie freien Lauf, mit einem atemberaubend hysterischen „Bericht“ darüber, wie Lukaschenko versucht, in Belarus eine dynastische Diktatur „im Stil Nordkoreas“ zu errichten. Oliphant warnt uns, dass „Europas letzter Diktator“ seinen elfjährigen Sohn darauf vorbereitet, Europas nächster Diktator zu werden.

Sein Beweis für diese ausgefallene Behauptung? Lukaschenko nimmt seinen jungen Sohn gerne mit zu Paraden in Belarus und Russland und zu Treffen mit Leuten wie Papst Benedikt XVI. Das reicht für Oliphant, der behauptet, dass das der Beweis dafür ist, dass der Bub „die Rolle des ‚zukünftigen Präsidenten von Belarus’ eingenommen hat.“

Angesichts von Oliphant, der die Berichterstattung des Telegraph über Russland und die benachbarten Regionen über hat, machen die neokonservativen amerikanischen Schmierblätter wie Free Beacon und Daily Beast einen vergleichsweise geradezu glaubwürdigen Eindruck.

Was Oliphant, Seddon und den ganzen Klüngel von Journalisten und Altpolitikern, die Orte wie Belarus beobachten, verrückt macht, ist die Tatsache, dass Lukaschenko im Land wirklich populär ist. In seinem eigenen Artikel bestätigt Oliphant, dass in zwei Umfragen von politischen Konkurrenten, die vor der Wahl durchgeführt wurden, über 80% der Wähler Lukaschenko den Vorzug gaben. In der Wiederwahl brachte der es dann auf über 82%. Also innerhalb der Toleranzgrenze. Dennoch zitiert Oliphant einen gescheiterten ehemaligen belarussischen Präsidentschaftskandidaten, der diese Übereinstimmung von Umfragen vor der Wahl und Wahlergebnis als „einen wirklich schamlosen Betrug“ bezeichnet.

Reine Propaganda.

Lukaschenko war seit einer Reihe von Jahren ein bevorzugter Prügelknabe der Neokonservativen in den Vereinigten Staaten von Amerika und im Westen, weil er es im Vergleich zu sagen wir den baltischen Staaten gegenüber seinen westlichen Möchtegern-Oberherrn an Ehrerbietung fehlen hat lassen. Routinemäßig gewinnt er Wiederwahlen, obwohl die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika Millionen Dollars in die politische Opposition gesteckt hat in der Hoffnung, irgendwie einen Regimewechsel auf die Beine zu bringen.

In der Tat hat Lukaschenko unklugerweise seinen Flirt mit Washington und Brüssel fortgesetzt in der Hoffnung, von diesen von Neokonservativen beherrschten Regimes in Gnade aufgenommen zu werden. Er lehnt es ab, wie Russlands kleiner Bruder behandelt zu werden und würde vielleicht einen vom Westen angebotenen Handel eingehen, wenn dieser nicht die totale Unterwerfung verlangen würde. Ein solcher Handel könnte näher bevorstehen, als Leute wie Oliphant begreifen – aber sollte er jemals abgeschlossen wird, dann achten Sie darauf, wie die Oliphants des Pressekorps die Propagandalinie schneller umstellen als Sie „Molotov-Ribbentrop“ sagen können.

Das soll nicht heißen, dass Belarus der Himmel auf Erden ist. Aber rücken wir die Dinge ein bisschen in die Perspektive. Im Gegensatz zu den Heimatregierungen dieser Journalisten, die selbstgefällig über „Europas letzten Diktator“ herziehen, hat Belarus im Lauf des vergangenen Jahres oder so tatsächlich einiges politisches Kapital für den Frieden in der Region veranlagt. Während die Vereinigten Staaten von Amerika und ihre EU-Handlanger eifrig damit beschäftigt waren, zu Unruhen und letztendlich zu einem blutigen Staatsstreich in der Ukraine im Januar letzten Jahres aufzuhetzen – mit dem Ergebnis von Unterdrückung in breitem Ausmaß, einem Haufen von Neonazi-Strolchen und dem totalen wirtschaftlichen Kollaps – war Belarus Gastgeber von zwei Friedenskonferenzen, die bisher weitgehend das Blutvergießen in Grenzen gehalten haben, zu dem die Intervention des Westens geführt hat.

Was treibt Belarus sonst, um sich den Status einer „Diktatur” bei den „Experten“ á la Oliphant im Westen zu verdienen?

Massakriert Belarus tausende jemenitische Zivilisten mit massiver geheimdienstlicher und technischer Unterstützung der Vereinigten Staaten von Amerika? Nein, das macht der Verbündete der Vereinigten Staaten von Amerika Saudiarabien.

Hat Belarus eine Armee von fanatischen Jihadisten geschaffen, um den säkularen Präsidenten Syriens zu stürzen? Nein, das machen die Vereinigten Staaten von Amerika und ihre Alliierten.

Hat Belarus Drohnen nach Pakistan geschickt, die tausende Unschuldige mittels „gezielter Angriffe“ getötet haben? Nein, das machen die Vereinigten Staaten von Amerika.

Hat Belarus Libyen unter einem falschen Vorwand in die Steinzeit bombardiert und so eine entrückte, von Jihadisten beherrschte Hölle auf Erden geschaffen? Nein, das waren die Vereinigten Staaten von Amerika, Frankreich, das Vereinigte Königreich und ausgesuchte Alliierte.

Hackt Belarus den Kopf von jedermann ab, der auch nur daran denkt, homosexuell zu sein, von Bürgern, die es wagen, gegen die Politik ihrer Regierung zu protestieren, oder von oppositionellen Bloggern? Nein, das macht Saudiarabien, der Verbündete der Vereinigten Staaten von Amerika.

Macht Belarus einen Sport daraus, unbewaffnete Palästinenser umzubringen? Nein, das macht der Alliierte der Vereinigten Staaten von Amerika Israel, das eine weitere tödliche Offensive gegen die Zivilisten in Gaza entfesselt hat, während der Rest der Welt auf Russland in Syrien schaut.

Ist es nur Belarus, das diejenigen, die der Staatsgewalt ein Dorn im Auge sind, schikaniert und sogar einsperrt? Da fragt man am besten Edward Snowden, Chelsea Manning und Julian Assange ...

Aber immer noch haben die bezahlten Propangandisten großen Spaß damit, Belarus als „Diktatur“ hinzustellen – sogar während sie den (beträchtlichen) Komfort und die Freuden dieses freundlichen kleinen Landes genießen. Sollen sie das doch in einer wirklichen Diktatur versuchen. Das werden sie nicht, weil sie Feiglinge sind.

Was ist nun die beste westliche Politik für Belarus (und alle anderen)? Lasst sie in Ruhe. Das geht uns nichts an. Zentrale Wirtschaftsplanung ist eine Sackgasse, das ist gewiss. Aber hat jemand die neun Jahrzehnte zentraler Wirtschaftsplanung in den Vereinigten Staaten von Amerika unter der Herrschaft der Federal Reserve Bank bemerkt?

Schlusswort: ignorieren Sie Regimejournalisten, die irgendwo auftauchen, um die Parteilinie der Neokonservativen der Vereinigten Staaten von Amerika hervorzuwürgen. Sie sind die heutigen Lakaien Münzenbergs. Ihre Aufgabe ist es, zu täuschen.