Soziale Unwörter 2013  - Orwell Neusprech Liste S

Soziale Unwörter 2013  - Orwell Neusprech


Liste Soziale Unwörter 2013

  1. Alleinerziehend (=<em>Sagt nichts über mangelnde soziale Einbettung oder gar Erziehungsqualität aus. Beides wird jedoch häufig mit „alleinerziehend“ assoziiert</em>)
  2. Arbeitslos/Langzeitarbeitslos (=<em>Es sollte erwerbslos heißen, weil es viele Arbeitsformen gibt, die kein Einkommen sichern</em>
  3. Arbeitslose sind eine engagementferne Gruppe (=<em>Damit wird nahegelegt, dass Erwerbslose sich nicht ehrenamtlich engagieren. Dagegen spricht schon die Vielzahl an Selbsthilfegruppen etc., in denen Erwerbslose aktiv sind</em>)
  4. Behindertentransport (<em>=Objekte werden transportiert, Menschen aber werden befördert</em>)
  5. Bildungsferne Schichten (= <em>Gemeint ist – und das sollte man auch sagen – „Fern vom Bildungswesen“ oder „vom Bildungswesen nicht Erreichte“</em>)
  6. BuT’ler („butler“) (=<em>Gemeint sind Nutzer des Bildungs- und Teilhabepakets der Bundesregierung. Der Ausdruck ist ähnlich reduzierend und deshalb diskriminierend wie „Der/Die ist Hartz IV“. Abschätzig ist er auch</em>, <em>wenn er englisch ausgesprochen wird: Butler=Diener)</em>
  7. „Der/Die ist Hartz IV“ (<em>=Wer Grundsicherung – im Volksmund Hartz IV – erhält, wird darauf reduziert. Außerdem wird häufig mit dem Begriff assoziiert, Empfänger von Sozialleistungen seien arbeitsscheu</em> <em>und generell unfähig</em>)
  8. Ehrenamtspauschale (<em>=Richtig müsste es Ehrenamtseinkommensteuerpauschale heißen, denn besagte Pauschale kann nur entgegennehmen, wer eine Steuererklärung abgibt. Gerade arme Menschen können dies aber nicht, weshalb sie auch diese Entschädigung nicht erhalten</em>)
  9. Eingliederungsverfahren (=<em>Menschen außerhalb von pathologischen oder resozialisierenden Prozessen müssen sich nicht erst eingliedern</em>)
  10. Flüchtlingsfrauen (<em>=Überflüssig, weil das Wort Flüchtlinge beide Geschlechter umfasst. Ansonsten: ähnlich diskriminierend wie Arztgattin</em>)
  11. Herdprämie (=<em>diskriminierend,</em> <em>weil der Begriff unabhängig von der Positionierung gegenüber dem gemeinten Betreuungsgeld Frauen verunglimpft</em>)
  12. Illegale (=<em>Diesem Begriff ist tatsächlich nur die Losung entgegenzuhalten: „Kein Mensch ist illegal</em>“)
  13. Massenverwaltbarkeit (=<em>Wurde vom BMAS genutzt, wenn Individualisierungswünsche bei der Anwendung von SGB II abgewehrt werden sollten</em>)
  14. Missbrauch (<em>=Ist im Zusammenhang mit Sozialrecht und Sozialstaat - beispielsweise Missbrauch von Hartz IV – eine ungute Vokabel, weil damit ein schwerwiegender sexueller Straftatbestand assoziiert wird</em>)
  15. Notleidender Kredit (<em>=Wenn der Darlehensnehmer die Raten nicht mehr zahlen kann und das Darlehen infolgedessen gekündigt wird, gilt der Kredit als notleidend. Letzteres dürfte allerdings eher auf den Menschen in Zahlungsschwierigkeiten zutreffen</em>)
  16. Person mit Migrationshintergrund (<em>=Häufig wird damit „einkommensschwach“, „schlecht ausgebildet“ und „kriminell“ in Zusammenhang gebracht. Während mit diesem Begriff Klischees reproduziert werden, wird er der sehr unterschiedlichen Herkunft der so Bezeichneten nicht gerecht</em>)
  17. Person mit Migrationshintergrund ohne eigene Migrationserfahrung =(<em>Siehe 16</em>)
  18. Sozial Schwache (<em>=Wer kein/wenig Geld hat, ist ökonomisch schwach, aber nicht sozial schwach</em>)
  19. Sozialschmarotzer
  20. Trittbrettfahrer (<em>=Wird auch für Menschen benutzt, die ein schwerwiegendes Delikt wiederholen oder davon profitieren</em>)
  21. Vollkasko-Mentalität
  22. Wirtschaftsasylanten
  23. Wirtschaftsflüchtlinge